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Sinkende Ernteerträge - höhere Brotpreise?!

Noch bleiben die Brotpreise stabil: Bäckermeister und Bäckerei-Juniorchef Max Soetebier im vom Vater geführten Unternehmen Foto: ce
 
Auf einem abgeernteten Weizenfeld: Landwirt Jan Benecke (li.) und der von ihm belieferte Bäckermeister Frank Soetebier

Wie Landwirte und von ihnen versorgte Bäcker mit den Folgen der Hitzewelle umgehen

ce. Winsen. Die rekordverdächtige Hitze macht vielen Landwirten einen Strich durch die Ernte - und auch von den Bauern abhängigen Bäckereien das Leben schwer. "Wir bewirtschaften elf Hektar Weizenland und haben dort normalerweise eine Ernte von 70 Tonnen. Diesmal werden es durch die Dürre nur etwa 25 Tonnen sein", sagt Jan Benecke, Landwirt aus dem Winsener Ortsteil Scharmbeck. Die Defizite infolge des Ernteausfalls könnten derzeit noch aufgefangen werden. Landwirte und Bäcker warnen aber davor, dass langfristig eine Erhöhung der Brot- und Brötchenpreise nicht ausgeschlossen werden kann.
Jan Benecke ist einer von vier Bauern aus der Region, die die Bäckerei Soetebier im Winsener Ortsteil Scharmbeck mit ungespritztem und ungedüngtem Weizen aus naturbelassenem Anbau beliefern. Auch bei den übrigen Zulieferern bleibt die Ernte weit hinter den Erwartungen zurück. Wir brauchen rund 500 Tonnen Weizenmehl pro Jahr für die Herstellung unserer Backwaren. Um auch 2018 auf diese Menge zu kommen, müssen wir wahrscheinlich im Winter handelsübliches Getreide dazukaufen, das eigentlich nicht unseren Nachhaltigkeitsanforderungen entspricht", erklärt Bäckermeister Frank Soetebier, der das Familienunternehmen in vierter Generation leitet. "Die Backwaren werden dadurch qualitativ nicht leiden, aber bei unserer Qualitätsphilosophie der ehrlichen Backwaren müssen wir hier Kompromisse eingehen", so Soetebier.
Durch den Getreidekauf und Ernteausfall entstehende Mehrkosten sollten möglichst nicht durch höhere Brot- und Brötchenpreise an den Verbraucher weitergegeben werden. Sonst würden beispielsweise für ein Brötchen künftig 43 statt 38 Cent verlangt werden. "Das wollen und werden wir unseren Kunden nicht zumuten", sagt Frank Soetebier. "Noch können unsere Landwirte die Defizite beim Weizen mit Einnahmen aus anderen Getreiden oder zusätzlichen Standbeinen wettmachen. Sollte dieser Ausgleich nicht mehr möglich sein, wird eine Preiserhöhung an der Ladentheke unumgänglich sein."

Landwirt fordert Flexibilität statt Ernte-Entschädigung

Mit mehr als einer Millarde Euro an Ernteeinbußen und Verlusten aufgrund der andauernden Trockenheit rechnen laut Medienberichten in diesem Jahr die Landwirte in Niedersachsen. "Hier ist die Politik mit schnellen und direkten Hilfen gefordert", setzt Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke auf umgehende finanzielle Unterstützung aus Hannover und Berlin. Als Entlastung fordert das Landvolk unter anderem eine vollständige Auszahlung der EU-Zahlungen bereits zum 1. Dezember, statt wie bisher in Teilzahlungen zwischen dem Jahreswechsel und Februar oder März des Folgejahres.
"Die Landwirte sollten das Ernterisiko möglichst selbst tragen und nicht immer gleich nach öffentlichen Geldern rufen", ist Landwirt Jan Benecke aus dem Winsener Ortsteil Scharmbeck überzeugt. "Hohe Entschädigungssummen für die betroffenen Bauern brächten ihnen womöglich kurzfristig eine Entlastung, müssten aber ja auch irgendwann zurückgezahlt werden", gibt er zu bedenken. Das Defizit, das er in diesem Jahr bei der Weizenernte "eingefahren" hat, kann Benecke durch seine hofeigene Milchtankstelle, Eierverkauf und weitere "Standbeine" auffangen. Bäckermeister Frank Soetebier, der unter anderem von Jan Benecke mit Weizen beliefert wird, ist beeindruckt von dessen Flexibilität. "Wer heute nicht in einen wirtschaftlichen Engpass oder gar in die roten Zahlen geraten will, muss auch über das eigene Geschäftskonzept nachdenken und sich gegebenenfalls breiter aufstellen", erklärt Soetebier. "Da ist Eigeninitiative gefordert."

Durchwachsene Lage bei den Obstbauern im Alten Land

Durchwachsen ist die Erntelage bei den Obstbauern im Alten Land. "Die Ernte bei Kirschen, Pflaumen und Zwetschen lief in diesem Jahr gut", berichtet Dr. Karsten Klopp, Leiter des Esteburg-Obstbauzentrums in Jork. "Die Apfelernte, die etwa 90 Prozent des Obstanbaus im Alten Land ausmacht, hat noch nicht begonnen. Sie könnte aber problematisch werden. Gründe sind der fehlende Regen und das absehbare dürrebedingte Ausbleiben des Süßwassers aus dem Elbe-Oberlauf, das für das Gedeihen der Äpfel so wichtig ist", so Klopp. Wenn die Trockenheit weiter andauere, seien in der Region auch bei den Früchten geringere Erträge zu erwarten. Karsten Klopp: "Wir hoffen sehr auf einen schnellen Wetterumschwung!"