Amtsgericht Winsen verhängt Schuldpruch
Vorbewährung für Erzieher

Sexuelle Handlung vor Kindern: Gericht sah von Strafverhängung zunächst ab

thl. Winsen. Da ist er offensichtlich noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen! Das Amtsgericht Winsen hat am Mittwoch einen 18 Jahre alten angehenden Erzieher aus der Samtgemeinde Salzhausen der sexuellen Handlung vor Kindern in zwei Fällen für schuldig gesprochen. Kurios: Eine mögliche (Bewährungs-)Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Das ist nach Paragraph 27 Jugendgerichtsgesetz (siehe unten) möglich.

Die Staatsanwältin hatte neun Monate Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollten, gefordert. Der Verteidiger wollte für seinen Mandanten einen Freispruch, weil der Tatvorwurf zum einen nicht nachweisbar war, zum anderen, weil er keine sexuelle Handlung seines Mandanten habe erkennen können.
Angeklagt war der 18-Jährige, weil er in einer Kindertagesstätte, in der er während seiner Ausbildung zum sozial-pädagogischen Assistenten sein Praktikum absolvierte, vor zwei fünfjährigen Mädchen mindestens zweimal sein Geschlechtsteil entblößte und es den Kindern zeigte.
Während sich der Angeklagte in Schweigen hüllte, war für die Richterin nach der Beweisaufnahme der Sachverhalt klar. "Ich bin überzeugt davon, dass hinter Ihren Taten eine sexuelle Absicht stand", so die Vorsitzende in ihrer Urteilsbegründung. "Das war auch kein Exhibitionismus." Die beiden Mädchen hätten glaubhaft geschildert, dass der Angeklagte sich erst hinter einem Bauwagen auf dem Kindergartengelände vor den beiden entblößte. Anschließend sei er mit ihnen in einen Abstellraum der Einrichtung gegangen, habe sich dort noch einmal entblößt und seinen Penis dabei in die Hand genommen. "Ich kann alle anderen denkbaren Motive, warum Sie blank gezogen haben, ausschließen", zeigte sich die Richterin überzeugt. Dafür spreche auch, dass er den beiden Mädchen anschließend "einimpfte", dass sie nichts davon erzählen sollen, "weil wir sonst alle großen Ärger bekommen". Trotzdem vertraute sich ein Mädchen einer Erzieherin an, dadurch kam der Prozess ins Rollen.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der § 27 Jugendgerichtsgesetz

(thl). Im Gegensatz zum Erwachsenen-Strafrecht, das neben Geldstrafen nur Bewährungs- oder Haftstrafen kennt, besteht im Jugendgerichtsgesetz (JGG) auch die Möglichkeit einer sogenannten Vorbewährung. Dazu heißt es im §27 JGG wie folgt: Kann nach Erschöpfung der Ermittlungsmöglichkeiten nicht mit Sicherheit beurteilt werden, ob in der Straftat eines Jugendlichen schädliche Neigungen von einem Umfang hervorgetreten sind, daß eine Jugendstrafe erforderlich ist, so kann der Richter die Schuld des Jugendlichen feststellen, die Entscheidung über die Verhängung der Jugendstrafe aber für eine von ihm zu bestimmende Bewährungszeit aussetzen.

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