Pflegekammer Niedersachsen
"Pflegefachkräfte besser schützen"

(bim/nw). "Fehlende Schutzausrüstung und inakzeptable Quarantäneregelungen für medizinisches Personal gefährden die Menschen in Pflegeheimen, ambulanten Pflegediensten und Krankenhäusern. Auf das spezielle Wissen von Pflegefachpersonen wurde in den Krisenstäben auf Kommunal- und Landesebene bisher zu lange verzichtet", kritisiert die Pflegekammer Niedersachsen.
Die Meldungen über steigende Zahlen von Corona-Fällen in Alten- und Pflegeheimen überschlagen sich. Inzwischen sind in Altenheimen mehr als 50 Menschen gestorben, Niedersachsen hat einen Aufnahmestopp verhängt.
„Die Pflegekammer Niedersachsen fordert, Pflegende regelmäßig auf eine Corona-Infektion zu testen“, sagt Kammerpräsidentin Nadya Klarmann. „Die Abschottung von Alten- und Pflegeheimen für Besucher bringt nichts, wenn infizierte Pflegende die Viren mit ins Haus bringen“, so Klarmann.
Die Pflegekammer kritisiert außerdem, dass die Quarantäneregeln für medizinisches Personal durch das Robert Koch-Institut (RKI) gelockert worden sind. So kann die Quarantänezeit für medizinisches Personal nach einem ungeschützten Kontakt mit einem COVID-19-Patienten von 14 auf sieben Tage verkürzt werden, wenn keine Symptome auftreten. „Das ist eine hochriskante Regelung, die Gesundheit und Leben von Menschen gefährdet, da eine Erkrankung mit COVID-19 zum Teil symptomlos verlaufen kann“, betont Klarmann.
Verschärfend wirke sich der gravierende Mangel an Schutzmaterialien aus. „Feuerwehrleute gehen nicht ohne Schutzausrüstung ins Feuer, die Polizei trägt Helm und Körperschutz, aber von Pflegenden wird verlangt, dass sie sich der unsichtbaren Gefahr ohne Schutzmaske und Schutzkittel stellen sollen“, so Klarmann. Auch die Empfehlungen des RKI, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, nützten nichts, wenn keine Schutzmasken mehr erhältlich sind.
„Bund und Länder müssen endlich ihrer Verantwortung gerecht werden, auch Pflegefachpersonen wirklich zu unterstützen“, sagt Nora Wehrstedt, stellvertretende Kammerpräsidentin und Pflegefachperson. Es gebe in Deutschland 3,4 Millionen Pflegebedürftige. Dabei handele es sich durchweg um Risikopatienten, für die eine COVID-19-Infektion lebensbedrohlich sein kann. Wehrstedt fordert daher: „Die Pflege gehört genauso in die kommunalen Krisenstäbe wie Ärzte oder der Katastrophenschutz.“ Die Expertise der Pflegefachpersonen müsse genauso gehört werden wie die von Virologen, Ärzten und Rettungskräften. Das werde insbesondere angesichts der steigenden Fallzahlen in Pflegeheimen immer deutlicher.
„Spätestens jetzt wird deutlich, dass die Berufsgruppe der Pflegenden eine Schlüsselposition in der Gesellschaft einnimmt. Wenn nicht umgehend gehandelt wird, werden nach der Krise tausende weitere Personen aus der Pflege aussteigen, weil sie sich als Menschen zweiter Klasse fühlen“, warnt Wehrstedt. Deshalb müssen nach Ansicht der Pflegekammer Niedersachsen Pflegefachpersonen in dieser Zeit ganz besonders gefördert werden. So schließt sich die Pflegekammer u.a. einer Forderung der Gewerkschaft ver.di an, systemrelevanten Berufsgruppen in der gegenwärtigen Situation 500 Euro pro Monat als steuerfreien Zuschlag zu gewähren.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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