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"Winsens begnadeter Sohn"

Erich Brüggemann (li.) mit André Wiese beim Eintrag in das Goldene Buch der Stadt (Foto: thl)

Weltbekannter Künstler Erich Brüggemann trug sich in das Goldene Buch der Stadt ein

thl. Winsen. Große Ehre für Erich Brüggemann: Anlässlich seines 90. Geburtstages durfte sich der bekannte Holzbildhauer, Restaurator, Maler, Zeichner und Buchautor im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Marstall als "Sohn der Stadt Winsen" in das Goldene Buch eintragen.
"Sie sind ein äußerst vielseitiger erfolgreicher Künstler, der mit vielen bedeutenden Preisen ausgezeichnet wurde", lobte Bürgermeister André Wiese Brüggemann in seiner Laudatio. "Ihre exzellenten Exponate waren in zahlreichen Kunstausstellungen weltweit zu sehen, u.a. auch in New York und in Tokio."
Brüggemann stammt aus einfachen Verhältnissen - seine Eltern waren Landarbeiter - und begann seine Karriere eher ungewollt als Fünfjähriger. Damals lag er mit Scharlach auf der Isolierstation des Krankenhauses. Da ihn niemand besuchen durfte, ließ ihn seine Mutter Zeichenblock und Buntstifte zukommen. "Seitdem zeichneten und malten Sie", so Wiese. Bereits mit zwölf Jahren bekam Erich Brüggemann erste Auftragsarbeiten von Nachbarn. Es folgte eine Ausbildung beim Winsener Kunsttischler Karl Schlumbohm.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, bei dem Brüggemann als 16-Jähriger an der Front verletzt wurde, studierte er Kunst in Wetzlar und München und kam schließlich bestens ausgebildet zurück nach Winsen. Dort arbeitete er zunächst hauptsächlich als Restaurator für Kircheninventar. Dabei schuf er Kunstwerke für insgesamt 65 Kirchengemeinden in ganz Norddeutschland.
Danach habe sich Brüggemann auf Intarsien-Arbeiten spezialisiert, so Wiese weiter. Diese hätten in der Winsener Elbmarsch eine lange Tradition. "Das war Ihre Wandlung vom begnadeten Restaurator zum schöpferischen Holzbildhauer." Die Fachwelt bescheinige Brüggemann, dass er durch neue, eigene Ornamente künstlerische Maßstäbe gesetzt und der Intarsie zu einer Renaissance verholfen habe.
Auch um den Nachwuchs habe sich Erich Brüggemann immer gekümmert. Zwölf junge Tischler wurden von ihm ausgebildet. Zudem besuchten Tischlermeister aus ganz Deutschand seine Kurse an der Akademie des Handwerks.
"Auch in Winsen und Umgebung haben Sie Ihre künstlerischen Spuren hinterlassen", sagte Wiese und nannte als Beispiele die Einrichtung und das Deckengemäle in der Bibliothek im Kiekeberg-Museum, den Evangelisten Johannes in der Winsener St. Marien-Kirche und die Bronze-Büste in der Eckermann-Ausstellung im Marstall.
Von 1962 an wohnte Erich Brüggemann am Stöckter Deich. Im Juli 2012 brannte das Gebäude nach einem Blitzeinschlag bis auf die Grundmauern nieder. Seitdem wohnt er zusammen mit seiner Frau in der Bahnhofstraße, wo er sich eine kleine Werkstatt eingerichtet hat. "Da gehe ich jeden Morgen hinein und sehe mir an, was ich falsch gemacht habe und wo ich noch etwas verbessern kann. Denn man bleibt in der Kunst immer Lehrling", so Erich Brüggemann in seiner Dankesrede.