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Kein Geld für die beste Lösung? - Jesteburg will mit einem faulen Kompromiss die Verkehrssicherheit erhöhen

Das WOCHENBLATT hat bereits im vergangenen Jahr auf die gefährlichen Straßenverhältnisse hingewiesen. Jetzt endlich reagiert Jesteburg
mum. Jesteburg. „Wann wird es den ersten Toten geben?“ fragte das WOCHENBLATT in seiner Ausgabe im April vergangenen Jahres. Gerade hatte es wieder einen schweren Unfall auf dem Seppenser Mühlenweg zwischen Itzenbüttel und dem Reindorfer Osterberg gegeben. Ein 19-Jähriger war mit seinem VW-Bora in der Kurve von der Straße abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Im Anschluss hatte sich das Fahrzeug mehrfach überschlagen. Der junge Mann blieb wie durch ein Wunder unverletzt.
Zwischen 2012 und April 2015 zählte die Polizei dort neun Unfälle. Die Strecke ist stark befahren. Unter anderem pendeln Schulbusse zwischen Buchholz und Jesteburg. Das hat Konsequenzen: Die Bankette ist trotz mehrfachen Ausbesserns in einem katastrophalen Zustand. Wohl auch ein Grund, warum es dort immer wieder zu Beinahe-Unfällen kommt. Entgegenkommende Fahrzeugführer befürchten wegen der schmalen Straße (4,50 Meter) eine Kollision, weichen auf den unbefestigten Seitenstreifen aus und verlieren die Kontrolle über ihr Auto. Jetzt endlich sieht die Gemeinde Handlungsbedarf. Allerdings löst der Verwaltungsvorschlag, der am Donnerstag im Samtgemeinderat (19 Uhr, „Heimathaus“) diskutiert werden soll, bei Experten Kopfschütteln aus.

Leitplanken statt teure Sanierung


Das ist kaum zu glauben! Statt eine vernünftige Lösung für die Straße zwischen Itzenbüttel und Reindorfer Osterberg zu finden, schlägt die Verwaltung einen günstigeren Kompromiss vor. Die Bäume beidseitig in der ersten Kurve von Itzenbüttel in Richtung Reindorfer Osterberg sollen gefällt werden. Zudem sollen zur Sicherung an beiden Seiten Leitplanken aufgestellt werden. Diese Maßnahme will sich Jesteburg 36.000 Euro kosten lassen.
Kritik kommt unter anderem von einem Sachverständigen. Der Experte riet bei einem Ortstermin davon ab, an dieser Stelle beidseitig Leitplanken zu montieren. „Aufgrund der schmalen Straßenbreite kann ein möglicher Rettungseinsatz im Einzelfall sogar erheblich behindert werden“, heißt es in einer Stellungnahme. