Hohe Investitionen und gute Perspektiven
Jahresrückblick 2021 der Stadt Winsen

Bürgermeister André Wiese (CDU)
  • Bürgermeister André Wiese (CDU)
  • Foto: Stadt Winsen
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thl. Winsen. Traditionell blickt Winsens Bürgermeister André Wiese (CDU) auf das ablaufende Jahr zurück. Dazu schreibt er:
"Der Stadtrat ist am 12. September gewählt worden und hat sich am 18. November in einer Sitzung, die zum ersten Mal als Live-Stream im Internet zu verfolgen war, konstituiert. Viele neue Gesichter, mehr jüngere Mitglieder und auch mehr Frauen tragen jetzt in Winsen kommunalpolitische Verantwortung. So sind 24 von 38 Gewählten neu dabei, das Durchschnittsalter im Rat beträgt 48 Jahre und der Frauenanteil 42%.
Es gerät manchmal aus dem Blick, dass auch die Ratsmitglieder ehrenamtlich und gemeinnützig tätig sind. Sie gehören zu den zahlreichen Menschen in unserer Stadt, die sich sagen: „Die Gemeinschaft und die anderen gehen mich etwas an. Dafür engagiere ich mich.“ Das verdient Dank und Anerkennung.
Als Vorbilder und herausgehobene Beispiele für ein ehrenamtliches und ehrenwertes Engagement sind am 13. Juli in einer nachgeholten Veranstaltung die Luhe-Kiesel-Träger 2020 und am 12. Oktober die Träger des Luhe-Kiesels und des Junior-Kiesels 2021 ausgezeichnet worden. Das sind – für 2020 – Birgit Kruse, Bernd Maßalski sowie die beiden Teams des Reso-Cafés und der Winsener Tafel. Die Kiesel des Jahres 2021 gingen an Christa Belger, Annemarie Herder, Peter König und Hans-Werner Pohl (Luhe-Kiesel) sowie Christina Kruse (Junior-Kiesel).
Unbezahlte Freiwillige – zum Beispiel im Impfzentrum, in den Testzentren oder als Impfpatinnen und Impfpaten – waren auch in erheblichem Maße bei der Bewältigung der Corona-Krise im Einsatz, die uns 2021 wieder stark beschäftigt hat. Ich will denjenigen, die sich ehrenamtlich eingesetzt haben, und allen anderen, die im Gesundheitswesen, in den Schulen und Kindertagesstätten, in den öffentlichen Einrichtungen und privaten Organisationen, in den Familien und Unternehmen ihren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie geleistet haben, ausdrücklich und von Herzen danken. Es gäbe darüber hinaus vieles zu berichten und einiges zu kritisieren. Darauf möchte ich an dieser Stelle verzichten.
Wir sind gerade in einer Phase der Corona-Krise, in der es mehr denn je auf Zusammenhalt und Solidarität ankommt. Handeln wir danach. Neben den Unternehmen und Betrieben, die Corona hart getroffen hat, gibt es in dem Winsener Branchenmix auch welche mit besonders guten Geschäftsergebnissen in der Krise.
Letztere haben in 2021 mit für Gewerbesteuereinnahmen gesorgt, die sich auf 28,7 Mio. EUR und damit etwa das Doppelte des Haushaltsansatzes belaufen. Sehr hoch war 2021 mit 23,2 Mio. EUR auch wieder die Gesamtsumme der Investitionen, die aus dem Stadthaushalt aufgebracht und die bei zahlreichen Projekten um Fördermittel vom Land und/ oder vom Bund ergänzt worden sind.
Für kleine und größere Gemeinschaften, ob organisiert oder nicht, steht seit Anfang Mai der „Luhe-Treff“ in der Deichstraße 30 zur Verfügung. Sechs verschieden große, barrierefreie Räume, eine voll ausgestattete Küche und die moderne Veranstaltungstechnik werden seither rege nachgefragt. Mit diesem Angebot für ehrenamtliches und gemeinschaftliches Engagement haben wir es offensichtlich richtig getroffen.
Im August ist das neue Feuerwehrgebäude mit Räumen auch für die Dorfgemeinschaft in Laßrönne fertig geworden. Fast 2,4 Mio. EUR wurden dafür investiert. Sie sind nicht nur für die städtische Aufgabe des Brandschutzes und der Hilfeleistung in Not- und Unglücksfällen gut angelegt, sondern auch für das Miteinander im Ort. Die Feuerwehr – nicht nur in Laßrönne – ist bei uns unverändert ein verlässlicher Garant für beides.
