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Halbzeit für Peter Dörsam

Halbzeit für Dr. Peter Dörsam
bim. Tostedt. Halbzeit im Amt für Tostedts Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam (51), der vor dreieinhalb Jahren als parteiloser Kandidat zum Verwaltungschef gewählt wurde. Das nimmt das WOCHENBLATT zum Anlass für eine Zwischenbilanz. Welche Ziele hat er erreicht? Wo ist er an seine Grenzen gestoßen?
WOCHENBLATT: Welche Ziele haben Sie erreicht?
Dörsam zu den Stichworten:
Transparenz und Bürgerbeteiligung:
Einmal im Jahr gibt es ohnehin eine Einwohnerversammlung. Zusätzlich haben wir zu Einwohnerversammlungen zu bestimmten Themen eingeladen, u.a. zur möglichen Bahntrasse durch Handeloh, zu Tempo-30-Zonen oder der Gleichstromstrasse SuedLink. Außerdem biete ich regelmäßige Sprechstunden an.
Auf der Homepage haben wir zum Beispiel den interaktiven Haushalt eingeführt, einen Newsletter oder Möglichkeiten, mit denen die Bürger Missstände online melden können.
Verschuldung: Als ich 2014 ins Amt kam, waren für Ende 2014 Schulden von 13,49 Millionen Euro geplant. Der Haushalt war weitgehend beraten und es wurde für 2017 eine Verschuldung von 23 Millionen Euro prognostiziert. Derzeit stehen wir weit besser da als gedacht mit einem Schuldenstand von rund neun Millionen Euro. Trotz der noch nicht komplett abgerechneten Großprojekte bin ich überzeugt, dass wir ohne oder zumindest nur mit einer sehr geringen Neuverschuldung auskommen werden.
Mautpflicht auf der B75: Diese kommt zum Glück durch Beschluss des Bundestages im Juli. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätten der Rat und ich sicherlich weiter versucht, dass die Maut für die B75 kommt - analog zur Bemautung des B75-Abschnitts in Harburg.
Ortsumgehung: Wir konnten verhindern, dass die Ortsumgehung im Bundesverkehrswegeplan ihr Planungsrecht verliert. Trotzdem befindet sich die Umgehung in einem Stadium, in dem man davon ausgehen kann, dass seitens der Straßenbaubehörden in absehbarer Zeit nichts passiert. Von der Politik wurde überlegt, finanziell in Vorleistung zu treten. Das wurde bisher aber nicht weiter verfolgt.
WOCHENBLATT: Welche Ziele haben Sie nicht erreicht?
Dörsam: Dass mehr statt immer weniger Bäume im öffentlichen Bereich stehen.
WOCHENBLATT: Ist bei den Einsparungen etwas auf der Strecke geblieben?
Dörsam: Nein. Es wurden viele große Investitionen umgesetzt, z. B. Krippe in Wistedt, neue Drehleiter, Feuerwehrgerätehäuser in Otter und Wistedt, einige Gemeindeverbindungsstraßen, aktuell: Schule in Todtglüsingen und Freibad. Bei der Schulstraße in Königsmoor und der Verbindungsstraße Dreihausen - Königsmoor haben wir nach fachlicher Abwägung und politischer Entscheidung eine andere Ausbauvariante gewählt. Bei der Schulstraße gibt es wegen der Tränkdecke Kritik. Da müssen wir ggf. nachbessern. Der Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße Todtshorn - B3 wurde auf 2019 verschoben.
Beim Personal der Verwaltung haben wir nach altersbedingtem Ausscheiden von Mitarbeitern Aufgaben neu verteilt und dadurch etwas Personal eingespart. Nichts desto trotz ist die Verwaltung mit motiviertem Personal gut aufgestellt.
WOCHENBLATT: Bei Ihrem Amtsvorgänger war es für Journalisten möglich, bei verschiedenen Fragestellungen die Fachbereichsleiter direkt anzurufen. Jetzt läuft alles über Sie. Sind Sie ein Kontrollfreak?
Dörsam: Nein. Die Regelung der zentralen Beantwortung von Presseanfragen stammt noch aus der Zeit meines Amtsvorgängers. Es gab ein Gespräch mit den Fachbereichsleitern, die die Regelung nicht verkehrt finden, sodass wir uns einigten, wieder stärker auf die Regelung zu achten. Schließlich bin letztlich ich verantwortlich, wenn etwas geschrieben steht.
WOCHENBLATT: Sie sind von Haus aus Physiker, Volkswirtschaftler, Autor und Verleger, waren zuvor als ehrenamtlicher Grünen-Abgeordneter politisch in der Opposition. Hat das Amt Sie oder Ihre Sicht verändert?
Dörsam: Natürlich schon. Durch die Änderung der Perspektive steigt man in manche Themen stärker ein und erkennt, dass nicht jede Einschätzung richtig war, auch wenn die Dinge, für die ich mich einsetze, gleich geblieben sind. Wenn etwas schief läuft oder ungerecht ist, habe ich auch als Samtgemeinde-Bürgermeister das Bedürfnis, etwas zu ändern. Allerdings kann ich bzw. der Rat nicht alles lösen, etwa bei Verkehrsproblemen, die zum Teil mit übergeordneten Stellen gelöst werden müssen. Bei manchen Themen sind die Kompetenzen begrenzt. Und manches Bauvorhaben dauert länger, wenn z.B. eine europaweite Ausschreibung erforderlich ist. Auch was kommunale Verwaltung angeht, habe ich dazu gelernt. Ich weiß aber, dass in der Tostedter Verwaltung kompetente Menschen arbeiten, auf deren Urteil ich mich verlassen kann.
WOCHENBLATT: Im Samtgemeinderat war zu Beginn Ihrer Amtszeit spürbar, dass manche Ratsmitglieder Ihnen den Wahlgewinn durchaus übel genommen haben. Wie haben Sie das empfunden?
Dörsam: Der Anfang war schwierig. Es wurden Dinge verbreitet, die ich nie gesagt hatte. Mir ist ein gutes Miteinander wichtig. Ich denke, wir haben jetzt im Rat eine gute Diskussionsatmosphäre und eine konstruktive Zusammenarbeit, um gemeinsam nach den besten Lösungen zu suchen.


Auf ein Wort

Als Peter Dörsam zum Samtgemeinde-Bürgermeister gewählt wurde, hatte er in der Verwaltung und in der Politik "dicke Bretter zu bohren". Zu übel nahm manch politischer Gegner dem Ur-Grünen und Rebellen im Wollpullover, dass er gegen Amtsinhaber Dirk Bostelmann angetreten war und bei der Stichwahl mit 61,7 Prozent die Stimmenmehrheit holte.
Auch wenn er sich aufgrund von Sachzwängen von manchem Ideal trennen musste, genießt Peter Dörsam inzwischen bei vielen Kommunalpolitikern Respekt dafür, dass er als Bürgermeister überwiegend neutral bleiben und bei kontroversen Haltungen durchaus die Rolle des Vermittlers annehmen kann.
Manche kritisieren allerdings, dass sich Dörsam mit dem Abbau von Schulden rühme, obwohl sich in der Haushaltsplanung auch lokal nicht steuerbare Einflüsse wie Konjunktur, Bundes- und Landespolitik niederschlagen und die in früheren Entwürfen eingeplanten Bauvorhaben wie Freibad und Grundschul-Anbau sich verzögerten und die Kosten daher noch nicht abgerechnet sind.
Auch habe Dörsam zu lange mit dem Ausbau weiterer Krippen- und Kita-Plätze gewartet - wohl, um sich nicht einzugestehen, dass die Grünen 2012 bei der damals sehr emotionalen Diskussion um den Standort der Kita Dieckhofstraße mit ihrer Einschätzung, es gäbe keinen Bedarf für weitere Kita-Plätze, falsch lagen. Doch er hat ja noch dreieinhalb Jahre Zeit, sich auch bei seinen Gegnern zu beweisen.   Bianca Marquardt