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Dauerstaus wegen unkoordinierter Baustellen: "Das ist Körperverletzung!"

Petra Schulz graut derzeit wegen diverser Baustellen die Fahrt zur Arbeitsstelle (Foto: bim)
(bim). "Kaum sind die Ferien in Niedersachsen und Hamburg zu Ende, erreichen uns die Horrormeldungen bezüglich neuer Baustellen in Hamburg-Süd und im Landkreis Harburg: Neben der Vollsperrung des Ehestorfer Wegs/Eißendorf kommt ab Montag noch die Vollsperrung des Ehestorfer Heuwegs dazu", ärgert sich Petra Schulz aus Drestedt. Zu allem Überfluss ist nun auch noch die B75 bis November gesperrt, was lange Umleitungen über Rade und Hollenstedt bedeutet. "Wie sollen diese beiden Anschlussstellen diesen Verkehr plus die Rückstaus aufgrund der genannten Sperrungen bewältigen?", fragt sie. In einem Brandbrief an die Verkehrsbehörden in Hamburg und Lüneburg machte sie jetzt ihrem Ärger über die zwischen Niedersachsen und Hamburg unkoordinierten Baustellen, die bereits in der Vergangenheit Tausende Pendler Zeit und Nerven gekostet haben, Luft.
Petra Schulz muss jeden Morgen eigentlich "nur" 28 Kilometer zu ihrer Arbeitsstelle in Heimfeld zurücklegen. Mit den Baustellen am Ehestorfer Weg und Ehestorfer Heuweg und wenn dann noch der Elbtunnel wegen Bauarbeiten belastet ist, kann das zur Odyssee werden. Durch die Fehlplanung der Behörden seien alle Zufahrtswege abgeschnitten. Und die Drestedterin weiß, was sie und unzählige andere Pendler erwartet: "Alle Ausweichstrecken werden erneut hoffnungslos überfüllt sein."
Hinzu komme der Stress der betroffenen Verkehrsteilnehmer. "Die Leute fahren rücksichtslos, zum Beispiel entgegen der Fahrtrichtung in Baustellen, über rote Ampeln, Standstreifen und Bürgersteige. Und dann soll jeder noch seinen normalen Arbeitstag bewältigen. Für mich ist das Körperverletzung", ärgert sich Petra Schulz.
Sie sieht ein, dass Fahrbahnen erneuert werden müssen, dass sich aber mehrere Baustellen in einem Bereich länderübergreifend überschneiden und die Hauptverkehrsadern "dicht gemacht" werden, kann sie nicht nachvollziehen.
Während Petra Schulz auf eine Reaktion der Straßenbaubehörde Lüneburg noch immer wartet, rief eine Mitarbeiterin der Hamburger Verkehrsbehörde sie nach zwei Stunden an. Das rund zehnminütige Telefonat war jedoch höchst unerfreulich. "Sie hat keinerlei Verständnis aufgebracht und mich angepflaumt, ich sei nicht informiert, u.a. weil die Sperrung des Ehestorfer Heuwegs vom 13. auf den 20. August verschoben wurde", berichtet die Drestedterin, die - wie viele Berufstätige - ohnehin schon längere Fahrzeiten einplant und entsprechend früher losfährt. Eine Aussage der Hamburger Behördenmitarbeiterin macht fassungslos: "Sie meinte, wenn man zur Hauptverkehrszeit zwischen 7 und 9 Uhr losfährt, muss man sich nicht wundern, wenn man im Stau steht."


"Der Verkehrskoordinator kommt"

"Es ist mehr als misslich, dass Hamburg sich bei den Baustellen nicht mit Niedersachsen abstimmt. Der Ehestorfer Heuweg hat eine zentrale Funktion", erklärt Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) auf WOCHENBLATT-Nachfrage zu Petra Schulz' Brandbrief. Er verspricht: "Der Verkehrskoordinator kommt, voraussichtlich noch vor den Herbstferien, die Stelle ist ausgeschrieben." Für den Verkehrskoordinator, der den Verkehr im Dreieck Bremen - Hamburg - Hannover koordinieren und lenken soll, werde eine Stabstelle eingerichtet, die organisatorisch an die Zentrale der Niedersächsischen Landesstraßenbaubehörde in Hannover angegliedert sei.
Der Verkehrskoordinator solle aber auch den am stärksten belasteten Bereich in Nord-Ost-Niedersachsen sowie den Verkehr zwischen Hamburg und Niedersachsen im Blick haben und Vorschläge zu verkehrslenkenden Maßnahmen und Baustellenmanagement unterbreiten. "Ich sehe die Probleme im Hamburger Umland. Eine Einbindung des Landkreises Harburg wird stattfinden", so Althusmann. Von Landrat Rainer Rempe gebe es das Angebot, die Erfahrungen aus dem Landkreis Harburg einzubringen. Das müsse zwingend angenommen werden.

