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Schiffspassagierin aus Tostedt traf Daniel Küblböck: "Er war eine traurige Figur"

Vermutlich eines der letzten Bilder von Daniel Küblböck, aufgenommen während der Reise in einem Pub in Schottland (Foto: privat)
bim. Tostedt. Seit Wochen wird darüber spekuliert, ob der Sänger und Schauspieler Daniel Küblböck seinen Sprung vom Kreuzfahrtschiff Aidaluna als spektakulären Abgang geplant oder sich spontan das Leben genommen hat. Diese Frage wird wohl nie geklärt werden. Der 33-Jährige gilt seit dem 9. September als verschollen. An Bord war auch eine 51-Jährige aus Tostedt. Sie schildert dem WOCHENBLATT, wie sie Daniel Küblböck in seinen letzten Stunden erlebt hat, möchte aber anonym bleiben *.
"Er ist wie ein aufgescheuchtes Huhn durchs Schiff gelaufen", berichtet sie. Auf einem Tenderboot in Schottland sei sie dann mit ihm ins Gespräch gekommen. "Er präsentierte uns stolz seine neuen Schuhe, die er gerade gekauft hatte. In einem Pub saßen wir zwei Stunden zusammen. Er sagte, wir sollten ihn 'Lana' nennen und nicht mit Daniel ansprechen. Er nehme Hormone und sei auf dem Weg, eine Frau zu werden. Er wollte Karriere als Schauspielerin machen", erzählt sie.
Auch an Bord des Kreuzfahrtschiffes sei Küblböck größtenteils in Frauenkleidern herumgelaufen. "Er war allein an Bord und sagte, er reise inkognito." Allerdings: "Er trug einen Glockenrock und Stöckelschuhe, war schlecht geschminkt und hatte wehende Haare - wie eine schlecht zurecht gemachte Transe. Auffälliger konnte er nicht sein."
Die 51-Jährige hatte Küblböck 2002 bei der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar" und 2004 beim RTL-Dschungelcamp im TV gesehen. "Ich war beeindruckt, als ich irgendwann erfuhr, dass er sich zwischenzeitlich als Solar-Unternehmer erfolgreich selbstständig gemacht hat", sagt sie. Umso erschütterter war sie, dass der 33-Jährige auf der Kreuzfahrt einen etwas verwirrten Eindruck gemacht habe. "Er war eine traurige Figur." Er sei im Grunde nett gewesen, habe aber auf Fotowünsche aggressiv reagiert. "Er war psychisch angeschlagen. Ich kann nicht verstehen, dass Familie und Freunde ihn in diesem Zustand allein haben reisen lassen", sagt die Mitreisende.
Die Tour der Aidaluna führte von Hamburg über Grönland nach New York. Kurz vor Neufundland soll Küblböck von Bord gesprungen sein, angeblich an der Stelle, an der 1912 die Titanic unterging.
"Was komisch ist: Sonntagmorgens um 5 Uhr kam die Durchsage, Daniel Kaiser-Küblböck solle sich an der Rezeption melden. Andererseits heißt es inzwischen, eine Kamera habe den Sprung von Bord des Schiffes aufgezeichnet", wundert sich die Tostedterin. Kurz nach der Durchsage sei Generalalarm ausgelöst worden und die Crew mit einem Foto von Küblböck auf der Suche nach ihm von Kabine zu Kabine gegangen. "Zwei Stunden später wusste die Presse von dem Vorfall Bescheid", so die 51-Jährige.
Nach dem Verschwinden des 33-Jährigen hätten die Aidaluna, zwei weitere Kreuzfahrtschiffe und die kanadische Küstenwache von früh morgens bis abends gegen 21 Uhr im Atlantik nach dem Sänger gesucht.
Was die Tostedterin ärgert: Niemand vom Schiffspersonal habe die Passagiere über die Situation aufgeklärt. Wohl auch deshalb seien die Gerüchte ins Kraut geschossen. "Der Besuch von St. John's auf Neufundland in Kanada fiel aus, viele Leute waren wegen des starken Seegangs krank, und die Stimmung an Bord war mies."
Was im Nachhinein makaber klingt: "Ein Freund von mir hatte in sein Tagebuch geschrieben: 'Wir haben eine ganz traurige Figur an Bord. Der wird's wohl nicht mehr lange machen'." Wie recht er hatte. * Name ist der Redaktion bekannt