Finanzielle Interessen vor Sicherheit?

Olga Bock

thl. Winsen. "Nach dem heutigen Stand der Technik ist davon auszugehen, dass auf der Fahrbahn angebrachte Schutzstreifen für Radfahrer grundsätzlich eine höhere Verkehrssicherheit bieten als ein Hochbord-Radweg, wie er bei der 'Nullvariante' der Innenstadt-Sanierung vorgesehen ist." Das ist die Meinung der Kommunalaufsicht des Landkreises Harburg und wirft die Frage auf: "Ist in Winsen die Sicherheit der Radfahrer eine Kostenfrage?"
Kurzer Rückblick: Im vergangenen Jahr sprachen sich die Fachausschüsse sowie der Stadtrat dafür aus, die Stadtring-Sanierung so günstig wie möglich zu gestalten. Das bedeutet u.a., dass Radfahrer weiterhin auf dem Hochbord fahren müssen, weil es keine Schutzstreifen auf der Straße geben soll.
"Als ich das hörte, dachte ich, ich wäre im falschen Film", sagt Olga Bock (66), die in Winsen als vehemente Verfechterin des Radverkehrs bekannt ist. "Bundesweit werden nach wissenschaftlichen Untersuchungen die Radfahrer auf die Stra0e geholt, weil sie dort einfach sicherer sind. Nur in Winsen ist es völlig anders." Ihre Bedenken teilte Bock der Kommunalaufsicht mit. Und wurde dort bestätigt.
Ändern muss die Stadt ihre Pläne trotzdem nicht. Denn die Aufsichtsbehörde teilte auch mit: Der zusätzliche Sicherheitsgewinn und die damit verbundenen Kosten müssten in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Denn die Stadt habe bei allen Maßnahmen ein Sparsamkeitsgebot zu beachten. Daher sei der Beschluss nicht zu beanstanden.
"Es ist nichh nachvollziehbar, dass hier finanzielle Interessen Abstriche in der Radverkehrssicherheit rechtfertigen", sagt Olga Bock. "Dabei hätten die Kommunalaufsicht gerade jetzt die Chance, eine über Jahrzehnte fortwirkende Fehlentscheidung zu verhindern."

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