WOCHENBLATT-Serie (IV): So erlebten Leser den Jahrhundertwinter 1978/1979

Kreativer Schnee-Fall: Wolfgang Schmidt baute sich ein Iglu und trotzte der Kälte mit freiem Oberkörper
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  • Foto: Schmidt
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"Obsthof-Plantagen massiv betroffen"

ce. Landkreis. Den Jahrhundertwinter 1978/1979 "hautnah mitbekommen" hat wie viele andere Menschen in der Region auch Claus Viets aus Rade. "Wir waren als Obsthof massiv betroffen, ebenso von der Feuerwehr und auch natürlich als 'normale' Bürger" erinnert sich Viets. Die Familie betreibt einen Obsthof, und Claus Viets engagierte sich damals und auch viele weitere Jahrzehnte in der örtlichen Feuerwehr.
"In unseren Plantagen traten erhebliche Schäden auf, weil Kaninchen über die Schneewehen unsere zwei Meter hohen Zäune überwinden konnten und dann alles erreichbare Holz anfraßen", so Viets. Zwei Tage lang versuchten er und ein paar Helfer vergeblich, den Schnee zu beseitigen, der schließlich an der B3 bis zu vier Meter hoch lag.
Viets, der damals stellvertretender Ortsbrandmeister von Rade war, gelang es schließlich, Bergepanzer zur Räumung der Straßen in das Dorf zu holen. Zudem leistete die Feuerwehr Amtshilfe für die Autobahnpolizei, als die Abfahrten der A1 einige Stunden gesperrt werden mussten, damit die B3 in Richtung Buxtehude geräumt werden konnte.
Viele LKW-Fahrer mussten einen Umweg über Hollenstedt und Dibbersen in Kauf nehmen, bis sie die Autobahn verlassen konnten. "Die Diskussionen mit einigen Fahrern waren schon heftig. Alles spielte sich in einem heftigen Schneetreiben ab", blickt Claus Viets zurück.

Iglu-Bau auf der Terrasse

• "Wenn ich die Bilder von vor 40 Jahren heute in den Medien sehe, denke ich, bei uns war es wahrscheinlich nicht so schlimm, wie es derzeit in Bayern und Österreich ist", sagt Zweta Schmidt aus Buchholz. Ihren inzwischen verstorbenen Ehemann Wolfgang ließ die "weiße Pracht" Ende der 1970er Jahre kreativ werde: Er schaufelte die schweren Schneemassen runter vom Balkon, baute daraus auf der Terrasse ein Iglu - und setzte sich fürs Foto "obenrum" nur mit einem Unterhemd bekleidet hinein.
Wolfgang Schmidt arbeitete damals als Diplom-Ingenieur und seine Frau als Buchhalterin in Hamburg. "Weil wegen der verwehten Straßen viele Autofahrer auf die Bahn umstiegen, waren die Züge rappelvoll. Wir mussten einen Tag unbezahlten Urlaub nehmen, um nach Hamburg zu gelangen, zumal bei uns vor der Haustür vor lauter Schneebergen gar nichts mehr ging", weiß Zweta Schmidt noch heute.

"Krasses" Szenario in der Innenstadt

• Als eine "krasse, extreme Situation" hat Elke Blumenthal aus Stade den Ausnahme-Winter 1978/79 in Erinnerung. Auch ihrem aus Skandinavien stammenden Lebensgefährten erging es so. "Er hatte in Norwegen auf dem Land gelebt und war dort Schnee gewöhnt. Als dann aber auch die Stader Innenstadt zugeschneit war, staunte er sehr darüber", so Elke Blumenthal. Witterungsbedingt herrschten vorübergehend ein allgemeines Fahrverbot und unterrichtsfrei an der Realschule, wo sie arbeitete. "Also machte ich mich mit zwei Kolleginnen wagemutig zu Fuß auf den Weg ins sechs Kilometer entfernte Nachbardorf Hagen, wo wir eine gemeinsame Bekannte besuchten."

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