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WOCHENBLATT-Sommerserie: Rund um den Kirchturm

Eine Dohle im Anflug auf eine der Turmspitzen der Tostedter Johanneskirche
Der Tostedter Kirchturm ist fest in Dohlen-Krallen: Altehrwürdiges Gebäude dient Vögeln und Fledermäusen als Brutplatz

(bim). Kirchen und Kapellen bieten Ruhesuchenden abseits des hektischen Alltags Möglichkeiten, zu sich zu kommen - auf Friedhöfen, mitten im Ort oder in Nähe der Autobahn. In der WOCHENBLATT-Sommerserie stellen wir Ihnen, liebe Leser, einige Bauwerke mit ihren Besonderheiten vor. Zum Auftakt: die Tostedter Johanneskirche, die Dohlen, Falken und Zwergfledermäusen als Brut- und Rückzugsplatz dient.
Küsterin Martina Beutler übernimmt die Führung in den rund 50 Meter hohen Turm. Die hölzernen Treppen lassen sich noch komfortabel begehen, auch wenn sie steil sind. Noch höher geht es über Leitern - eine echte Herausforderung. Wenige Meter unterhalb der Kirchturmspitze deuten Federn, Kot und Äste auf die tierischen Bewohner hin. Die Vögel nutzen jede Nische zum Brüten.
Verunreinigungen und Verstopfungen durch Nistmaterial waren zwischenzeitlich zu einem echten Problem geworden, sodass die Kirchenverwaltung mehrfach versuchte, den Dohlen den Zugang zu den Nischen im Kirchturm unmöglich zu machen. Doch der Draht vor Luken und Arkaden hielt die schlauen Vögel nicht ab. Sie bogen den Draht an den Ecken einfach um.
Weil der vorherige Pastor Gerald Meier den Dohlen nicht die Heimat nehmen wollte, bat er den Arbeitskreis Naturschutz (AKN) der Samtgemeinde Tostedt um Hilfe. Der AKN übernahm die Turm-Patenschaft und rückt seit November 2016 jeweils einmal im Jahr an, um den Turm zu reinigen, berichtet der stellvertretende AKN-Vorsitzende Uwe Quante.
Derzeit gibt es rund 30 Dohlen, die in der Kirche regelmäßig brüten und sich dort heimisch fühlen. "Das ist begrüßenswert, denn seit gut 50 Jahren haben die Dohlenbestände dramatisch abgenommen und betragen nur noch knapp ein Drittel von denen aus den 1960er Jahren", so Quante. "Und ihr Bestand nimmt weiter ab."
Außer den Dohlen brüten seit vielen Jahren auch Turmfalken im Turm der Johanneskirche. Küsterin Martina Beutler berichtet von zwei Paaren, die ihre Jungen aufgezogen haben.
Weitere Kirch-Bewohner sind die Zwergfledermäuse, von denen es laut AKN Anfang der 1970er Jahre noch einige Hundert gab. "Die Zwergfledermäuse sitzen in der Vertäfelung des Kirchenraumes", berichtet Martina Beutler. Mancher Gotttesdienstbesucher hat die viereinhalb Zentimeter kleinen "Flattermänner" auch schon erlebt, wenn diese durch das Gotteshaus fliegen. "In den vergangenen Jahren ist die Kolonie merklich kleiner geworden. Für mich bedeutet das zwar weniger Arbeit, aber es ist auch sehr schade", sagt die Küsterin, die seit drei Jahren im Amt ist, aber bereits seit elf Jahren für die Kirchengemeinde tätig ist.
Wenn es ihre Zeit erlaubt, bietet Martina Beutler auch Turmführungen an. Interessenten melden sich im Kirchenbüro unter Tel. 04182-280610.