Neues Projekt "Empowerment" unter Regie des Herbergsvereins Winsen für Flüchtlinge
Mehr Hilfen bei der Ausbildung bieten

Engagieren sich im Projekt: (hi., v. li.) BBS-Leiter Thomas Degen, Kristina Josten (Landkreis Harburg), Jürgen Meyer, Bernd Egert, Tim Langner (alle Herbergsverein) und Superintendent Christian Berndt sowie (vorne, v. li.) Valeska Reiber (Landkreis), Ulrike Tschirner (Stadt Winsen), Gudrun Spöring (BBS), Lisa Haizmann (Herbergsverein) und der ehrenamtlich in der Winsener Flüchtlingshilfe aktive Jürgen Baumgarten   Foto: Wilfried Staake
  • Engagieren sich im Projekt: (hi., v. li.) BBS-Leiter Thomas Degen, Kristina Josten (Landkreis Harburg), Jürgen Meyer, Bernd Egert, Tim Langner (alle Herbergsverein) und Superintendent Christian Berndt sowie (vorne, v. li.) Valeska Reiber (Landkreis), Ulrike Tschirner (Stadt Winsen), Gudrun Spöring (BBS), Lisa Haizmann (Herbergsverein) und der ehrenamtlich in der Winsener Flüchtlingshilfe aktive Jürgen Baumgarten Foto: Wilfried Staake
  • hochgeladen von Christoph Ehlermann

ce. Winsen. Seit August 2018 läuft das Projekt "Empowerment in der Ausbildung“ im Landkreis Harburg. Dabei sollen Geflüchtete, die eine Berufsausbildung absolvieren, bestmöglich gefördert werden, um auch den Abschluss erreichen zu können. In engem Schulterschluss arbeiten hier unter der Federführung des Herbergsvereins Winsen erneut die Berufsbildenden Schulen (BBS), die Stadt Winsen, der Landkreis und der Kirchenkreis Winsen sowie viele Ehrenamtliche zusammen. Gefördert wird das Projekt zum überwiegenden Teil durch die "Aktion Mensch“, aber auch durch Gelder des Kirchenkreises sowie des Diakonischen Werkes.
"Wer heute ausbildet, sichert sich seine Fachkräfte von morgen“, ist Bernd Egert aus Winsen überzeugt. Der pensionierte Hamburger Staatsrat engagiert sich schon seit längerer Zeit in der Betreuung Geflüchteter. Für junge Menschen mit einem Fluchthintergrund, die einen Beruf erlernen wollen, stelle aber - so Egert - der schulische Teil der Ausbildung eine große Hürde dar.
Egert arbeitet mit im Internationalen Cafe der St. Mariengemeinde. Für die Praktikanten des ersten Ausbildungprojektes "Darius" (das WOCHENBLATT berichtete) hatte er vor zwei Jahren die Auswahlgespräche geführt. Im Anschluss wurden laut Egert viele dieser Praktikanten von den Firmen auch in eine Ausbildung übernommen. Dabei zeigte sich jedoch weiterer Förderbedarf.
Hier setzt jetzt das jüngste Projekt an. Dabei sind drei Sozialarbeiter des Herbergsvereins in ständigem Kontakt mit den BBS und den Ausbildungsbetrieben. In der Schule stellen sie den jungen Flüchtlingen verschiedene Hilfsangebote vor und versuchen, in Einzelgesprächen den individuellen Hilfebedarf zu ermitteln. Um bestmöglich helfen zu können, werden Zielvereinbarungen mit dem Geflüchteten geschlossen und Möglichkeiten zu deren Erreichung besprochen. "So können auch kleine Erfolge und Fortschritte sichtbar gemacht werden“, erläutert Projektkoordinator Tim Langner vom Herbergsverein den Ansatz.
Wenn der Unterstützungsbedarf feststeht, fragen die Sozialarbeiter bei allen Kooperationspartnern nach, wer etwa Nachhilfe in Mathematik geben oder Auszubildende in der Pflege unterstützen kann. Durch die große Zahl der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsbetreuung der Winsener Gemeinde findet sich meist sehr schnell jemand, der eine derartige Aufgabe für eine bestimmte Zeit übernehmen kann.
Insgesamt werden im Rahmen dieses Projektes etwa 70 junge Geflüchtete bis zum Juni 2021 an den Berufsbildenden Schulen begleitet.
Auch Winsens Bürgermeister André Wiese ist überzeugt von dem Projekt: "Gelingende Integration braucht Sprache, Beschäftigung und Regeln. Seit Jahren engagieren sich viele unterschiedliche Menschen in unserer Stadt hierfür. Mit großem Einsatz, der Initiierung von verschiedenen Projekten sowie der Zusammenarbeit vieler Akteure im lokalen Netzwerk wird in Winsen ein starkes Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gesetzt."
„Das Projekt ist nur ein Teil der vielen, intensiven Bemühungen um die berufliche Integration Geflüchteter im Landkreis Harburg“, zieht Tim Langner Bilanz. Viele Anstöße habe dafür die ‚Dariusgruppe‘ gegeben, die sich aus Ehrenamtlichen des Internationalen Cafés in Winsen rekrutierte und inzwischen durch Landkreis, Stadt, Herbergsverein, BBS und den Kirchenkreis unterstützt wird.
„Aus der Kooperation dieser verschiedenen Partner sind viele gute Projekte entstanden“, ergänzt Superintendent Christian Berndt. Er verweist auf das Lehrlingswohnheim in der Deichstraße, ein Projekt für fachliche Nachhilfe für Geflüchtete, das derzeit an den BBS stattfindet (beide werden durch den Landkreis und die Stadt finanziell unterstützt) und eben auf die Initiative "Empowerment in der Ausbildung“ des Herbergsvereins.
"Was jetzt noch fehlt, ist die Unterstützung von höheren Stellen, um die entwickelten und erprobten Angebote zu etablieren und ins Regelsystem zu integrieren“, räumt Tim Langner ein. Schön wäre es, wenn Hilfebedarfe mehr vom Menschen aus gedacht und konzipiert würden. „Das Ziel muss sein, dass sich das Hilfesystem an den jeweiligen Menschen anpasst und nicht der Mensch dem System angepasst wird“, so Langners Hoffnung für die Zukunft.
• Wer das Projekt unterstützen möchte, kann beim Herbergsverein Winsen melden unter Tel. 04171 - 654564 oder per E-Mail an integration@herbergsverein-winsen.de.

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