Die Kita Norderbülte mit 3 Elementar- und 3 Krippengruppen hat im September den Betrieb aufgenommen und insgesamt 5,3 Mio. EUR gekostet. Diese Investition ist ein entscheidender Beitrag für ein gutes Angebot von Krippen- und Kindergartenplätzen in unserer Stadt. Für den Umbau und die Sanierung der Kita Borstel, die im August begonnen haben, ist in diesem Jahr bereits ein Teil der zur Verfügung stehenden 2,3 Mio. EUR ausgegeben worden. Mit einer staatlichen Förderung von 80 % des Gesamtaufwandes soll hier zur optimalen Lüftung, besseren Regulierung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit sowie aus energetischen Gründen auch eine raumlufttechnische Anlage eingebaut werden. Ebenso übrigens in Räumen der Stadthalle, der Schule am Ilmer Barg, der Hanseschule und der Kita Pusteblume im Westtrakt der Hanseschule.
Für die Erweiterung der letztgenannten Einrichtung um eine Elementar- und eine Krippengruppe im nächsten Jahr sind 2021 bereits erhebliche Planungsleistungen erbracht worden. Das gilt auch für den Neubau der Kita Tönnhausen (mit zwei Elementargruppen und einer Krippengruppe), für die Erweiterung und den Umbau des Bereichs für Lehrerinnen und Lehrer in der Schule am Borsteler Grund und für den Neubau einer Zweifeld-Sporthalle der Alten Stadtschule mit einem angegliederten Mehrzweckraum („BegegnungsRaum Bleiche“). Die Bauarbeiten aller genannten Vorhaben beginnen voraussichtlich in der ersten Hälfte des
kommenden Jahres.
Dann geht der neue Coworking Space in der St. Georg Kapelle und dem benachbarten Fachwerkgebäude bereits in Betrieb. Dieser „Freiraum Winsen“ bietet ab Februar 2022 zeitgemäße Arbeits-, Seminar- und Veranstaltungsräume, die flexibel gestaltet und nutzbar sind.
Als größter Teil der Innenstadtsanierung „Winsen2030“ hat in diesem Jahr die Umgestaltung der Haupteinkaufsstraßen begonnen. Nach vorbereitenden Arbeiten im Untergrund wird zunächst die südliche Rathausstraße umgebaut. Bis voraussichtlich Mitte 2025 erhalten die gesamte Rathausstraße, die Nordertorstraße, die Marktstraße mit dem Kirchplatz und die Deichstraße ein modernes, barrierearmes Pflaster, neu konzipierte Aufenthaltsbereiche, robuste Bäume, hübsche Wasserspiele und eine wertige Stadtmöblierung. Die Baukosten betragen etwa 10,4 Mio. EUR und werden auch bei diesem Projekt anteilig aus Fördermitteln aufgebracht.
Vier Bushaltestellen wurden barrierefrei ausgebaut, zwei Wirtschaftswege instand gesetzt und zwei Holzbrücken grundsaniert. Für andere Unterhaltungsmaßnahmen an Straßen, Wegen und Brücken sind zusammen rund 600.000 EUR aufgewendet worden.
Unter dem Motto „Gehrden wächst zusammen“ ist in Winsens kleinstem Ortsteil ein neuer Fuß- und Radweg entstanden, der die beiden Siedlungseinheiten des Ortes abseits der viel befahrenen Straße „Gehrdener Deich“ miteinander verbindet. Das war eines der diesjährigen Projekte der LEADER-Region ACHTERN ELBE DIEK, in der die Stadt bereits seit 2005 erfolgreich mit den Gemeinden Bardowick, Elbmarsch, Seevetal und Stelle kooperiert.
Sanierung und Ausbau des Querweges konnten im Februar abgeschlossen werden. Es war eine der Entwicklungsmaßnahmen in der Dorfregion Winsener Marsch, zu denen 2021 zum Beispiel auch die Errichtung eines Multifunktionsspielplatzes in Laßrönne auf dem Gelände des MTV gehörte. Dieser neue Platz ist auch Teil der Sportförderung, die wieder in Zuschüssen an Vereine, aber auch in Aktionen wie der „Schwimmkampagne für Winsener Kinder“ oder dem „Sport im Park“ ihren Ausdruck gefunden hat.
