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Abschied einer Institution / Peter Johannsen vom Herbergsverein verabschiedet

Peter Johannsen übergab symbolisch einen Staffelstab an seinen Sohn Helge (Foto: ts)
 
Die Vereinsvorsitzenden Anke Klindworth (li.) und Ursula Sendes verabschieden sich mit Blumen von Peter Johannsen (Foto: ts)
 
Superintendent Dirk Jäger: "Solche Zeitgenossen wie Peter Johannsen brauchen wir heute" (Foto: ts)
bim. Tostedt. Eine Institution hat den Herbergsverein, Altenheim und Diakoniestation zu Tostedt verlassen: Der engagierte Peter Johannsen (63) hat die Geschäftsführung nach 36 Jahren an seinen Sohn Helge übergeben. Johannsen "senior" hinterlässt große Spuren im Herbergsverein, hat er die Einrichtung doch zu dem gemacht, was sie heute ist: ein Rundumversorger für alle Menschen, die Unterstützung in der Pflege oder sozialen Angelegenheiten benötigen. Und er hat stets Wert darauf gelegt, dass Senioren und Pflegebedürftige über gesetzliche Standards hinaus versorgt und betreut sind.
Bevor Peter Johannsen 1982 die Heimleitung des Herbergsvereins übernahm, arbeitete er als Krankenpfleger in der Diakoniestation Tostedt. "Der damalige Pastor Tegtmeier war Geschäftsführer der Diakoniestation und Vorstandsvorsitzender des Altenheims der inneren Mission, wie es damals hieß. Als er mir die Aufgabe anbot, war ich skeptisch, weil es ein großer Schritt vom Krankenpfleger zum Heimleiter war", erinnert sich Peter Johannsen. Bei seiner neuen Aufgabe kam ihm seine frühere Ausbildung als Kaufmann und die Kenntnis über betriebswirtschaftliche Zusammenhänge zugute. "Damals war die Herberge mit 1.300 Übernachtungen im Jahr noch gut frequentiert, heute sind es nur noch 200 bis 300 Übernachtungen, obwohl die Obdachlosigkeit nicht rückläufig ist. Aber die Obdachlosen bleiben heute meist in den Städten, typische 'Tippelbrüder' gibt es nicht mehr", so Peter Johannsen.
Seine Mitarbeiter scherzten bei seinem 25-jährigen Dienstjubiläum im Jahr 2007: "Man sah ihn nie ohne Pläne." Sie meinten damit die vielen Bauvorhaben des Herbergsvereins, die in Peter Johannsens Ära geplant und realisiert wurden. "Die Pflege hat sich ständig verändert und weiterentwickelt, u.a. durch die Pflegeversicherung, dem haben wir Rechnung getragen durch ein immer breiteres Angebot. Und wir haben die Tagespflege und die Diakoniestation integriert, um als diakonischer Träger ambulant und (teil-)stationär auftreten zu können", erläutert Peter Johannsen. "Wir haben eigentlich ständig gebaut und die Heimplätze im Laufe der Jahre von 35 auf 70 verdoppelt und den Herbergsverein immer nach den finanziellen Möglichkeiten und Bedarfen erweitert."
Hinzu kam zum Beispiel das Betreute Wohnen, weil immer mehr Menschen im Alter selbstbestimmt leben möchten. Und Peter Johannsen wollte den Menschen, die über den Herbergsverein betreut wurden, später eine stationäre Pflege anbieten können. "Wir haben auch innerhalb der Pflege versucht, uns zu spezialisieren, und einen geschlossenen Wohnbereich für demenziell Erkrankte und eine weiterführende Versorgung in kleinen Wohngruppen für immobile, schwerst Demente geschaffen."
"In den Anfangsjahren habe ich noch selbst Hand mit angelegt, ein Zimmer umgebaut oder am Wintergarten gemauert", berichtet er.
"Es hat mir Spaß gemacht, unseren diakonischen Auftrag umzusetzen, auch mit den Ehrenamtlichen des ambulanten Hospizdienstes, der Töster Tafel oder den Begleitern demenziell erkrankter Menschen", so Johannsen. Ebenso bietet der Herbergsverein weitere Leistungen, die nicht refinanziert werden, aber als soziale Verpflichtung wahrgenommen werden wie das Beratungsbüro für Pflege und Soziales, Schwangerenkonfliktberatung und beratende Hilfen. "Mir waren besondere Angebote wie Aus- und Urlaubsfahrten der Bewohner zweimal im Jahr wichtig, die wir seit 35 Jahren machen, und die Abwechslung in den Heimalltag bringen." Und es sei ihm wichtig gewesen, für die Mitarbeitenden jederzeit ansprechbar zu sein, "damit sie sich mit Problemen nicht allein gelassen fühlen."
Die Kinder Gesa (37) und Helge (35) sind auf dem Gelände des Herbergsvereins aufgewachsen, Tochter Nele (33) sogar hier geboren. "Damals war es gang und gebe, dass man als Heimleiter auch als Hausvater angestellt war", so Peter Johannsen, der von 1982 bis 1990 mit seiner Familie dort lebte, wo sich heute die Küche befindet. "Die Wohnung wurde aber wegrationalisiert. Man brauchte Plätze", schmunzelt der Geschäftsführer. "Für mich ist es erfreulich, dass Helge den Weg zurück gefunden hat und nun meine Arbeit fortsetzt." Der 35-jährige Sozialarbeiter hat Sozialmanagement auf Master studiert und war zuvor bei "Pro Familia" als Leiter der Beratungsstelle Mitte in Bremen tätig. "Ich bin mit dem Sozialen groß geworden und auf dem Gelände des Herbergsvereins aufgewachsen", so Helge Johannsen.
Peter Johannsen wird seine Aufgaben als Heimleiter des Seniorenheims in Marschacht und als Geschäftsführer des Hospizes Nordheide weiter führen.

