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Ein Rechtsanwalt auf der Anklagebank

Verteidiger Andreas H. soll 10.400 Euro Mandantengelder nicht ausgekehrt haben

thl. Winsen. Eigentlich kennt man Andreas H. als renommierten Strafverteidiger, der z.B. den sogenannten Komaschläger aus Meckelfeld verteidigt hat. Doch jetzt findet sich der Rechtsanwalt selber auf der Anklagebank des Winsener Amtsgerichtes wieder. Der Vorwurf: Untreue. Andreas H. soll aus Geldnot im Jahr 2014 Mandantengelder in Höhe von 10.400 Euro für sich behalten haben. Jetzt drohen ihm laut Strafgesetzbuch bis zu fünf Jahren Haft.
Ob H. die Tat nachzuweisen ist, ist allerdings noch völlig offen. "Wir werden mehrere Verhandlungstage benötigen, um Licht ins Dunkel zu bringen", so Richter Michael Herrmann. Fakt ist: Im Juli 2014 zahlte eine Versicherung insgesamt 20.400 Euro auf das Anderkonto des Anwaltes. Geld, das einem Mandanten zustand, für den H. viele Fälle bearbeitete. Fakt ist auch, dass nur 10.000 Euro an den Mandanten weitergeleitet wurden. Laut Angeklagtem habe sein Mandant ihm den Rest als zinsloses Darlehen überlassen. Dem widerspricht der Mandant allerdings. "Ich habe immer gesagt, ich brauche das Geld", sagte er vor Gericht aus. Widersprüchlich: Trotz des angeblich einbehalteten Geldes erteilte der Zeuge dem Rechtsanwalt weiterhin Mandate. Erst nach einem verlorenen Prozess im Jahr 2016 wechselte der Mann den Anwalt und erhob Klage gegen H.
Laut Staatsanwaltschaft hat Andreas H. im Juli 2014 gerade einmal rund 1.000 Euro auf seinem Konto gehabt. Dafür war der Gerichtsvollzieher mehrmals bei ihm in der Kanzlei zu Gast. Und: Der Rechtsanwalt hat bis heute nicht einen Cent des Geldes an seinen Mandanten zurückgezahlt. Dafür hat er im Rahmen des parallel laufenden Zivilprozesses Rechnungen aus dem Jahr 2014 eingereicht, die er allerdings erst 2017 ausgestellt hatte. Damit wollte H. beweisen, dass die einbehaltene Summe schon verbraucht sei und er sogar noch rund 3.000 Euro bekommen würde. Er habe das Geld deshalb mit seinen Forderungen verrechnet, ließ H. über seinen Verteidiger ausrichten. Kurios: H. lässt sich von einem Accessor, einem Juristen ohne Rechtsanwaltszulassung, verteidigen.
Wann der Prozess weitergeht, entscheidet sich im Laufe dieser Woche.