Gastronomen aus den Landkreisen Harburg und Stade über möglichen Personalmangel
Die Lockerungen kamen zu spät und zu plötzlich

Nach den plötzlichen Lockerungen in der Gastronomie, haben viele Gastronomen Schwierigkeiten, Personal zu bekommen
  • Nach den plötzlichen Lockerungen in der Gastronomie, haben viele Gastronomen Schwierigkeiten, Personal zu bekommen
  • Foto: Mewa
  • hochgeladen von Svenja Adamski

(sv). Die Cafés sind voll, in Biergärten und Gaststätten wird wieder geschlemmt. Nach dem Lockdown dürfen Restaurants endlich wieder Gäste empfangen - doch jetzt droht der Gastronomie das nächste Problem: Der schon seit Jahren wachsende Fachkräftemangel in der Gastronomie hat sich durch die Corona-Pandemie und die Lockdowns noch weiter verschlimmert. Es habe nach den Lockdowns einfach viel zu lange gedauert, bis die Gastronomie wieder öffnen durfte, sagt Thomas Cordes, Inhaber vom Hotel Cordes und erster Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Niedersachsen (DEHOGA). So lag der Umsatzverlust im deutschen Gastgewerbe in den Monaten März bis Dezember 2020 laut Berechnungen des DEHOGA bei 35,2 Milliarden Euro. Eine gewaltige Summe, gegen die auch die Corona-Nothilfen wenig ausrichten konnten. So hätten laut Thomas Cordes im Hotel Cordes die Hilfen bei Weitem nicht ausgereicht, um die Personalkosten zu decken.

Hotel Cordes, Sottorf, Landkreis Harburg

"Das Personal wandert jetzt in die Supermärkte, in Büros oder an den Empfangstresen ab. Sie sind alle gut belastbar und die Arbeitszeiten der Gastronomie gewohnt. Wir dagegen bekommen keine neuen Leute mehr, die bereit sind, auch am Wochenende zu arbeiten. Alle möchten am Samstag und Sonntag freihaben. Wenn das so weitergeht, können wir am Wochenende bald nur noch bei McDonalds essen", sagt Thomas Cordes. Dabei habe man sich im Hotel Cordes schon so organisiert, dass die Köche nur noch an zwei Wochenenden im Monat arbeiten müssen.
"Während der Pandemie habe ich unsere Mitarbeiter trotz der Schließung mindestens einmal die Woche kommen lassen, damit man sich nicht aus den Augen verliert", sagt Thomas Cordes. "Wir haben die Küche weiterlaufen lassen und abends ein Außer-Haus-Geschäft angeboten. Wirtschaftlich hat sich das natürlich überhaupt nicht gelohnt. Aber man darf ja nicht den Anschluss verlieren."

Undeloher Hof, Undeloh, Landkreis Harburg

Auch Heike Brunkhorst, Geschäftsführerin vom Undeloher Hof, hat zu Ostern und im Mai dieses Jahres außer Haus verkauft. "Wirtschaftlich gesehen war das ein Witz", sagt sie. "Aber so konnten wir immerhin zeigen, dass wir noch leben, und unser Personal beschäftigen."
Seit vergangenem Jahr hat der Undeloher Hof zwei Mitarbeiterinnen verloren. Eine Rentnerin auf Minijob-Basis habe sich während der schwierigen Lage endgültig zur Ruhe gesetzt, eine Festangestellte sei in die Pflege abgewandert. "Nach monatelangem Lohn in der Höhe vom Arbeitslosengeld geht denen die Puste aus", sagt Heike Brunkhorst. "Und nach über einem halben Jahr im Homeoffice, in dem die Kinder zuhause betreut werden mussten, müssen sich viele bei uns erstmal wieder an eine ganze Arbeitswoche gewöhnen. Während des Lockdowns konnten sie immerhin zwei halbe Tage in der Woche zur Arbeit kommen und sich etwas dazuverdienen, seit Juni haben wir nun endlich niemanden mehr in Kurzarbeit. Aber die 100 Prozent Einbußen aus den ersten vier Monaten Lockdown, das holt man nicht wieder auf."

Ringhotel Sellhorn, Hanstedt, Landkreis Harburg

Nele Landschof, Geschäftsführerin vom Ringhotel Sellhorn, musste während der Pandemie zwar keine Abwanderungen in andere Branchen beklagen, doch auch sie musste ihre Festangestellten in Kurzarbeit schicken. "So konnten wir zumindest unsere Auszubildenden zur Einarbeitung und zur Versorgung der Geschäftsreisenden dabehalten. Aber der Nachholeffekt, den andere Branchen vielleicht noch ausnutzen können, trifft nicht auf uns zu. Für uns heißt es jetzt Hacken zusammenschlagen und da durch."

Fährhaus Kirschenland, Jork, Landkreis Stade

Stellvertretender Geschäftsführer Sebastian Schmidt sieht das Problem eher bei den Aushilfskräften: "Unsere Fachkräfte konnten wir mit teils sogar aufgestocktem Kurzarbeitergeld auffangen. Aber unsere Aushilfen, also die Spüler, Läufer und Küchenhilfen, die oft nur für ein paar Stunden reinkommen, fielen durch dieses Raster. Da gab es eine extreme Abwanderung, vor allem in den Einzelhandel. Viele haben sich auch als Sicherheitskräfte für die Einlasskontrollen an Super- und Baumärkten ausbilden lassen."
Das Fährhaus Kirschenland wird die Saison Anfang August beginnen, dann wird auch für Sebastian Schmidt das Personalproblem akut. Es mangle einfach an Bewerbern und Zeit. "Die Lockerungen der Bundesregierung kamen sehr plötzlich", sagt Sebastian Schmidt. "Da ist es einfach schwierig, das Personal schnell zu reaktivieren."

Mister Vu, Stade, Landkreis Stade

Anders sieht die Situation im Asiarestaurant Mister Vu aus: Hier musste keinen einzigen Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden. "Wir konnten einen Lieferservice einrichten", erklärt der stellvertretende Geschäftsführer Kevin Marx. "Wir starten ab Anfang Juli wieder in den normalen Betrieb. Sogar mit zwei neuen Mitarbeitern."

Autor:

Svenja Adamski aus Buchholz

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