In die Neuanschaffung von Geräten auf insgesamt 17 Spielplätzen sind zusammen 265.000 EUR geflossen. Hervorheben will ich das Spielschiff „Luise“ auf dem Luhespielplatz, an dessen Kosten sich der Round Table Winsen, die Kroschke Kinderstiftung und die Stiftung St.Georg beteiligt haben. Dieser Spielplatz hat im Oktober auch eine neue Skater-Rampe erhalten, gestaltet nach den Wünschen der jungen Skaterinnen und Skater.
Der Jugendbeteiligung eine breitere Basis zu geben, ist Sinn und Zweck des im Septembergestarteten Modellprojektes eines rotierenden Jugendrates. Es ist auf zunächst zwei Jahre angelegt und hatte mit dem Rat der – per Zufall ausgewählten – 100 Weisen einen vielversprechenden Auftakt.
Mit zwei neuen Hauptgebläsen im Wert von 180.000 EUR für die Sauerstoffversorgung der Belebungsbecken ist das Klärwerk aufgerüstet worden. Darüber hinaus ist die Klärschlamm-Trocknung seit November an eine Vakuumentgasungsanlage angeschlossen. Sie ist zunächst gemietet und soll bei nachweislicher Reduzierung der Geruchsbelästigung im Umfeld dauerhaft angeschafft werden.
Verabschiedet wurden die Bebauungspläne „Kleiner Brümmelkamp“ (Luhdorf), „ZumDornhagen“ (Laßrönne), „Am Luhedeich“ (für das Gelände eines ehemaligen Gartenbaubetriebes) und „Baxmannswerg“ (für das Areal zwischen Mozart- und Rote-Kreuz-Straße an der Eckermannstraße) sowie der Plan zur Erweiterung des Gewerbegebietes Osttangente an der Boschstraße. Sie eröffnen Perspektiven für die Stadtentwicklung.
Diesem Ziel dienen auch eine Reihe anderer Pläne, die gut vorangekommen sind, es aber erst 2022 zur Beschlussreife bringen. Die Bebauungspläne für das Naturbad im Eckermannpark und die neue Bibliothek direkt neben dem Marstall zählen dazu. Für beide Großprojekte haben sich die politischen Gremien in diesem Jahr deutlich ausgesprochen.
Sehr überrascht hat uns im Sommer die Auswahl des sogenannten Teilgebiets 035 („Salzstock Bahlburg“) als eines von bundesweit vier Gebieten zur Methodenentwicklung im Rahmen der Standortsuche für ein Atommüll-Endlager. Entwickelt werden soll hier die Methodik für die „repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen“ in allen Gebieten mit dem Wirtsgestein Steinsalz. Dass dieser Schritt von dem Träger des Verfahrens nicht frühzeitig und offen kommuniziert worden ist, hat den Landkreis Harburg, die Samtgemeinde Salzhausen und uns in der gemeinsamen Absicht bestärkt, die Standortsuche sehr aufmerksam, intensiv und kritisch zu begleiten.
Auch uns hat Corona bei den Veranstaltungen einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Ein schönes Ereignis war das Dahlienfest in den Luhegärten am 12. September. Ebenso konnten das Oktoberfest am 01. Oktober auf dem Kirchplatz und das zweite Plattdeutsch-Musikfestival am 30. Oktober im Marstall, an dessen Ausrichtung ebenfalls Kooperationspartner beteiligt waren, stattfinden. Die Online-Bühne mit vier Terminen im Frühjahr und das Online-Stadtfest am 12. Mai waren gelungene virtuelle Veranstaltungen und Stimmungsaufheller. Sie konnten und sollten aber kein Ersatz für das Live-Erlebnis sein. Das ist einfach durch nichts zu ersetzen. Aber gar nichts zu machen, kam für uns nicht in Betracht.
Dieser Gedanke lag auch den Bürgerbriefen für die Ortsteile statt der Bürgerversammlungen und den Anschreiben mit jeweils einem Verzehr-Gutschein an die Seniorinnen und Senioren statt der gemeinsamen Ausfahrten zugrunde. Als Aufmunterung in der Krise war ein „Geduldsfaden“ gedacht, der an mehr als 4.000 Familien verschickt wurde und dem ein Eis-Gutschein beigefügt war. Von ganz persönlichen Erfahrungen in d der Pandemie berichten Winsenerinnen und Winsener in dem Buch „Ich und Corona“, das die Stadtjugendpflege initiiert und veröffentlicht hat. Es ist noch in der örtlichen Buchhandlung erhältlich und als Lektüre sehr zu empfehlen.