Stationen von Peter Johannsens Wirken

1982 - Übernahme der Heimleitung des Herbergsvereins, Altenheim und Diakoniestation zu Tostedt e.V. mit 27 stationären Plätzen; Anzahl der Mitarbeitenden: 20
1990 - Erweiterung des Pflegeheimes um 17 stationäre Plätze
1996 Übernahme der Diakoniestation in die Trägerschaft des Herbergsvereins
• Neubau der Herberge für zehn Gäste
1997 - Grundsteinlegung für die Diakoniestation, die Tagespflege Tostedt und das Betreute Wohnen Bremer Straße.
1998 - Neubau der Tagespflege Tostedt mit zwölf Plätzen und 40 Wohnungen im Betreuten Wohnen Bremer Straße sowie Bau des Verwaltungsgebäudes für die Diakoniestation
• Einstellung einer Sozialpädagogin für die kostenlosen Beratungsangebote Schwangerschaftskonfliktberatung, Kurenvermittlung
2000 - Eröffnung des Betreuten Wohnens Albert Schweitzer Weg mit 26 Wohnungen
2001 - Übernahme der Heimleitung Marschacht
2002/2003 - Erweiterung/Umbau des Pflegeheimes: Eröffnung des Wohnbereiches für Menschen mit Demenz, Erweiterung der stationären Plätze auf 50
2002 - Gründung des ambulanten Hospizdienstes Tostedt in Zusammenarbeit mit der Johannes-Kirchengemeinde
2003 - Mitarbeit in der Hospizinitiative und Gründung der Bürgerstiftung Hospiz Nordheide
2004 - Aufbau des Angebotes zur niedrigschwelligen Betreuung von Menschen mit Demenz durch Alltagsbegleiter; Beginn der Planung des stationären Hospizes in Buchholz
2005 - Bau und Eröffnung des stationären Hospizes in Buchholz mit zwölf Plätzen
• Gründung der Töster Tafel in Zusammenarbeit mit der Irene und Friedrich Vorwerk-Stiftung und der Johannesgemeinde
2006 - Umbau des Pflegeheimes: Bereich für immobile, demenziell erkrankte Bewohner
2008 Grundsteinlegung Betreutes Wohnen Dieckhofstraße mit 31 Wohnungen
• Eröffnung der Tagespflege Buchholz mit 14 Plätzen
2009 - Eröffnung des Betreutes Wohnen Dieckhofstraße mit 31 Wohnungen
2011 - Festjahr anlässlich des 100-jährigen Bestehens / Gründung des Förderkreises.
2012 - Planung und Grundsteinlegung Erweiterung des Pflegeheimes um 25 stationäre
Pflegeplätze / 2013 Eröffnung
• Grundsteinlegung Betreutes Wohnen Bahnhofstraße; 2013 Einweihung mit 30 Wohnungen
2014 - Eröffnung des Beratungsbüros für Pflege & Soziales in der Bahnhofstraße
2018 - Anzahl der Mitarbeitenden: 180.