Ehestorfer Heuweg: Bauarbeiten bis Ende 2019

(as). Nicht nur die Nordheide-Pendler und die Bürger Rosengartens sind von der Sperrung des Ehestorfer Heuwegs betroffen. Die Vollsperrung könnte auch gravierende Konsequenzen für touristische Aktionen wie den Wildpark Schwarze Berge und das Freilichtmuseum am Kiekeberg sowie für den Regionalpark-Shuttle haben.
Wie berichtet, werden in Hamburg Leitungsarbeiten und Kanalbauarbeiten am Ehestorfer Heuweg durchgeführt. Zwischen den Straßen "Wulmsberg" und "Am Bergwerk" wird der Ehestorfer Heuweg deshalb ab Montag, 20. August, bis voraussichtlich Ende des Jahres komplett gesperrt. Fußgänger und Fahrradfahrer sind von der Sperrung nicht betroffen.
Der Regionalpark-Shuttle hat kurzerhand die Route verlegt. "Wir bedauern, dass die bewährte und gut nachgefragte Regionalpark-Shuttle-Route aufgrund notwendiger Baumaßnahmen verlegt werden muss. Die Verlegung der Route erscheint die beste Lösung, die sich zudem zeitlich kaum auswirken wird", so Dörthe Cohrs, Vorsitzende des Regionalparks Rosengarten.
"Das ist für uns bitter", sagt Marion Junker, Pressesprecherin des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Bis Oktober dauert die Hochsaison im Freilichtmuseum, Marion Junker rechnet mit Einbußen. "Wer nicht so flexibel ist, kommt nicht - oder macht sich auf den Weg und dreht dann verärgert um", befürchtet Junker. Denn der Ehestorfer Heuweg ist für das Freilichtmuseum und den Wildpark Schwarze Berge der zentrale Weg für Besucher aus dem Raum Stade, Buxtehude und Neugraben. "Wir haben jetzt Hochsaison, die Sperrung ist für uns schwierig", sagt auch Kira Ahrens, Pressesprecherin des Wildparks Schwarze Berge. Insgesamt etwa 500.000 Besucher jährlich besuchen die beiden Einrichtungen, viele Besucher reisen aus Richtung Neugraben an. Damit die Kiekeberg- und Wildparkbesucher nicht plötzlich vor der Vollsperrung stehen, haben die Einrichtungen auf eigene Faust die Umleitung über die Autobahn ausgeschildert.
Eine Möglichkeit, die dreimonatige Vollsperrung aufzuheben und zumindest teilweise einspurigen Verkehr zu ermöglichen, besteht laut Susanne Meinke, Pressesprecherin der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Stadt Hamburg, nicht. Die Strecke sei zu lang und für die Bauarbeiten werden in großen Teilen beide Straßenhälften benötigt, heißt es in der Pressemitteilung. Laut Meinecke sind alle Gremien im Vorwege über die Sperrung informiert worden und die Bauarbeiten "umfangreich kommuniziert" worden. Zudem gebe es Ausweichstrecken, etwa über die Autobahn oder über den Ehestorfer Weg bis Hainholzweg.
Die Sperrung in diesem Jahr ist jedoch erst der Anfang: Ab März nächsten Jahres beginnt der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer mit dem Umbau von Fahrbahn, Geh- und Radweg - der Ehestorfer Heuweg bleibt dann voraussichtlich bis zum Jahresende 2019 gesperrt.

Das sind die Umleitungen

• Freilichtmuseum am Kiekeberg und Wildpark Schwarze Berge: Autofahrer bzw. individuelle Busse aus Richtung Buxtehude, Altes Land, Hausbruch, Neuwiedentahl und Neugraben müssen über die Cuxhavener Straße/B 73 bis zur A7 Auffahrt HH-Heimfeld fahren und dann die nächste A7-Abfahrt HH-Marmstorf wieder abfahren. Die Anreise über Marmstorf (Eißendorfer Waldweg) ist weiterhin möglich, für Besucher aus Richtung Elbbrücken, Harburg sowie A7/A1 gibt es keine Beeinträchtigungen.
Die Anreise mit dem ÖPNV erfolgt über den Harburger ZOB mit der Linie 340 sowie 4244. In Absprache mit der KVG werden zwischen Harburg und Freilichtmuseum/Wildpark zusätzliche Busse eingesetzt. Infos unter www.kiekeberg-museum.de sowie unter www.wildpark-schwarze-berge.de.
• Regionalpark-Shuttle: Ab sofort fährt der Shuttlebus auf einer geänderten Route. Die Haltestellen „S-Bahn Neuwiedenthal“, „Hausbruch, Schanzengrund“ sowie „Sieversen, Parkplatz Rosengartenstraße“ werden nicht mehr bedient. Stattdessen fährt der Regionalpark-Shuttle über die B73 zur BAB Anschlussstelle Heimfeld, von dort zur BAB Ausfahrt Marmstorf und weiter zur planmäßigen Haltestelle "Ehestorf, Museum Kiekeberg". Die Startzeiten des Bus-Shuttles sind wie gewohnt am S-Bahnhof Neugraben jeweils um 9.10, 11.10, 15.10 und 17 Uhr. Mehr Infos unter www.regionalpark-shuttle.de sowie bei der Touristinformation unter Tel. 04181-282810.