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Undeloh in der Kritik: „Jeder Ort ist jetzt geeignet“

NDR, Welt und „taz“: Seit das WOCHENBLATT als erstes über die Gemeinderatssitzung in Undeloh berichtet hat, greifen immer mehr Medien das Thema auf
 
Einige Bürger aus Undeloh verfolgten die Diskussion im Sozialausschuss

Jetzt zeigt auch die Kreispolitik dem Undeloher Gemeinderat die rote Karte. Die Mitglieder des Sozialausschusses verurteilten die ausländerfeindlichen Äußerungen während einer Undeloher Gemeinderatssitzung auf schärfste.

(mum). Die kleine Gemeinde Undeloh kommt nicht zur Ruhe. Nachdem bereits zahlreiche Zeitungen, Radio- und Fernsehsender kritisch über eine Gemeinderatssitzung berichtet haben, in der ausländerfeindliche Aussagen fielen, gingen auch die Mitglieder des Landkreis-Sozialausschusses während ihrer Sitzung am Donnerstag mit den Undelohern hart ins Gericht.
„Ich bin erschüttert, was in Undeloh vorgefallen ist“, so Dr. Erhard Schäfer (Bündnis 90/Die Grünen). „Ich erwarte von den Undeloher Ratsmitgliedern, dass sie ausländerfeindliche Parolen unterbinden und diejenigen des Raumes verweisen, die solche aussprechen.“ Am meisten sei er darüber verwundert, dass auch Tage später niemand einsehe, dass dort ein Fehler gemacht worden ist.
Zuvor hatte Reiner Kaminski, Fachbereichsleiter Soziales beim Landkreis Harburg, den Ausschuss-Mitgliedern den Ablauf der Versammlung geschildert und den WOCHENBLATT-Bericht bestätigt. Äußerungen wie „Unsere Gäste wollen hier entspannen und nicht Dunkelhäutige oder Frauen mit Kopftuch sehen“ und „Wer schützt unsere Frauen und Kinder vor den Asylanten“ hatte Undelohs Bürgermeister Albert Homann nicht unterbunden. Stattdessen stimmte der Rat der Nutzungsänderung einer ehemaligen Pension in eine Asylbewerber-Unterkunft nicht zu.
Um ein Zeichen zu setzen hat der Sozialausschuss jetzt einstimmig einen Antrag auf den Weg gebracht. Alle Gemeinden werden aufgefordert den Landkreis dabei zu unterstützen, Unterkünfte für Asylbewerber zu finden. „Wir haben nicht nur die gesetzliche, sondern auch die moralische Verpflichtung, Flüchtlingen zu helfen“, so Dr. Jens-Rainer Ahrens (SPD). Auch er sei schockiert über die Vorkommnisse in Undeloh. „In dieser Notsituation ist jeder Ort geeignet.“
Wie dringend erforderlich der Landkreis auf die Unterstützung der Gemeinden angewiesen ist, zeigt die Tatsache, dass noch immer Unterkünfte für mindestens 300 Asylbewerber fehlen. Dies bestätigte Monika von der Heide, Leiterin der Abteilung Soziale Leistungen beim Landkreis Harburg. Derzeit wohnen im Landkreis Harburg 397 Asylbewerber. „Wir gehen davon aus, dass mindesten noch 400 Flüchtlinge dazu kommen“, so von der Heide. Wahrscheinlich sei sogar, dass es noch mehr werden.
Und wie geht es mit Undeloh weiter? Die Sozialausschuss-Mitglieder forderten Kaminski auf, Undeloh als Standort für eine Asylbewerber-Unterkunft weiter in Betracht zu ziehen - für 29 Flüchtlinge. „Wenn die Infrastruktur für zwölf Asylbewerber geschaffen wird, dann können dort auch 29 Personen betreut werden“, hieß es im Ausschuss.

„Ich schäme mich für mein Dorf“


Seit WOCHENBLATT-Redakteur Sascha Mummenhoff vor zwei Wochen zum ersten Mal über die ausländerfeindliche Atmosphäre während der Gemeinderatssitzung berichtet hat, erreichen die Redaktion täglich Briefe und E-Mails. Die meisten Leser verurteilen die Vorkommnisse in dem kleinen Heidedorf. Selbst Undeloher sind entsetzt und schreiben: „Ich schäme mich für mein Heimatdorf!“
Aber es gibt auch Reaktionen wie diese: „Jeder, der Asylanten nach Undeloh schicken will, soll doch in seiner eigenen Wohnung Platz schaffen und selbst ein paar Schwarze aufnehmen.“ Leider sind E-Mails mit ausländerfeindlichen Positionen keine Seltenheit.

Lesen Sie hier den 1. Artikel zu diesem Thema:
Wer schützt unsere Frauen

oder die Fortsetzung
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