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Diskussion um ein Stadtmarketing für Tostedt

May-Britt Müller informierte über das Harsefelder Stadtmarketing
 
Lisa Fenger (li.) vom Werbekreis-Vorstand bedankte sich bei May-Britt Müller für ihren Vortrag

May-Britt Müller stellte auf Einladung des Werbekreises das Harsefelder Konzept vor

bim. Tostedt.
Was jetzt die Gemeinde Jesteburg bekommen hat, wünscht sich auch der Werbekreis Tostedt: ein professionelles Stadtmarketing, um den Ort nach vorne zu bringen. Wie das im Flecken Harsefeld (Landkreis Stade) funktioniert, erläuterte May-Britt Müller auf Einladung des Werbekreises Tostedt jüngst 20 Interessierten in Bostelmanns Hotel.
Ein Problem in Tostedt: die viel befahrene B75, die den Ort und seine Geschäftswelt zerschneidet und einen durchgehenden Einkaufsbummel unmöglich macht. Eine Frage sei, wie das Stadtmarketing von der Geschäftswelt getragen und mitgestaltet werden kann, so Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam. Auch müsse stadtplanerisch überlegt werden, wie und wo Aufenthaltsqualitäten geschaffen werden können. Wie Tostedt sich in den nächsten Jahren entwickeln soll, wird demnächst politisch beraten, wenn ein Leitbild - zunächst für die Samtgemeinde - erarbeitet wird, berichtete Bürgermeister Gerhard Netzel.
Bevor May-Britt Müller das Stadtmarketing vorstellte, durften die Tostedter Werbekreismitglieder ihre Wünsche äußern. Dazu gehörten u.a., eine professionellere Durchführung der Rahmenprogramme, die Schaffung der "Marke Tostedt", cofinanziert von Samtgemeinde und Privaten, das bessere Ausschöpfen vorhandener Potentiale durch Kooperationenen bei Veranstaltungen und auch in Geschäftsräumen, stärkere Beteiligung der Geschäftsleute an den verkaufsoffenen Sonntagen sowie Pflege des Ortsbildes. Ein Kernpunkt sei, die Bürger zu fragen, welche Angebote sie im Ort gerne hätten.
Die Kulturwissenschaftlerin und Businesstrainerin May-Britt Müller arbeitet seit 2001 im Stadtmarketing in Harsefeld. Die Anfänge reichten aber bis 1998 zurück, als der "Bürgerprozess" startete: In mehreren Arbeitskreisen hätten mehr als 50 Bürger ihre Ideen eingebracht, die dann teilweise gemeinschaftlich vom Stadtmarketing und vielen Ehrenamtlichen umgesetzt worden seien. Dazu gehörten u.a. Konzerte, Märkte, Wanderungen, das Einrichten eines Internetcafés, Pflanz- und Müllsammelaktionen. 2006 habe eine Bürgerbefragung zur Stärken- und Schwächenanalyse stattgefunden.
Aber es sei nicht immer alles reibungslos gelaufen: Manche Veranstaltung wurde wieder aufgegeben, zwischen Werbegemeinschaft und Verwaltung habe es schon mal Streit gegeben.
"Wir haben vieles ausprobiert. Eine Werbeagentur sagte zu uns: 'Konzentriert euch auf fünf Sachen im Jahr und macht die gut'", so May-Britt Müller.
Zu den Aufgaben des Stadtmarketings gehören heute u.a. die Organisation großer und kleiner Veranstaltungen wie des Lauf-Musik-Festivals oder des Klassik-Open-Airs im Klosterpark, Öffentlichkeitsarbeit, die Mitarbeit in den Arbeitskreisen des Tourismusverbandes Landkreis Stade, netzwerken und kooperieren mit vielen lokalen Akteuren und derzeit die Planungen der 1.050-Jahr-Feier Harsefelds, die im kommenden Jahr ansteht. Außerdem habe das Thema Sicherheit inzwischen einen wichtigen Stellenwert.
Den Tostedtern riet die Expertin, zunächst zu klären, was für Tostedt wichtig sei: Was macht Tostedt aus? Was stellen wir dar? Wo wollen wir hin? Eine der Regeln in Harsefeld: "Es werden nur Ideen geäußert von Leuten, die auch mitarbeiten. Wir wollen keine Klugschnacker."
Was den Ruf nach öffentlicher Förderung angeht, machten Verwaltungs-Vize Stefan Walnsch und die beiden Bürgermeister deutlich, dass vor einer möglichen Förderung ein konkretes Konzept mit klar formulierten Zielen stehen müsse.
Harsefeld lässt sich die Arbeit von May-Britt Müller und ihrer Kollegin sowie u.a. Werbe-Etat, Positionen der Touristinfo und Gästeführer rund 110.000 Euro kosten.
Die Gemeinde Tostedt ist Mitglied des Werbekreises und unterstützt ihn im Zuge der Wirtschaftsförderung bereits, indem sie die beim Frühlings-, Floh- und Christkindlmarkt anfallenden Bauhofkosten von rund 10.000 Euro übernimmt.

"Auf ein Wort": Tostedt hat bereits viel zu bieten
Bei der Veranstaltung zum Stadtmarketing wurde eines deutlich: Tostedt hat bereits "Pfunde", mit denen es punkten kann. Zum Beispiel die Besuchermagneten Töster Flohmarkt und den Frühlingsmarkt "f.u.n." - alles nur durchführbar dank des unermüdlichen Einsatzes der Organisatoren und der Unterstützung zahlreicher freiwilligen, ehrenamtlichen Helfer.
Andere Beispiele aus Harsefeld, wie eine Messe alle fünf Jahre, fand in Tostedt letztmalig 2010 statt, weil der Aufwand für alle Beteiligten extrem groß war. Das Moonlightshopping (2009) wurde mangels Interesses nicht neu aufgelegt.
May-Britt Müller machte deutlich, dass dem Erfolg in Harsefeld eine 20-jährige Entwicklung vorausgegangen ist. Und dieser nur zu erreichen ist, weil alle Beteiligen - Ehrenamtliche, Einzelhändler, Kommune und Werbekreis - an einem Strang ziehen.
Es kann aber nicht sein, dass ein hauptamtliches Stadtmarketing, das in Harsefeld für zwei Stellen rund 110.000 Euro kostet, nur dazu dient, die verkaufsoffenen Sonntage mit einem bunten Rahmenprogramm zu bereichern. Zunächst müssen Ideen her, wie sich Tostedt als Marke positionieren und ein Platz mit echter Aufenthaltsqualität werden will. Bianca Marquardt