Erntebilanz
Zwischen „blauem Auge“ und Katastrophe

Die diesjährige Erntebilanz fällt in Niedersachsen durchwachsen aus
  • Die diesjährige Erntebilanz fällt in Niedersachsen durchwachsen aus
  • Foto: Walter Hollweg / LWK Niedersachsen
  • hochgeladen von Bianca Marquardt

(bim/nw). Für die Landwirtschaft in Niedersachsen ist 2019 das dritte schwierige Erntejahr. Nach dem extrem nassen Jahr 2017 und der Dürre 2018 hatten die landwirtschaftlichen Unternehmen erneut mit einer langanhaltenden Trockenheit zu kämpfen. „Die Auswirkungen auf die Erträge waren regional sehr unterschiedlich“, sagte jetzt Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer.
Ursache der großen Differenzen war die regional sehr unterschiedliche Niederschlagsverteilung und das unterschiedliche Wasserspeichervermögen der Ackerböden. Auf guten Standorten, die Regen abbekommen hatten, seien teilweise gute Erträge erzielt worden. Dramatisch sah es dagegen auf sehr leichten Böden in Regionen mit geringem Niederschlag aus. Hier konnten nur schlechte Erträge eingefahren werden. „Viele Betriebe sind wohl mit einem blauen Auge davongekommen“, resümierte der Kammerpräsident, „andere wiederum haben eine miserable Ernte zu verbuchen.“
Beregnungsbetriebe hätten trockenheitsbedingte Ertragseinbußen technisch abmildern können. Aber: "Wasser steht nicht unbegrenzt zur Verfügung“, so Schwetje. Und: Ein Millimeter Regen aus der Düse koste etwa 3 bis 5 Euro je Hektar. Und auch Betriebsmittel wie Dünger, Pflanzenschutzmittel und Energie seien teurer geworden. „Wir haben beim Wasser in Zukunft in erster Linie ein Verteilungsproblem und kein Mengenproblem“, so Schwetje. Das ließe sich mit einem entsprechenden Wassermanagement in den Griff bekommen.
Die Situation der Milchviehbetriebe sei angespannt: „Nimmt man Grünland und Mais zusammen, dann waren in Niedersachsen rund eine Million Hektar Futterfläche von der Trockenheit betroffen.“ Die Futtersituation sei angespannt, denn Restbestände aus dem Vorjahr gebe es kaum, und die Grassilagen dieses Frühjahres seien bereits verfüttert worden oder würden aktuell verfüttert. Viele Betriebe kauften Futter zu, streckten die Futterrationen zum Beispiel mit Stroh oder verkleinerten ihre Bestände.
Die Kulturen im Einzelnen:
Getreide: Dessen Ernte fiel mit gut sechs Millionen Tonnen um etwa 28 Prozent höher aus als im ertragsschwachen Vorjahr. Diese Steigerung liegt auch an der um sechs Prozent größeren Anbaufläche von 828.500 Hektar (ha).
Raps: Die Anbaufläche ist mit 75.500 ha um fast 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr eingebrochen. Im Vergleich zu 2014 beträgt der Flächenrückgang nun schon 40 Prozent.
Kartoffeln: Mit Beregnung sei eine durchschnittliche Ernte zu erwarten. Die Anbaufläche hat 2019 um 8,4 Prozent zugelegt und beträgt in Niedersachsen dieses Jahr rund 123.500 ha. Für Niedersachsen werden etwa 4,8 Mio. Tonnen prognostiziert.
Zuckerrüben: Auch hier gibt es viele Flächen, die trockenheitsbedingt nur sehr niedrige Erträge bringen. Die Anbaufläche 2019 bewegt sich mit gut 101.000 ha leicht (- 4 Prozent) unter dem Niveau des Vorjahres (105.371 ha).
Mais: Davon werden in Niedersachsen rund 600.000 ha angebaut, von denen gut zehn Prozent als Körnermais geplant waren. Etwa 320.000 ha Silomais wurden für die Rinderfütterung und rund 220.000 ha für die energetische Nutzung in Biogasanlagen angebaut. Im Durchschnitt wird mit etwa 20 bis 40 Prozent Ertragsausfall gerechnet.
Grünland: Das Grünland mit rund 700.000 ha erlebte ein ganz schwieriges Jahr. Zur Trockenheit kam Mitte des Jahres eine Mäuseplage. Beides führe dazu, dass nach einem vielerorts passablen ersten Aufwuchs die übrige Ernte schlechte bis katastrophale Erträge brachte.
Auch im Öko-Landbau (2.000 von 36.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen) sei bei Getreide, Zuckerrüben und Mais mit schwankenden Erträgen zu rechnen.

Autor:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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