Gödenstorfer Kult-Gaststätte "Zum alten Bahnhof" macht zum Jahresende dicht

Schließen im Dezember die Tür ihrer Gaststätte "Zum alten Bahnhof": die Betreiber Hubert Dlawichowski (li.) und Thomas Hoth
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Erstes "Opfer" der Sanierung der Ortsdurchfahrt
ce. Gödenstorf.
Harter Schlag für die Kulturszene im Landkreis Harburg: Die für ihre Comedy-Kleinkunst bundesweit beliebte Gaststätte "Zum alten Bahnhof" in Gödenstorf schließt nach acht Jahren ihre Pforten. "Wir werden den gastronomischen Betrieb im November beenden und den Spielbetrieb mit dem Ende der letzten Show im Dezember einstellen", teilten jetzt die "Bahnhof´"-Betreiber Thomas Hoth (39) und Hubert Dlawichowski (35) mit. "Ursache sind die Unwegbarkeiten, die mit der geplanten Sanierung der Ortsdurchfahrt Gödenstorf auf uns zukommen", begründen die Gastronomen gegenüber dem WOCHENBLATT ihre Entscheidung, die sie "wirklich schweren Herzens" getroffen haben.
Hoth und Dlawichowski zweifeln an der "Notwendigkeit" der umstrittenen Sanierung durch das Landesstraßenbauamt Lüneburg. Diese sollte ursprünglich Ende dieses Jahres starten, wird nach jetzigem Stand Anfang 2018 beginnen und voraussichtlich mit einer teilweisen, etwa neun Monate dauernden Vollsperrung der L216 verbunden sein (das WOCHENBLATT berichtete). "Die Informationspolitik über das Bauvorhaben ist zu bemängeln, da bereits jetzt über eine Verzögerung geredet wird. Allerdings wird dies nur über Medien kommuniziert und von den zuständigen Behörden nicht mit den Betroffenen persönlich erörtert", prangert Thomas Hoth an.
Die Aussicht, dass die Bauarbeiten wahrscheinlich nicht vor 2019 beendet sein werden, mache - so die Gastronomen - "eine Planung weiterer Veranstaltungen für uns unmöglich, da wir bereits jetzt für die Saison 2019 tätig werden müssen". Die Auswirkungen der Vollsperrung seien für sie mit einem großen finanziellen Risiko verbunden. "Diesem möchten wir uns nicht stellen, da wir es in den vergangenen Jahren geschafft haben, so zu wirtschaften, dass wir finanziell unabhängig und schuldenfrei sind", erklärt Hoth.
Alle für 2017 noch angekündigten Veranstaltungen im "Alten Bahnhof" fänden wie geplant statt. "Die bereits vollständig geplante Veranstaltungssaison 2018 werden wir nicht mehr in Gödenstorf spielen, da wir bereits an neuen und spannenden Projekten arbeiten", kündigt Thomas Hoth an. Er arbeite künftig in leitender Position bei Edeka Kröger in Winsen. Und auch Hubert Dlawichowski verrät, dass er "Perspektiven für neue Tätigkeiten" habe.
Kabarettisten und Comedians wie Ingo Oschmann, Lilo Wanders, Maria Vollmer und Ausbilder Schmidt gehören zu den beliebten Künstlern, die der Gödenstorfer Kleinkunstbühne seit deren Eröffnung 2009 mit wiederholten Auftritten stets treu geblieben sind. "Ich kann es nicht fassen! Die wohl kleinste und schönste Bühne Deutschlands wird geschlossen. Wie gerne habe ich dort mein Programm gespielt. Die beiden Jungs - mega", reagierte Ingo Oschmann auf die traurigen Neuigkeiten. "Mit den Künstlern verbindet uns eine persönliche Freundschaft, weshalb wir auch 2018 versuchen wollen, Veranstaltungen mit ihnen in anderen Locations in der nahen Umgebung und bei uns unterstützenden Gastronomen zu realisieren - nur eben nicht mehr in Gödenstorf", blicken die Eventmacher nach vorne. "So sehr wir von den verantwortlichen Behörden enttäuscht sind, so sehr freuen wir uns, dass die Künstler und ihre Managements weiter hinter uns stehen."
• "Die Samtgemeinde bedauert außerordentlich, dass die Betreiber der Gaststätte 'Zum alten Bahnhof' aufgrund der anstehenden Sanierung der Ortsdurchfahrt Gödenstorf ihren Betrieb Ende des Jahres 2017 aufgeben wollen, zumal nach den derzeitigen Planungen die Gaststätte bis mindestens August 2018 aus Richtung Salzhausen weiterhin gut erreichbar sein wird", erklärte Verwaltungschef Wolfgang Krause auf WOCHENBLATT-Anfrage. "Mit der Schließung dieser Gaststätte verlieren wir in der Samtgemeinde einen weiteren gastronomischen Anziehungspunkt mit einem beliebten Kulturangebot", so Krause. Nach Informationen der Verwaltung werden die Bauarbeiten zur Sanierung der Ortsdurchfahrt Gödenstorf "frühestens im zweiten Quartal 2018 beginnen".
• "Es ist mega-traurig, dass der Bahnhof zumacht. Er ist ein Stück Dorfgeschichte", reagierte Gödenstorfs Bürgermeisterin Malene Schröder auf die unerfreulichen Neuigkeiten. "Was Thomas Hoth und Hubert Dlawichowski da auf die Beine gestellt haben und leider nur noch kurze Zeit stellen, ist richtig klasse."

- Kommentar: "Dieser Preis für die Sanierung ist zu hoch!"
Es ist unfassbar, dass Thomas Hoth und Hubert Dlawichowski ihren "Bahnhof" schließen müssen, weil sie den Unwegbarkeiten bei der Planung der Ortsdurchfahrts-Sanierung ausgeliefert sind. Das Fehlen dieses einzigartigen Kultur-Juwels wird für die Region eine Katastrophe sein. Symptomatisch für die planerischen Unberechenbarkeiten bei der Sanierung ist die Tatsache, dass die Arbeiten aus heiterem Himmel immer wieder verschoben werden. Aktueller Stand: Anfang/Mitte 2018.
Kommentar
"Andere denken nach, wir denken vor", hat Udo Lindenberg mal gesagt. Genau das sagen sich auch Thomas und Hubert bei ihrer für Außenstehende womöglich überstürzten Entscheidung, die Gaststätte im Dezember dichtzumachen. Die Jungs müssen schließlich sehen, wo sie bleiben (zum Glück wissen sie es). Schon jetzt zahlen sie mit der Betriebsaufgabe einen viel zu hohen Preis für etwas, an dem sie keinerlei Schuld tragen.
Die bei der Sanierung zu erwartenden Straßensperrungen waren übrigens auch für ein Unternehmen, das sich im Gewerbegebiet Oelstorf II ansiedeln wollte, Grund für einen Rückzieher. Bleibt zu hoffen, dass nicht noch mehr Betriebe auf der Strecke bleiben, bevor die Bauarbeiten überhaupt begonnen haben.
Christoph Ehlermann

Autor:

Christoph Ehlermann aus Salzhausen

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