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Eine Welt ohne Abfall

Diskutierten auf Einladung von Svenja Stadler (r.) in der Johann-Peter-Eckermann-Realschule in Winsen (v. l.): Prof. Dr. Michael Braungart, Carsten Träger und Muriel Herrmann (Foto: Büro Stadler)
"Müll vermeiden statt wegwerfen": Podiumsdiskussion in Winsen

as. Winsen. Eine Welt ohne Müll ist möglich, davon ist Prof. Dr. Michael Braungart überzeugt. Braungart ist Entwickler des Cradle to Cradle-Konzeptes, einer umfassenden Kreislaufwirtschaft, und vertrat seine Idee jetzt auf der Diskussionsveranstaltung "Müll vermeiden statt wegwerfen", in der Johann-Peter-Eckermann-Realschule in Winsen. Auf Einladung der SPD-Bundestagsabgeordneten Svenja Stadler diskutierte Braungart mit Carsten Träger, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, und Muriel Herrmann, Jugendbildungsreferentin von JANUN e.V., über Auswege aus der Wegwerfgesellschaft. „Wir müssen von Anfang an Produkte so konzipieren, dass sie komplett abbaubar in die Biosphäre gelangen können“, warb Braungart für Cradle to Cradle. Das gelte zum Beispiel für Schuhsohlen, Bremsbeläge oder Nylonstrümpfe. „Es geht nicht um Abfallvermeidung, sondern um Öko-Effektivität.“
Carsten Träger konnte dem Konzept viel abgewinnen, machte aber klar, dass es einer starken politischen Meinungs- und Mehrheitsbildung bedarf, um ein solches System wirtschaftlich und gesellschaftlich durchzusetzen. Auf der politischen Ebene sei schon viel getan worden. „Kommendes Jahr tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft, mit dem die Recycling-Quoten weiter erhöht werden“, so Träger. „Es ist nicht alles schlecht, aber es dauert halt.“
Muriel Herrmann fand die Grundidee von Braungarts Lösungsvorschlag gut, war aber auch skeptisch. „Ich befürchte, dass dazu im Endeffekt ein zu großes Regelwerk nötig wird. Wichtig bleibt, dass wir das Ziel – weniger Müll – nicht aus den Augen verlieren.“
Dass sich das Denken erst einmal ändern muss, das sieht auch Michael Braungart: „Wir sollten bestimmte Produkte als Dienstleitung ansehen. Der Hersteller verkauft nicht mehr ein Gerät, sondern die Nutzung inklusive Wartung und Reparatur.“ Man kaufe also zum Beispiel 3.000 Waschmaschinengänge. „Das zwingt die Hersteller zu besserer Qualität und längerer Haltbarkeit der Ware.“
Im Publikum stießen diese Lösungsvorschläge auf viel Beifall. Unterdessen blieb die Skepsis, dass sich da zeitnah etwas tun würde. Es fehle am Willen, einen gewaltigen Strukturwandel zu vollziehen, und an der Durchsetzungskraft der Entscheidungsträger, so der Tenor. „Politik wird das nicht alleine gestalten können. Die Industrie muss mitspielen“, konstatierte Svenja Stadler. Carsten Träger kündigte an, die Cradle to Cradle-Idee in seinen Ressorts im Bundestag diskutieren zu lassen.