Impfkampagne
Landkreis Harburg: Warum "AstraZeneca und Johnson & Johnson für alle" noch ein leeres Versprechen ist

Der Impfstoff von Johnson & Johnson soll vor allem in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen verimpft werden
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  • Der Impfstoff von Johnson & Johnson soll vor allem in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen verimpft werden
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(ts). Mit AstraZeneca und Johnson & Johnson (J&J) kann sich jeder Erwachsene impfen lassen, der das möchte. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben für die beiden Vakzine die Priorisierung aufgehoben. Viele Menschen dürfte diese Nachricht elektrisiert haben, ist sie doch ein verheißungsvolles Versprechen auf Freiheiten beim Reisen, Restaurantbesuchen und Begegnungen mit anderen Menschen. Tatsächlich aber wird derzeit wohl kaum ein Mensch im Landkreis Harburg, den die Impfreihenfolge nicht vorsieht, an eine Impfung mit AstraZeneca oder J&J herankommen. Grund: Lieferungen mit den beiden Vakzinen an den Landkreis Harburg sind zurzeit so gering, dass sie kaum verfügbar sind.

Nicht einmal 1.000 Dosen AstraZeneca und 600 J&J hätten die beiden Impfzentren in Buchholz und Winsen in dieser Woche im Bestand gehabt, sagt Jan Bauer, Impfprojektleiter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) im Landkreis Harburg. Welche Mengen die Hausärzte erhalten, wisse er nicht. Eine ähnlich verschwindend geringe Menge wahrscheinlich. Jan Bauer vermutet, dass das Land Niedersachsen verstärkt Impfstoffe in Regionen liefert, in denen die Zahl der Neuinfektionen besonders hoch ist. Das trifft auf zum Beispiel Vechta zu, nicht auf den Landkreis Harburg.

„Die Entscheidung der Freigabe von AstraZeneca und Johnson & Johnson hat für die Arbeit im Impfzentrum Buchholz keine praktischen Auswirkungen", sagt Nadine Fischer von der Hilfsorganisation Johanniter, Leiterin des Impfzentrums Buchholz. Die Johanniter impften ausschließlich nach Reihenfolge der über das niedersächsische Landesportal registrierten Personen. Auf der Warteliste stünden derzeit mehrere Tausend Menschen, die aufgrund ihres Alters, einer medizinischen Indikation oder berufsbedingt zu einer der impfberechtigten Gruppen gehören.

Es herrscht weiter Mangel an Impfstoff

Gerne würden die Johanniter noch mehr Menschen impfen. "Es herrscht aber weiterhin ein Mangel an Impfstoff", sagt Alexander Jansen, Kreisbereitschaftsführer der Johanniter im Regionalverband Harburg.
Dass jetzt Menschen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren, die keiner Priorisierungsgruppe angehören, mit AstraZeneca oder J&J geimpft werden, schließt Jan Bauer aus. Immerhin stünden noch 70-Jährige und 80-Jährige auf der Warteliste. Die beiden Vakzine, die ohne Auflagen freigegeben sind, sollen laut den Gesundheitsministern die Hausärzte impfen. Und die würden sicherlich die Menschen impfen, bei denen es aus gesundheitlichen Gründen am meisten angeraten ist.

J&J sei im Landkreis Harburg ähnlich wie in anderen Regionen Deutschlands für Obdachlose und Menschen in besonders prekären Wohnverhältnissen vorgesehen, sagt Jan Bauer. Denkbar sei die Verwendung auch bei Erntehelfern, die nur vorübergehend im Landkreis leben. Der Grund ist, dass bei diesem Impfstoff nur eine Impfung nötig ist. Bei Obdachlosen seien Probleme bei der Vereinbarung eines zweiten Termins zu erwarten. Deshalb sei J&J besonders gut geeignet.
Rund zehn Millionen Dosen Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson sollen laut dem Bundesgesundheitsministerium Deutschland in den nächsten Wochen erreichen - zum größten Teil aber erst im Juni.
Die ständige Impfkommission hatte empfohlen, mit J&J nur Menschen zu impfen, die älter als 60 Jahre sind. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern folgten dieser Empfehlung aber nicht. Auch Jüngere sollen das Vakzin nach Aufklärung durch einen Arzt nutzen dürfen.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson soll vor allem in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen verimpft werden
Die Priorisierung für AstraZeneca ist aufgehoben
Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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