Aus dem Kreistag
Im Landkreis Harburg löst die Gelbe Tonne zum 1. Januar 2023 den Gelben Sack ab

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(ts). Nach fünf Jahren dauernder politischer Diskussion hat der Kreistag in dieser Woche beschlossen, ein neues Sammelsystem für Verkaufsverpackungen einzuführen: Zum 1. Januar 2023 wird die Gelbe Tonne die Gelben Säcke ablösen. Die Entscheidung fasste der Kreistag mit Mehrheit. Auch die Gelbe Tonne ist nicht unumstritten.

Eigentlich sollte der Beschluss des Kreistags für die Gelbe Tonne reine Formsache sein, nachdem der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz des Kreistags dieses Sammelsystem empfohlen hatte. Aber 20 Minuten vor Sitzungsende beantragte die CDU-Fraktion eine Sitzungsunterbrechung und zog sich in ihr Fraktionszimmer zurück. Auch einzelne CDU-Kreistagsmitglieder hatten Bedenken gegen die Gelbe Tonne. Am Ende fand sich eine Mehrheit - aber die Gelbe Tonne hat auch zahlreiche Kritiker.

Kritiker halten die Wertstofftonne für die bessere Lösung

Sprecher und Sprecherinnen von SPD und Grünen halten die Wertstofftonne für die bessere und fortschrittlichere Lösung. In einer Wertstofftonne dürfen zusätzlich zu Verkaufsverpackungen aus Plastik auch sogenannte stoffgleiche Nichtverpackungen (zum Beispiel Pfannen, Spielzeug oder Werkzeuge) entsorgt werden. Lediglich acht Euro mehr pro Haushalt und Jahr würde die Wertstofftonne kosten, argumentiert Volkmar Block (Die Grünen). "Wenn man weltweit schaut, wird die Wertstofftonne empfohlen", sagt Elisabeth Bischoff (Die Grünen).

In einer Online-Umfrage des Landkreises Harburg hatten sich 44,3 Prozent von insgesamt 10.611 Teilnehmern für die Gelbe Tonne ausgesprochen, 30,9 Prozent für die Wertstofftonne. Tobias Handtke (SPD) appellierte vor der Abstimmung an den Kreistag, die Entscheidung über Gelbe Tonne oder Wertstofftonne in eine nächste Kreistagssitzung zu verschieben - was ihre Einführung um mehrere Jahre verschoben hätte. Die SPD hatte Zweifel, ob die Online-Umfrage repräsentativ für die Bevölkerung des Landkreises sei. Es seien neue Fragen entstanden, die mit der Bevölkerung zu diskutieren seien. "Aus Respekt vor der Umfrage sollten wir die Entscheidung verschieben", forderte Tobias Handtke - am Ende vergeblich.

Fünf Jahre Diskussion seien genug, sagt dagegen Arno Reglitzky (FDP). Er sieht einen Fortschritt in der Gelben Tonne. "Das ist jetzt der große Schritt vom Sack zur Tonne!"
Bürger und Einzelhändler hatten sich in den vergangenen Jahren immer wieder über Probleme mit den Gelben Säcken beklagt: An Verteilerstellen seien die Säcke vergriffen gewesen. Aufgeschlitzt oder aufgeplatzt hätten Säcke am Straßenrand gelegen, Joghurtbecher und anderer Verpackungsabfall den Fußweg verschmutzt.

Größeren Mehrfamilienhäusern im Landkreis Harburg stehen bereits heute Gelbe Tonnen in Form von 1.100-Liter-Sammelbehältern zur Verfügung. Die große Mehrheit der anderen Haushalte wird ab dem 1. Januar 2023 Verkaufsverpackungen in Gelben Tonnen sammeln. Wann die Haushalte im Landkreis Harburg die zusätzliche Tonne erhalten, sei Angelegenheit der Dualen Systeme, sagte Kreissprecher Andres Wulfes dem WOCHENBLATT. Vermutlich dürfte die Auslieferung im Dezember 2022 sein. Eine Gebühr für die Tonne fällt nicht an. Die Kosten für Sammlung und Verwertung der Verkaufsverpackungen tragen die Betreiber der Dualen Systeme. Kunden im Einzelhandel zahlen bereits beim Einkauf über den Produktpreis die Verpackungsentsorgung. 

Weitere Beschlüsse des Kreistags:
 
Autobahnanschlussstelle in Stelle prüfen
Die Verwaltung des Landkreises Harburg soll versuchen, in Gesprächen die Autobahn GmbH davon zu überzeugen, eine A39-Anschlussstelle auf dem Gebiet der Gemeinde Stelle nahe dem geplanten Aldi-Zentrallager zu prüfen. Diesen Auftrag hat der Kreistag mit großer Mehrheit erteilt. Bisher fühle sich die Autobahn GmbH nicht zuständig, berichtete Landrat Rainer Rempe. Er wolle diese Antwort nicht akzeptieren und werde auf die Autobahn GmbH einwirken. Vorgesehen ist bisher lediglich der Umbau der Anschlussstelle in Maschen.
Landkreis verlängert Förderung für Elbmobil
Der Landkreis Harburg hält am öffentlichen Mobilitätsangebot „On-Demand-Shuttles" (Elbmobil) fest. Der Kreistag hat beschlossen, das Projekt im Jahr 2023 mit der Option auf ein zusätzliches Jahr fortzuführen. Das Elbmobil (fünf barrierefreie Kleinbusse mit bis zu acht Sitzplätzen) verkehrt in der Elbmarsch und erreicht Winsen. 670.000 Euro im Jahr kostet der Betrieb. Ein "teures Projekt", hieß es im Kreistag. Dennoch soll das Mobilitätsangebot weiter gefördert werden. "Die Zahlen werden besser", sagte Claus Eckermann (SPD).

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Verpackungsabfälle quellen aus dem Gelben Sack auf den Gehweg (das Foto entstand in Maschen). Mit der Einführung der Gelben Tonne soll es solche Bilder nicht mehr geben
Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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