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Terror? Nicht in Winsen!

Der herrenlose Koffer vor dem Modegeschäft (Foto: Jens Meyer)

Meldung von herrenlosem Koffer in Innenstadt lässt die Polizei erst einmal kalt und erklärt warum

thl. Winsen. Sicherlich gehört die Stadt Winsen nicht zu den bevorzugten Anschlagszielen von Terroristen. Und doch kann es auch immer mal wieder beschauliche Kleinstädte treffen, so wie z.B. vor zwei Jahren die 40.000 Einwohner-Stadt Ansbach in Bayern, als sich ein Selbstmord-Attentäter in die Luft sprengte.
Um so unverständlicher ist die Reaktion der Polizei, als ihr jetzt ein herrenloser Koffer in der Rathausstraße in Winsen, direkt vor einem Modehaus, gemeldet wurde. "Wir waren mit dem Rad unterwegs, als mir der Koffer das erste Mal auffiel", berichtet WOCHENBLATT-Leser Jens Meyer. Zuerst habe er sich nicht viel dabei gedacht. "Als wir aber rund zwei Stunden später wieder dort vorbeikamen und der Koffer immer noch da stand, wurde ich stutzig." Er wählte den Notruf 110 und teilte dem Polizeibeamten seine Beobachtungen mit.
Meyers Befürchtungen, dass der Koffer nicht einfach so dort steht, teilte die Polizei aber offensichtlich nicht. Für sie war jedenfalls "keine Gefahr im Verzug", wie es im Amtsdeutsch so schön heißt. "Ich habe noch etwa 30 Minuten vor Ort gewartet, aber kein Streifenwagen kam", so Meyer, der dann nach Hause gefahren ist.
In der Tat kam der Streifenwagen erst nach rund eineinhalb Stunden an. Begründung: "Eine konkrete Gefahrenlage war zu keiner Zeit zu erkennen, sodass die Meldung 'verdächtiger Gegenstand' im Rahmen der üblichen Priorisierung abgearbeitet wurde", erklärt Polizeisprecher Jan Krüger. Aufgrund mehrerer dringlicher Paralleleinsätze habe es in diesem Fall gedauert. Unter anderem weil Meyer mitgeteilt hatte, der Koffer würde schon rund zwei Stunden an dem Ort stehen, habe man eine Gefährdung ausgeschlossen, so der Polizeisprecher weiter.
Als die Polizisten dann vor Ort waren, ging auch alles ganz schnell. Während in anderen Städten ein Sprengmeister mit Röntgengerät so einen Koffer untersuchen würden, öffneten die Winsener den Gegenstand selber, stellten fest, dass er leer ist und brachten ihn schnurstracks zur Abfallentsorgung auf den städtischen Bauhof.
Auf WOCHENBLATT-Nachfrage erklärt Polizeidirektor Uwe Lehne, Leiter der Polizeiinspektion Harburg, warum die Beamten von keiner Gefährdungslage ausgegangen sind: "Zunächst möchte ich feststellen, dass der Anrufer genau richtig reagiert hat. Er hat eine verdächtige Beobachtung gemacht und diese umgehend der Polizei gemeldet.
Die Bewertung der Meldung und damit einhergehend die Veranlassung von Maßnahmen obliegt der Polizei. Der Umstand, dass der Koffer erst rund 90 Minuten nach Eingang der Meldung überprüft wurde, mag für den Anrufer irritierend wirken, ist aber aus polizeilicher Sicht nicht zu beanstanden.
Der Anrufer war der einzige, dem der Koffer in der am Samstagvormittag sehr belebten Rathausstraße verdächtig vorkam - weitere Meldungen gab es nicht. Die Tatsache, dass der Koffer vom Anrufer bereits zwei Stunden zuvor bemerkt worden war, sprach ebenfalls dafür, dass es sich eher um Müllentsorgung, als das Aufstellen einer Sprengfalle handelte.
Wenn meine Beamten den geringsten Verdacht gehabt hätten, dass an der Sache 'mehr dran' ist, wären benachbarte Dienststellen um zeitnahe Unterstützung gebeten worden. So ist es bei Sofortlagen auch Standard."