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Ärger mit Metronom und Bahn: "Politik ignoriert Probleme"

Zahlreiche Pendler nutzen täglich den Metronom nach und von Hamburg Foto: bim
(bim). Der WOCHENBLATT-Artikel "Infrastruktur ist veraltet" über überfüllte Züge, dauernde Verspätungen und Komplett-Ausfälle, unter denen Nutzer des Schienennahverkehrs und des Metronom leiden, hat zu zahlreichen Leser-Reaktionen geführt. Einige Stimmen:
• "Ich bin froh, dass ich den Metronom nicht zur oder von der Arbeit brauche", schreibt Dieter Kleist aus Maschen. "Ich fahre auch schon immer, wenn ich einen Termin habe, einen Zug früher. Ich muss mit dem Bus zum Bahnhof Meckelfeld fahren. Egal ob der Bus oder Metronom verspätet ist, keiner wartet mal fünf Minuten. Und in der letzten Zeit sind beim Metronom Wagen verschlossen, warum? Die Fahrzeit von Harburg bis Maschen Milchberg beträgt 20 Minuten, aber da der Metronom oft später ist oder ausfällt, braucht man eine Stunde und 20 Minuten. Darum fahre ich - solange es noch geht - mit dem HVV-Bus über Fleestedt, da beträgt die Fahrzeit auch nur 35 Minuten."
Manja Günther aus Ashausen berichtet: "Aus ökonomischen und ökologischen Gründen fährt mein Mann täglich mit der Bahn zur Arbeit in die City Nord. Normalerweise ist er jeweils eine Stunde für Hin-und Rückfahrt unterwegs. Leider ist es schon die Regel, dass er wesentlich länger braucht, weil mal wieder ein Metronom ausfällt oder sehr viel später fährt.
• "Die Erfahrungen mit den Verspätungen treffen auf mich genau in dieser Weise auch zu", sagt Hans-Thoralf Bieber aus Winsen. "Ich habe das Glück, in Gleitzeit oder auch mal von zu Hause arbeiten zu können. Die Wartezeit im Metronom geht von meiner Arbeitszeit ab und wird durch nichts entschädigt. Kritisch wird es bei mir, wenn ich nicht pünktlich zum Kindergarten komme. Der kennt keine Gleitzeit. Unzählige Male musste ich meine Eltern bitten, mein Kind abzuholen.
Meine Erfahrung mit der Politik zu diesem Thema ist Ignoranz. Ich habe nach dem wochenlangen Baustellenchaos im Sommer eine E-Mail an den dafür zuständigen Minister Althusmann, den Landtagsabgeordneten André Bock und Bürgermeister André Wiese geschrieben mit der Bitte, mir mitzuteilen, welche Gegenmaßnahmen angedacht sind. Es kam lediglich eine E-Mail von der Landesverkehrsgesellschaft, in der man mir die Herausforderungen auflistete. Von den Politikern direkt war nichts zu hören."
• "Die von Ihnen beschriebenen Probleme erlebe ich fast täglich", bestätigt Dr. Mark-Oliver Otto aus Heidenau. "Als Partner einer Transaktionskanzlei in der Hamburger Innenstadt fahre ich fast täglich mit der Bahn von Tostedt nach Hamburg. Mittlerweile sind Verspätungen und Ausfälle an der Tagesordnung. Schon ein wenig Regen oder leichter Frost führt (vorhersehbar) zu Beeinträchtigungen. Die Infrastruktur ist alt und durch dauernde Sparmaßnahmen am Limit. Damit verliert die Schiene ihren zentralen Vorteil gegenüber der Straße: ihre Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit vom Wetter. Für einen reibungslosen Betrieb müsste massiv in die Strecken investiert werden. Außerdem müssten gesetzliche Grundlagen überdacht werden.
