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Charly ist ein echter "Überflieger"

Charly Scharnow mit Schulleiter Stefan Birkner, der ihn beim Junior-Studium unterstützt (Foto: Kerstin Scharnow)
 
Charly Scharnow interessiert sich vor allem für naturwissenschaftliche Fächer und Mathematik
bim. Hollenstedt. Er ist zwölf Jahre jung, besucht die neunte Klasse des Gymnasiums Tostedt, löst bereits Mathematikaufgaben der zwölften Klasse und diskutiert gern über schwarze Löcher, Neutronensterne und Gravitationswellen. Wer das hört, denkt zunächst unweigerlich an den geistigen Überflieger Sheldon Cooper aus der TV-Serie "Big Bang Theory". Doch Charly Scharnow ist alles andere als ein verschrobener Nerd. Der aufgeweckte junge Mann hat eine schnelle Auffassungsgabe, ist ehrgeizig und zielstrebig, wirkt dennoch bodenständig und ist ausgesprochen freundlich. Derzeit absolviert er ein Junior-Studium an der Technischen Universität Hamburg (TUHH) und ein weiteres an der Medical School Hamburg (MSH).
Seinen ersten Vortrag hielt Charly Scharnow bereits im zarten Alter von drei Jahren vor seiner Familie. Damals ging es um Dinosaurier. Inzwischen haben es dem Zwölfjährigen vor allem naturwissenschaftliche Fächer und mathematische Aufgaben angetan. An der TUHH nimmt er an Vorlesungen und Übungen in "Physics for Engineers" teil - auf Englisch! An der MSH widmet er sich der Persönlichkeitspsychologie und Grundlagen der Diagnostik.
"Ich habe mich früh in der Schule gelangweilt. Wenn Neues kam, habe ich es schnell verstanden, und die Wiederholungen haben mich genervt", erläutert Charly Scharnow, der im Schuljahr 2016/17 die siebte Klasse übersprungen hat.
Dass er schneller begreift als andere Kinder, fiel schon in der Grundschule auf. "Ich war nur für ein halbes Jahr in der ersten Klasse und habe in der zweiten Klasse zum Teil schon Aufgaben für Viertklässler gelöst", so Charly Scharnow. Für seine Mutter Kerstin waren die Wissbegierde und Begabung ihres Jungen nicht immer einfach. "Nach wenigen Wochen häuften sich die Probleme, dass er nicht mehr zur Schule gehen wollte, was sich in Bauch- oder Rückenschmerzen äußerte", berichtet Kerstin Scharnow. Deshalb wechselte Charly als Zweitklässler von der näheren Grundschule in Hollenstedt zur Grundschule in Moisburg wegen des dortigen klassenübergreifenden Unterrichts.
Kerstin Scharnow setzte sich dank Charly mit dem Thema Hochbegabung auseinander, obwohl sie diese Bezeichnung nicht mag. "Es ist ein schwieriger Weg, bis man Hilfe bekommt", sagt Kerstin Scharnow, die sich fragt, warum Lehrer nicht darauf geschult werden, Schüler mit Talenten, wie sie es nennt, früher zu erkennen. Am Gymnasium Tostedt arbeite man nun an einem Konzept der Begabtenförderung, das sie unterstützen werde.
Auch Charly wusste als Kind nicht, warum er so anders ist. Kerstin Scharnow holte sich Hilfe bei kompetenten Ansprechpartnern aus dem Bereich Begabungsförderung und Diagnostik, die Charly alles erklärten.
Wegen seiner Reife ist Charly in der Vergangenheit auch schon mal von manchen Gleichaltrigen gemobbt oder körperlich angegriffen worden. Seine Lehrerin Marion Ohland, die den Zwölfjährigen unterstützt, wo sie kann, begründet das damit, dass sich mancher Mitschüler von Charlys Wissen und Intellekt bedroht fühle. Doch Charly ließ sich von solchen Übergriffen nicht provozieren - im Gegenteil, er reagierte darauf verständnisvoll und ausgleichend. "Ich glaube, jetzt haben sie mich akzeptiert", meint Charly, der gerne hilft, wenn Mitschüler ihn z.B. bei Mathe-Aufgaben darum bitten, oder unterstützt jüngere Schüler bei Lernschwierigkeiten. Außerdem engagiert er sich am Gymnasium in Arbeitsgemeinschaften oder übernimmt Sonderaufgaben.
Unterstützt wird Charly seit der fünften Klasse von Lehrerin Marion Ohland, „die für jedes Problem eine Lösung findet“, sagt Charly, sowie von und Schulleiter Stefan Birkner. Ihnen ist er sehr dankbar, weil sie ihm u.a. durch Rücksichtnahme bei der Stundenplangestaltung und Freistellung vom Unterricht das Junior-Studium ermöglichen.
Wenn er einmal nicht an Gymnasium oder Uni ist oder Bücher studiert, liebt Charly das Geigenspiel. Mit weiteren jungen Musikern der Scheeßeler Musikantengruppe hatte er kürzlich einen Auftritt in der Deutschen Botschaft in Helsinki.
Was seine spätere Berufung angeht, hat sich der Zwölfjährige noch nicht festgelegt. "Aber ich möchte irgendwas mit Mathematik machen - als Architekt oder Ingenieur."