Um die Winsener Innenstadt, die wie andere Zentren auch von der Corona-Krise erheblich getroffen ist, zu stärken und zu beleben, haben wir uns in diesem Jahr mit einem Aktionsplan um Fördermittel aus dem Programm „Perspektive Innenstadt“ bemüht. Das war erfolgreich. 755.000 EUR wurden bewilligt, die um einen städtischen Eigenanteil aufgestockt werden. Mit dem Geld wollen wir bis zum Frühjahr 2023 ein vielfältiges Maßnahmenpaket – von der Leerstandsvermeidung über zusätzliche öffentliche Verkehrsangebote bis zu einer Veranstaltungsoffensive – umsetzen und dadurch der Innenstadt Impulse geben. Ich verspreche mir viel von dem Programm und sehe in seiner Umsetzung eine der Schwerpunktaufgaben in der nächsten Zeit.
Aus dem Digitalpakt erhält die Stadt 633.000 EUR für die Digitalisierung ihrer Schulen. In Luhdorf und Pattensen ist ein Teil davon für die Netzwerkverkabelung genutzt worden. Mit einem eigenen Förderprogramm, das mit 50.000 EUR ausgestattet war, haben wir unsererseits die Digitalisierung Winsener Unternehmen unterstützt.
Südöstlich der Grevelau am Wirtschaftsweg „Mesker Brouk“ gibt es seit Mai einen Bürgerwald. Für 250 EUR kann man hier eine Baumpatenschaft selbst übernehmen oder einen Gutschein zum Verschenken erwerben. Für die Sicherung des Baumbestandes in Winsen ist das ein feiner, aber kleiner Beitrag. Denn dieser Bestand erhöht sich durch Neuanpflanzungen Jahr für Jahr – nach Abzug von erforderlichen Fällungen – um durchschnittlich 150 Bäume und umfasst inzwischen mehr als 40.000 Bäume. Ihre Kontrolle auf Schäden kostet pro Jahr 40.000 EUR, ihre Pflege jährlich 95.000 EUR.
Knapp 10 Jahre nach der Verabschiedung des ersten städtischen Klimaschutzkonzeptes haben in diesem Jahr die Vorüberlegungen für eine Fortschreibung dieses wichtigen Handlungsprogramms begonnen. Ausfluss des Konzepts aus 2012 ist eine Palette verschiedener Maßnahmen der Stadt und der Stadtwerke, die sich von Blühwiesen und BHKW-Anlagen über Förderprogramme und Fahrradinfrastruktur bis zu Wasserspendern und Windkraftanlagen erstrecken. Die letztgenannten Anlagen, gemeinsam betrieben von den Winsener Stadtwerken und Hamburg Energie, erzeugen 21 Megawatt Strom für rund 16.000 Haushalte. Ein ganz wichtiger Teil der Konzeptfortschreibung wird im kommenden Jahr die breite Öffentlichkeitsbeteiligung sein.
Eine gute Nachricht gibt es für den Ortsteil Borstel. Die Geruchsbelästigung von einem Schweinemaststall mitten im Ort und die rechtlichen Auseinandersetzungen darum haben am 16. Dezember ein erfreuliches Ende gefunden. Nachdem ein ortsansässiger Gewerbetreibender in den Pachtvertrag über die Stallgebäude eingetreten ist und die Weichen für deren geruchslose und nachbarverträgliche Nutzung gestellt hat, konnten die Rechtsstreitigkeiten im Rahmen eines umfassenden Mediationsverfahrens vor dem Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht einvernehmlich beendet werden. Als Schweinemaststall dürfen die Gebäude auf der Hofstelle an der Lüneburger Straße nun nicht mehr genutzt werden.
Für die Statistik schließlich noch die folgenden Zahlen: Winsen hat aktuell 37.300 Einwohnerinnen und Einwohner und damit gut 200 mehr als vor einem Jahr. Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt knapp 239 EUR und über das Jahr sind wieder Genehmigungen der städtischen Bauaufsicht für 190 zusätzliche Wohneinheiten erteilt worden. Diese und die anderen Daten und Fakten verdeutlichen, dass Winsen unverändert eine wachsende und florierende Stadt ist, in der alle Generationen gut und gerne leben. Möge das so bleiben. Ich wünsche den Bürgerinnen und Bürger der Stadt und allen, die sich Winsen verbunden fühlen, ein gutes neues Jahr. Bleiben Sie gesund und zuversichtlich."

Autor:

Thomas Lipinski aus Winsen

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