Jan Körber aus Lüneburg pendelt seit 17 Jahren von montags bis freitags von Lüneburg nach Hamburg zur Arbeit und zurück. "Inzwischen nehme ich bereits den Zug um 5.24 Uhr, da sich dann die Fülle der Waggons und die Zugverspätungen noch in Grenzen halten. Allerdings werde auch ich nicht von Verspätungen verschont. Nahezu täglich kommt mein morgendlicher Zug zu spät in Hamburg an. Meist handelt es sich nur um ein paar Minuten, die sich jedoch deutlich auf den weiteren Verlauf auswirken. Ich muss noch weiter in die City Nord fahren, verpasse durch die Verspätung regelmäßig meine U-Bahn und muss nochmals zehn Minuten auf den nächsten Anschluss warten. Dadurch bin ich somit später auf der Arbeit. Da ich Gleitzeit habe, gibt es nicht wirklich Ärger vom Chef, aber ich muss die Zeit natürlich nacharbeiten.
Seit dem 18. Mai führe ich täglich Buch über die Verspätungen meiner Metronom-Züge. Ergebnis bis heute: Lediglich 18,9% der Züge kommen pünktlich gemäß Fahrplan am Ziel an. Die Summe meiner Verspätungen beträgt seit Mai insgesamt 14 Stunden und 49 Minuten."
Wilfried Eggers aus Jesteburg meint: "Wie wäre es denn mal, darüber zu berichten, dass der Großteil der Bahnfahrer rechtzeitig zu ihren Zielen kommt? Zum Kaffeebesuch der Oma in München oder zu Freunden im Harz oder täglich zur Arbeit. Muss man denn immer nur alles madig reden? Den Zaubertrick der Problemlösung gibt es hier nicht. Hätten Sie den, könnten Sie ihm Bahnvorstand aktiv an einer Verbesserung mitwirken und müssten nicht hinterm Redaktions-PC sich zu solchen Artikeln hinreißen lassen."
• "Das Thema Metronom ist eigentlich ein Problem der DB und damit auch ein Problem des Bundes", sagt Oliver Seiffert aus Winsen. Als Nutzer des Schienensystems haben sich die Züge der Metronom-Gesellschaft den Vorgaben anzupassen. Das ist vergleichbar mit dem Monopolisten im Telekommunikationsbereich und deren Mitbewerbern. Welcher Kunde wird da im Störungsfall wohl besser bedient, auch wenn das bestimmt bestritten wird?
Kurzes Beispiel in Fahrtrichtung Hamburg: Hier steht nur ein Gleis zur Verfügung, in Fahrtrichtung Lüneburg sind es zwei Gleise. Ab 6.30 Uhr folgen drei Güterzüge aufeinander. Bedingt durch diese 'Bremskeile' wird es dem nachfolgenden Metronom-Zug unmöglich gemacht, sein nächstes Ziel pünktlich zu erreichen. Auch die vorrangig fahrenden Fernverkehrszüge (IC, ICE) bremsen die Fahrt weiter ein. Und somit summieren sich die Verspätungszeiten, gerade in den Morgen- und Abendstunden."
• "Metronom ist eine einzige Katastrophe", findet Rolf Nentwig aus Winsen. "Ich fahre die Strecke WL-HH seit 40 Jahren täglich. So schlimm wie jetzt war es noch nie. Der Metronom gibt die Schuld nur den Anderen. Dabei haben sie laufend Türstörungen, technische Defekte, keine Lokführer pp. Beispielsweise fiel und fällt diese und nächste Woche permanent der 17.28- Uhr-Zug von Hamburg Richtung Lüneburg aus. Ersatz? Fehlanzeige. Die Stellungnahme des Sprechers vom Metronom ist schlicht und einfach gelogen. Die Pünktlichkeit von 91 bis 97% hat er wohl mit einer 3 verwechselt. Leider haben wir Pendler keine Alternative. Und so pünktlich wie die jährlichen Fahrpreiserhöhungen wird der Metronom niiiiiie fahren."