"Eigentlich sollte es nur eine Tat werden"

Zweiter Amazon-Räuber legte Geständnis ab / Anwalt hadert mit Staatsanwalt

thl. Lüneburg. "Eigentlich sollte es ein einmaliger Coup werden. Weil es aber so gut klappte, stiegen wir auch ein zweites und ein drittes Mal ein." Mit diesen Worten räumte Nazif A. vor dem Lüneburger Landgericht seine Tatbeteiligung an den Einbrüchen beim Logistikriesen Amazon in Winsen ein.
Wie das WOCHENBLATT berichtete, sind Nazif A. und seine beiden Kumpanen Adis A. und Atmir I. angeklagt, Waren im Wert von rund 500.000 Euro aus dem Amazonlager geschleppt und an einen Hehler verkauft zu haben.
Bevor Nazif A. sein Geständnis ablegen konnte, ergriff Dr. Gerhard Strate, Verteidiger von Atmir I. das Wort. Er machte noch einmal seinem Unmut darüber Luft, dass der Staatsanwalt ihn auflaufen lassen habe. Das sei eine unfaire Prozessführung gegenüber seinem Mandanten. "Ich habe bei der Staatsanwaltschaft die Ablösung des Sitzungsvertreters beantragt. Das wurde jedoch leider abgelehnt", so Dr. Strate. "Deswegen widerruft mein Mandant hiermit sein Geständnis und wird sich im Laufe der weiteren Verhandlung nicht mehr äußern." Grund für Strates Vorgehen: Nazif A. hatte dem Staatsanwalt einen Hinweis zu einem Schließfach von I. gegeben, in dem 85.000 Euro aus der Beute lagen. Der Anwalt wirft den Staatsanwalt jetzt vor, seinen Mandanten nicht gleich mit dem Hinweis konfrontiert zu haben.
In seiner Einlassung erzählte Nazif A., wie er Adis A. und Atmir I. kennenlernte und wie sie gemeinsam den Plan fassten, beim Sicherheitsdienst von Amazon anzuheuern und sich dort zum Schichtleiter hochzuarbeiten, um dann die Alarmanlage ausschalten zu können. Das klappte auch alles relativ schnell. Was das Trio aber nicht bedacht hatte. "Im Lager sind 500 Kameras und Bewegungsmelder. Wir, Adis und ich, sahen es als unmöglich an, dort hereinzukommen. Das teilten wir Atmir auch mit. Damit war die Sache für uns auch erledigt", so Nazif A. Doch Atmir habe nicht lockergelassen. Schließlich sei man über das Dach in das Lager eingestiegen.
Für die Beute der ersten Tat bekam das Trio vom Hehler rund 45.000 Euro. Davon erhielten Nazif A. und Adis A. jeweils 5.000 Euro, nach der zweiten Tat bekamen sie jeweils 10.000 Euro. Den Rest behielt Atmir I. für sich. "Das war für mich in Ordnung, weil ich bei Atmir noch 10.000 Euro Schulden hatte, die er mir dadurch erließ", so Nazif A. weiter.
Der Prozess geht am Donnerstag, 7. November, um 9.30 Uhr weiter. Dann will Adis A. aussagen.

Autor:

Thomas Lipinski aus Winsen

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