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Bürgerinitiative am Ziel "Kein Fracking (mehr) in der Heide"

Mit einer kleinen Feier begingen Renate Maaß (erste Reihe li), Ingo Engelmann (sitzend, Mitte) und Linda Engelmann (2. Reihe re.) mit ihren Mitstreitern den Erfolg der BI Foto: BI Kein Fracking in der Heide (Foto: Kein Fracking in der Heide)
mi. Landkreis. „Was soll ich meinen Enkeln sagen, wenn sie fragen: Opa, was hast du damals dagegen (Fracking) unternommen?“ Dieser Satz des kürzlich verstorbenen Jürgen Schulz soll es gewesen sein, der rund 200 Bürger aus dem ganzen Landkreis im April 2013 darin bestärkte, eine Bürgerinitiative gegen Fracking im Landkreis zu gründen. Heute, fast fünf Jahre später, feiert „Kein Fracking in der Heide“ den Rückzug des letzten Fracking-Unternehmens aus dem Landkreis Harburg.
Mit dem österreichischen Unternehmen RDG (Rohstoff Deutschland Geothermie) zog sich jetzt die letzte Fracking-Firma aus dem Landkreis Harburg zurück (das WOCHENBLATT berichtete).  RDG hatte zuvor die Kimmeridge GmbH übernommen, auch dieses Unternehmen wollte ursprünglich im Landkreis „fracken“. Für die BI ist der Rückzug ein Anlass zum Feiern. Seit 2013 setzen sich die engagierten Bürger dafür ein, unser „Lebensmittel Nr. 1“ - das Grundwasser - vor den Gefahren der lebensfeindlichen Fracking-Technologie zu schützen.
Rückblick: Als 2013 das ominöse Firmengeflecht Blue Mountain LLC im Landkreis Harburg auf den Plan trat, schwebte über der Region plötzlich das Damoklesschwert des „Frackings“. Jener umstrittenen „Zukunftstechnologie“, die in den USA laut Kritikern das Grundwasser vergiftet, Milliarden Liter Trinkwasser in Sondermüll verwandelt und sogar für Erdbeben verantwortlich sein soll. Blue Mountain hatte sich ein großes Areal, das von Lüneburg bis in den Landkreis Harburg herein reichte, gesichert. Das war die Geburtsstunde der BI. Rund 200 Bürger aus dem ganzen Landkreis stellten sich den Plänen des Konzerns und seiner Nachfolger in den Weg. „Jeder brachte das ein, was er konnte, deswegen gilt unser Dank auch allen Mitgliedern“, sagt Linda Engelmann vom Sprecherrat der BI.
Maßgeblich mit der BI verbunden sind dabei die Namen Renate Maaß und Ingo Engelmann.
Sie hoben durch ihre umfangreichen Recherchen, durch Faktenkenntnis und brillante Vorbereitung die BI deutlich von typischen Betroffenheitsinitiativen ab. So gelang es den Fracking-Gegnern auch, ihre Anliegen in der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Schnittstelle, an der vieles zusammenlief, war die von Ingo Engelmann gepflegte Homepage der BI. Die Web-Präsenz erreichte, gespickt mit Neuigkeiten und aufrüttelnden Berichten, immer wieder eine große Öffentlichkeit.
Renate Maaß gewann das NDR-Magazin „Markt“ für kritische Berichte. Maaß und Engelmann stellten unzählige Anfragen an das Landesbergamt. Der BI gelang es, dank dieser Initiativen, Treffen mit dem damaligen Wirtschaftsminister Olaf Lies und dem Chef des Landesbergamts zu arrangieren. Auch wenn die Gespräche nicht den gewünschten Erfolg brachten, positionierte sich die BI spätestens jetzt auf Augenhöhe mit dem Gegner. Unterstützung gab es auch aus der Politik vor Ort. Sowohl der Kreistag des Landkreises Harburg als auch die Stadt Buchholz sprachen sich in Resolutionen gegen Fracking auf ihrem Gebiet aus.
Die BI sammelte über 10.000 Unterschriften, die dem Wirtschaftsminister persönlich überreicht wurden. Ihre Mitglieder organisierten in den vergangenen fünf Jahren 15 große Veranstaltungen, u.a. eine Vorführung des Fracking-kritischen Hollywood-Films „Promised Land“ im Movieplexx Kino in Buchholz sowie ein Benefizkonzert mit Abi Wallenstein. Außerdem diverse Info-Veranstaltungen rund um die Themen Fracking und Gasbohren.
Auch wenn die Gefahr vorerst gebannt ist, auflösen wird sich „Kein Fracking in der Heide“ keinesfalls. „So eine Arbeit ist eigentlich nie fertig, man muss sie für fertig erklären, wenn man nach Zeit und Umständen das Möglichste getan hat“, zitiert Linda Engelmann dazu passend Goethe. Ingo Engelmann steckt demnach bereits in der nächsten aufwendigen Recherche. Engelmann: „Mit der Firma 'Engie', vormals 'Gaz de France Suez', gibt es immer noch ein ölförderndes Unternehmen im Kreisgebiet. Die Firma verzichtet aber auf Fracking.“ Laut Engelmann soll Engie jetzt verkauft werden, ausgerechnet an einen US-Hedgefonds. „An dem Thema müssen wir dran bleiben“. Man sieht: Für „fertig erklären“ will die BI ihre Arbeit wohl noch lange nicht.