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Hilfen für Schwangere

Bieten Schwangerenkonfliktberatung an (v. li.): Helge Johannsen, Gesa Reinhold und Astrid Milatz (Foto: bim)

Herbergsverein Tostedt bietet soziale Beratung / Gesa Reinhold übernimmt Aufgaben von Astrid Milatz

bim. Tostedt. Der Herbergsverein, Altenheim und Diakoniestation zu Tostedt ist vor allem bekannt für seine Betreuung und Beratung von Senioren. Dort gibt es im Rahmen der sozialen Beratung aber auch eine Anlaufstelle für Schwangere. Diese wird seit 20 Jahren angeboten von Astrid Milatz (64), die ihre Aufgaben nun an Gesa Reinhold (33) abgegeben hat. Unterstützt wird sie von Herbergsvereins-Geschäftsführer Helge Johannsen (35), der zwei Jahre lang Schwangere im Rahmen seiner Tätigkeit bei "Pro Familia" in Bremen beriet.
Die Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung besteht seit 1997. Im Zuge der Beratung rund um die damals eingeführte Pflegeversicherung kamen Angehörige und Familien. Somit fiel die Entscheidung, auch (junge) Familien zu beraten.
Astrid Milatz ist Sozialpädagogin, kommt aus der Kirchenkreissozialarbeit, wo sie psychosoziale Beratung, Kurenvermittlung sowie Schwangeren- und Schwangerenkonfliktberatung nach §218 anbot. Letztere ist Voraussetzung, wenn eine Frau über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenkt. Sie wird beraten, erhält eine Bescheinigung und drei Tage Bedenkzeit. Sollte sich eine Frau für einen Abbruch entscheiden, geht sie mit der Bescheinigung zu einem Arzt, der bis zur zwölften Schwangerschaftswoche einen Abbruch vornehmen darf.
Ein Widerspruch im Gesetz: "Die Schwangerenberatung ist anonym, die Beratungsbescheinigung aber nur mit Namen gültig", so Helge Johannsen. Der Name der Frau taucht sonst aber nirgends auf, die Berater unterliegen der Schweigepflicht.
Mit der Beratung solle den Frauen die Möglichkeit gegeben werden, über ihre Gründe für einen möglichen Abbruch zu sprechen. "Sie müssen das nicht, aber viele haben das Bedürfnis, darüber zu reden", so Johannsens Erfahrung. Die Berater hören zu und zeigen Möglichkeiten auf, wie eine Schwangerschaft eventuell doch fortgeführt werden kann. "Wir sprechen für das Leben und machen den Frauen Mut", sagt Astrid Milatz. Die Schwangeren können hier aber auch alles anprechen, worüber sie mit dem Partner, mit Freunden und Familie nicht sprechen möchten oder können. Auf Wunsch können sie von ihrem Partner zur Beratung begleitet werden.
Die Berater informieren bei Bedarf zum Beispiel über Mittel zur Wohnungsfinanzierung, über "Startergeld" für Umstandskleidung oder Erstausstattung und andere finanzielle Hilfen und stellen bei Bedarf weitere Kontakte her. "Wir arbeiten gut mit Behörden zusammen und sind vernetzt mit Familienhebammen", erläutert Gesa Reinhold.
Gründe für einen gewünschten Schwangerschaftsabbruch können u.a. sein: das Alter der Frau, keine stabile Partnerschaft, eine Lebensplanung ohne Kind oder eine bereits abgeschlossene Familienplanung. Häufig würden Frauen auch finanzielle Gründe angeben. "Die eigene Lebensgestaltung und die Selbstbestimmung sind wichtige Faktoren geworden", berichtet Helge Johannsen, aber: "Ich habe in meinen Beratungen nie einen laxen Umgang mit der Schwangerschaft erlebt. Es war für alle ein berührendes Thema, das ernst genommen wird."
Während er in Bremen fünf bis zehn Schwangere am Tag beriet, sind es beim Herbergsverein höchstens zehn im Jahr. Manche Betroffene würden der Anonymität halber nicht unbedingt eine Beratung vor Ort, sondern lieber in einer anderen (größeren) Stadt favorisieren.
Gesa Reinhold ist ebenfalls Sozialpädagogin. Sie begann ihre berufliche Arbeit in der Jugendhilfe, hatte dort z.B. mit den Themen Abnabelung, Konfliktlösungsstrategien und vereinzelt ungewollten Schwangerschaften zu tun. Weitere Erfahrungen sammelte sie danach u.a. in der Familienhilfe.
• Schwangere, die Hilfe benötigen, melden sich beim Herbergsverein unter Tel. 04182-2009-176.