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Alpha-E: Über das Für und Wider von Zusatzgleisen

Verkehrsminister Bernd Althusmann (re.) unterstützt weiterhin das Alpha-E, wie er es Projektbeiratssprecher Dr. Peter Dörsam bei einem Austausch im Mai dieses Jahres bereits zugesagt hatte (Foto: Projektbeirat Alpha-E)
 
Fahrgastbeiratssprecher Stefan Kindermann (Foto: archiv as)
(bim). "Das Alpha-E wird fortgesetzt. Es wird keine Verhandlungen mit Niedersachsen über ein drittes Gleis zwischen Uelzen und Celle oder ein viertes Gleis zwischen Ashausen und Uelzen geben", stellt Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) klar, nachdem die Deutsche Bahn beim Projektbeirat, der die Umsetzung des Bahnstreckenausbaus gemäß der Alpha-E-Variante begleitet, für helle Aufregung gesorgt hatte (das WOCHENBLATT berichtete). Auch wenn es nach einem weiteren Gespräch im Bundesverkehrsministerium bereits Entwarnung gab und drei Projektbeirat-Vertretern in Berlin bestätigt wurde, dass das Alpha-E in der im Bundesverkehrswegeplan beschriebenen Form Bestand hat, sieht der Projektbeirat das Vertrauen in die konstruktive Zusammenarbeit mit der DB als "massiv missbraucht" an.
Althusmann erklärt, dass es sich bei den für Unmut sorgenden DB-Aussagen wohl lediglich um Raumverträglichkeitsprüfungen gehandelt habe, um das Planungsverfahren rechtssicher zu machen, woraus sich Unsicherheiten ergeben hätten. Die von der DB dadurch ausgelösten Irritationen seien bedauerlich.
Hintergrund: Im Jahr 2015 hatten Vertreter der betroffenen Regionen gemeinsam mit der DB AG, dem Bund und dem Land Niedersachsen im „Dialogforum Schiene Nord“ (DSN) die sogenannte „Alpha E-Variante“ für den bedarfsgerechten Ausbau von Schienen-Bestandsstrecken im Dreieck Bremen-Hamburg-Hannover erarbeitet. Über diese Strecken soll der Güterverkehr aus den Seehäfen ins Umland befördert werden.
Die Realisierung und die Akzeptanz des Alpha-E in der Region sind gebunden an die Bedingungen der Region, die u.a. übergesetzlichen Lärmschutz an allen vom Alpha-E betroffenen Streckenabschnitten vorsehen. Die Umsetzung des Alpha-E wird durch den Projektbeirat begleitet.
"Es wird keine Veränderungen am Alpha-E-Kompromiss geben", betont Althusmann. Im Bundesverkehrsministerium werde es im Frühjahr 2019 ein Gespräch über den Fortgang der Planungen des Alpha-E geben.

Fahrgastbeirat fordert Zusatz-Gleis

Anders als der Projektbeirat und das Land begrüßt der Fahrgastbeirat für den Landkreis Harburg ausdrücklich die Überlegungen der Deutschen Bahn AG zum Bau eines weiteren Gleises zwischen Ashausen und Celle. "Es hat sich gezeigt, dass der erfolgte dreigleisige Ausbau zwischen Ashausen und Lüneburg nicht die gewünschten und erforderlichen fahrplantechnischen Verbesserungen für die Nahverkehrskunden gebracht hat und auch in Zukunft nicht bringen wird", sagt Beiratssprecher Stefan Kindermann aus Jesteburg. "Wer sich gegen ein weiteres Gleis auf diesem Abschnitt ausspricht, sollte daher den Bahnkunden auch sagen, dass dies für sie in den nächsten Jahrzehnten eine weiterhin mangelhafte Betriebsqualität und überfüllte Metronom-Züge bedeuten wird." Wie zudem aufgrund des zu erwartenden Bevölkerungswachstums in den Landkreisen Lüneburg und Harburg die zusätzlichen Fahrgäste auf der Schiene bewältigt werden sollen, bleibe wohl das Geheimnis der Ausbaugegner, so Kindermann.
Von Staatssekretär Enak Ferlemann erwarte der Fahrgastbeirat, dass er der Bevölkerung in dieser Region erklärt, wie mit der teuren "Schmalspur-Infrastrukrur" von Alpha-E die von der Bundesregierung selbstgesteckten Wachstumsziele für den Schienenverkehr mit mehr Gütern und einer Verdoppelung der Fahrgastzahlen erreicht werden sollen. Daher hätten sich die Fahrgastvertreter im Dialogforum gegen Alpha-E und für eine Neubaustrecke mit zwei zusätzlichen Gleisen ausgesprochen.
Stefan Kindermann zeichnet ein weiteres Schreckensszenario: "Kommt das vierte Gleis nicht, sollten sich auch Autofahrer in dieser Region auf weitere Staus und Behinderungen einstellen, da die Schiene das Wachstum nicht mehr aufnehmen kann. Wer vorausschauend plant, baut das zusätzliche Gleis zusammen mit den ohnehin anstehenden Bauarbeiten."

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