Wolfspopulation nimmt enorm zu

(thl). Als vor wenigen Jahren der erste Wolf in der Region erblickt wurde, war die Freude groß. Doch mittlerweile schlägt die anfängliche Freude in Wut um. Denn: Immer öfter kommt es zu Meldungen über gerissene Rehe oder Schafe. Hintergrund: Die Population der Wölfe ist enorm. Die Dynamik, mit der Isegrimm die Wälder zurückerobert, beeindruckt sogar die Jäger. "Das haben alle unterschätzt", heißt es aus Waidmannskreisen. Allein in der Lüneburger Heide sind bereits zwei Rudel bestätigt. Erst im vergangenen Monat tappte ein siebenköpfiges Wolfsrudel zwischen Amelinghausen und Salzhausen in eine Fotofalle, als die Tiere ganz entspannt und neugierig die Umgebung erkundeten.
In der Jägerschaft und beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wird die Ausbreitung des streng geschützten Tieres begrüßt. "Der Schutz des Wolfes ist ein Beitrag zum Erhalt und zur Verbesserung der biologischen Vielfalt", sagt Dr. Annemarie Schacherer, Leiterin des Fachbereiches Tier- und Pflanzenschutz beim NLWKN. Da Isegrimm aber unter ungünstigen Bedingungen Schäden an Nutztieren verursache, habe man ein "Wolfsmanagement" ins Leben gerufen, an das sich geschädigte Nutztierhalter wenden können. Dort gebe es auch Informationen über Soforthilfe-Möglichkeiten für den Fall, dass ein Wolf in Herdennähe gesichtet wird.
Menschen bräuchten vor Wölfen keine Angst zu haben, heißt es aus dem Umweltministerium in Hannover. Denn die Tiere seien sehr scheu. Aber: Die Tiere könne durch Neugierde ihre Scheu auch überwinden. Deswegen sei es auch möglich, wie bereits geschehen, dass sich die Wölfe an Ortsgrenzen heranwagen. Und: Wenn ein Wolf sich bedroht und in die Enge getrieben fühle, seine Beute oder seinen Nachwuchs verteidigen wolle, könne es auch zu Angriffen auf Menschen kommen.
Wie soll man sich verhalten, wenn man plötzlich im Wald auf einen Wolf trifft? "Stehenbleiben, das Tier laut ansprechen und Geräusche machen. Auf keinem Fall weglaufen. Das stärkt seinen Beutetrieb", rät ein Wolfsexperte.
Hundehalter sollten ihre Vierbeiner in Wäldern aber besser an der Leine führen. Die Wölfe haben nämlich kein Problem damit, ihre Verwandten anzugreifen und zu töten. Es sei denn, bei den Hunden handelt es sich um "Italiensiche Hirtenhunde". Sie sind von der Statur her imposanter und kräftiger als ein Wolf und halten Isegrimm dadurch auf Distanz.

Autor:

Thomas Lipinski aus Winsen

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