Das Verfahren geht ins Geld

thl. Lüneburg. Nur eine halbe Stunde dauerte am Dienstag der erste Prozesstag vor dem Lüneburger Landgericht um die Schießerei am Klinikum. Juristisches Geplänkel in Form eines Befangenheitsantrages gegen den vorsitzenden Richter beendeten den Tag schneller als geplant. Grund: Der Richter hatte es abgelehnt, einen der insgesamt 13 Verteidiger für die sieben Angeklagten als Pflichtverteidiger beizuordnen.
In dem Verfahren geht es um die Schießerei zwischen zwei verfeindeten kurdisch-stämmigen Lüneburger Großfamilien im September vergangenen Jahres vor dem Klinikum an der Bögelstraße. Die Anklage lautet auf versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und Verstöße gegen das Waffengesetz. Vier der Angeklagten sitzen in U-Haft.
Das Verfahren, das jetzt schon über 83 Verhandlungstage bis März 2016 terminiert ist, droht eines der längsten und vor allem teuersten am Landgericht zu werden. Insider berichten, dass allein die Pflichtverteidiger mindestens 450 Euro pro Verhandlungstag erhalten. Das allein macht schon eine knappe halbe Million Euro aus. Hinzu kommen Haftkosten und sogenannte Ohnehin-Kosten, also die Besoldung der drei Berufsrichter, ein Ersatzrichter, zwei Staatsanwälte, einer Protokollführerin, zwei Schöffen und zwei Ersatzschöffen. Hinzu kommen die Kosten für Wachtmeister (allein 18 davon im Saal), die fünf Anwälte der Nebenklage und die Hundertschaft der Polizei, die jeden Prozesstag absichert, denn es werden Übergriffe der verfeindeten Familien befürchtet. Alles in allem rechnen Experten mit rund zehn Millionen Euro Kosten.
- Das Landgericht hat am Freitag nach Redaktionsschluss die Entscheidung über den Befangenheitsantrag verkündet.

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