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Den Laden im Dorf lassen

Beim örtlichen Rewe-Markt deckt sich etwas mehr als Hälfte der Ahlerstedter mit Waren des täglichen Bedarfs ein
jd. Ahlerstedt. Zum Shoppen mal schnell in die Stadt: Was auf den Dörfern der Stader Geest noch vor 40 Jahren eher die große Ausnahme war, ist mittlerweile gang und gäbe. Die Zeiten, in denen sich die Landbevölkerung weitgehend vor Ort mit den wichtigsten Dingen eindeckte und höchstens losfuhr, um größere Anschaffungen zu tätigen, sind längst vorbei. Den klassischen "Höker", der neben Lebensmitteln auch Haushaltswaren und sogar Bekleidung im Angebot hatte, gibt es nicht mehr. Nachdem sich in einigen wenigen ländlichen Zentren wie Harsefeld, Fredenbeck oder Drochtersen die ersten Supermärkte ansiedelten, verschwanden in den meisten Dörfern die kleinen Krämer. Doch in Ahlerstedt will man diese Entwicklung nicht länger hinnehmen: Ein Einzelhandelskonzept soll Lösungen aufzeigen. Die Läden im Dorf lassen, könnte die Devise lauten.

"Nach den Vorgaben von Land und Kreis gilt Ahlerstedt als Grundzentrum", erklärte Bürgermeister Uwe Arndt jetzt bei der Vorstellung des Konzepts im örtlichen Schützenhof. Die Funktion eines Grundzentrums sei es, die Bevölkerung mit den Waren des alltäglichen Bedarfs zu versorgen. Die Gemeinde müsse daher dafür sorgen, dass ein entsprechendes Sortiment vorhanden sei, gegebenenfalls durch die Ansiedlung neuer Geschäfte. Arndt ist davon überzeugt, dass das Ladensterben in den Dörfern nur aufgehalten werden kann, wenn auch künftig die Rahmenbedingungen für ein breit gefächertes Warenangebot stimmen.

Um die Entwicklungschancen für den Einzelhandel auszuloten, ließ die Gemeinde von Experten untersuchen, welches Potenzial in Ahlerstedt besteht und welche Wünsche die Verbraucher in Hinblick auf bestimmte Sortimente haben. Zu diesem Zweck verschickte die mit Erstellung des Einzelhandelskonzeptes beauftragte Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) Fragebögen an alle Haushalte und führte zusätzlich vor ausgewählten Geschäfts-Standorten eine Kundenbefragung durch. Das Ergebnis überrascht nicht unbedingt: "Knapp drei Viertel der Befragten sind mit dem örtlichen Einzelhandels-Angebot nicht zufrieden", berichtete Katharina Staiger von der GMA.

Entsprechend schlecht ist es um die Kaufkraftbindung bestellt: Laut dem GMA-Papier liegt das Kaufkraft-Volumen der Ahlerstedter Bevölkerung bei rund 13 Millionen Euro für den Grundbedarf. Doch davon wird lediglich knapp 44 Prozent durch die örtlichen Unternehmen gebunden. Damit bewege sich Ahlerstedt, das immerhin ein Grundzentrum sei, auf einem unterdurchschnittlichen Niveau, konstatierte Staiger: "Das ist schon ziemlich wenig." Der große "Juckepunkt" sei das nicht ausreichende Angebot für den täglichen Bedarf. Es mache sich eben bemerkbar, dass vor allem ein Drogeriemarkt, aber auch ein Discounter fehle.

Staiger empfiehlt, auf jeden Fall in der Ortsmitte einen sogenannten Verbundstandort einzurichten. Dort solle sich neben dem bestehenden Supermarkt, der erweitert werden müsse, möglichst ein Discounter ansiedeln. Außerdem bestünde Potenzial für einen kleinen Fachmarkt, der neben Heimwerker- und Gartenbedarf auch Tiernahrung und Spielwaren im Programm haben könnte. Die Perspektiven für zusätzliche kleinere Fachgeschäfte schätzt Staiger hingegen eher schlecht ein. Die Konkurrenz im Umland sei zu groß und das Marktpotenzial zu gering. "Wenn Ahlerstedt es schafft, im Bereich des Grundbedarfs rund 60 Prozent der Kaufkraft zu binden, ist das ein Erfolg", meint Staiger.