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Geldklau unter Asylbewerbern

In den Asylbewerberheimen ist es kaum möglich, Geld sicher zu verwahren. Flüchtlinge sollen bestoh
jd. Stade. Vor einem Monat schaffte der Landkreis Stade die umstrittene Gutschein-Praxis ab. Kreisweit bekommen jetzt alle Asylbewerber ihre Sozialleistungen komplett in Bargeld ausgezahlt (das WOCHENBLATT berichtete). Bis zu 354 Euro monatlich stehen derzeit Flüchtlingen zu, die Asyl in Deutschland beantragt haben und sich in einem laufenden Verfahren befinden. Doch viele von ihnen sind offenbar gar nicht glücklich darüber, diese Summe mit einem Schlag in bar zu erhalten. In den Asylbewerberheimen soll es wiederholt zu Diebstählen gekommen sein.
Als Landrat Michael Roesberg ankündigte, dass ab Anfang Mai keine Warengutscheine mehr ausgegeben werden, war die Freude groß: Hiesige Flüchtlingsinitiativen begrüßten die überraschende Kehrtwende des Kreises in dieser Frage. Zuvor hatte es Roesberg unter Hinweis auf gesetzliche Vorgaben wiederholt abgelehnt, von Gutscheinen auf Bargeld umzustellen. Erst als die neue rot-grüne Landesregierung die niedersachsenweite Abschaffung des Gutschein-Systems ankündigte, schwenkte der Landrat um.
Nun stehen etliche Asylbewerber allerdings vor einem neuen Problem: Sie bangen um ihr Geld, das sie am Monatsende im Stader Kreishaus ausgezahlt bekommen. "Die Flüchtlinge können das Geld in ihren Unterkünften nicht sicher deponieren", berichtet Annette Fleischhauer. Die Ordensschwester der Steyler Mission engagiert sich im Harsefelder Arbeitskreis Asyl und kritisiert seit langem die Gruppenunterbringung in Wohnheimen. "Die Flüchtlinge leben mit bis zu vier Personen in einem Zimmer. Sie sind auf engstem Raum mit Menschen zusammen, die sich nicht kennen und von denen sie nicht wissen, ob sie ihnen vertrauen können."

Geld wird im Garten vergraben

Als Beispiel nennt Fleischhauer den Fall eines Flüchtlings von der Elfenbeinküste: "Der junge Mann wurde bestohlen, während er unter der Dusche stand." Nun vergrabe der Asylbewerber sein Geld auf einer Wiese in der Nähe der Unterkunft. Zuvor sei ihm die Eröffnung eines Kontos verwehrt worden, so die Ordensschwester.
Auf Nachfrage des WOCHENBLATT erklärten einige Geldinstitute im Landkreis jedoch, dass es auch für Asylbewerber grundsätzlich möglich sei, ein Girokonto auf Guthabenbasis einzurichten. "Bei den Sparkassen gibt es das sogenannte Bürgerkonto" erklärt Wolfgang von der Wehl, Sprecher der Sparkasse Stade - Altes Land. Dieses Konto könne jeder eröffnen, der eine Meldebescheinigung und gültige Ausweispapiere vorlege. Doch viele Flüchtlinge besitzen weder einen Pass noch andere amtliche Papiere wie etwa eine Geburtsurkunde, wenn sie nach Deutschland kommen.
Nach Mitteilung von Kreis-Pressesprecher Christian Schmidt wurden im Juni Zahlungen in Höhe von 95.200 Euro an Asylbewerber geleistet. Bei den Empfängern handele es sich überwiegend um geduldete Ausländer, deren Asylantrag abgelehnt worden ist. Diese besäßen eine Duldungsbescheinigung, die aber nicht als Ausweisersatz gelte, so Schmidt. wenn sie nach Deutschland kommen.