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Nach Unglück mit zwei Toten: Wie gefährlich ist die Elbe?

Baden auf eigenen Gefahr - das gilt an allen Elbstränden im Landkreis Stade (Foto: at)

tk. Landkreis. Zwei Angler (25 und 29) sind am Sonntag in der Elbe ertrunken. Der Fluss gilt in Deutschland nach dem Rhein als zweitgefährlichster Strom, der immer wieder Menschenleben fordert. 2013 sind in der Elbe auf deutscher Seite 15 Menschen ertrunken. Beim Bergen der beiden Toten am Sonntag waren auch DLRG- und Feuerwehrkräfte aus dem Kreis Stade dabei.

Ist Baden in der Elbe nur etwas für Menschen, die den besonderen Nervenkitzel suchen? Das WOCHENBLATT hat bei Rainer Bohmbach nachgefragt. Der Polizeisprecher ist auch DLRG-Vorsitzender in Horneburg und stellvertretender DLRG-Bezirksleiter

"Die hohe Fließgeschwindigkeit der Elbe, verschiedene Strömungen und mitunter auch Strudel unter Wasser sind ein nicht zu unterschätzendes Risiko", sagt Rainer Bohmbach. Hinzu kommt; "Die Elbe ist verdammt kalt." Wer erhitzt ins Wasser springe, könne durchaus Herz- und Kreislaufprobleme bekommen.
Was besonders häufig Urlauber unterschätzen: Sog und Schwell. Die vorbeifahrenden Containerriesen saugen das Wasser weg, das mit Macht zurückfließt, wenn die Pötte vorbei sind.

"Beim Baden an der Elbe gilt: immer auf eigene Gefahr", erklärt Bohmbach. Empfehlenswerte Strände seien Bassenfleth, Krautsand und Lühe-Wisch. Es handele sich aber nicht um offizielle Badestellen. Die drei DLRG-Posten in Lühe-Wisch, Stader Sand und auf Krautsand seien zudem kein Garant dafür, dass nichts passieren könne.

Wassersportlern legt Bohmbach ans Herz: ""Grundsätzlich Rettungswesten tragen." Die beiden ertrunkenen Angler hatten die Lebensretter zum Überziehen nur an Bord, aber nicht angelegt.

Für die DLRG-Retter ein Problem: Seit einer Gesetzesänderung darf jeder ohne Sportbootführerschein etwa ein Schlauchboot mit 15 PS Außenbordmotor fahren. Das ist sogar auf der starken befahrenen Elbe erlaubt. "Dinge, die man beim Bootsführerschein lernt, sind durchaus sinnvolles Wissen", gibt Rainer Bohmbach zu bedenken.

• Martin Janssen, der DLRG-Sprecher für Deutschland, hat für das WOCHENBLATT die Zahl der Ertrunkenen in der Elbe recherchiert: Sei reichen von neun Toten im Jahr 2012 über 14 in 2009 bis hin zu 26 Opfern im Jahr 2006.
Diese hohe Zahl sei auf einen superheißen Sommer zurückzuführen, so Janssen. Der Zusammenhang zwischen Hitzewelle und Ertrinkungstoten ist drastisch: Zwischen 2007 und 2012 sei die Gesamtzahl der Ertrunkenen gefallen. Im Juli 2013 bei Tropenhitze seien in Deutschland 125 Menschen ertrunken. 67 Prozent mehr als in den Vorjahren.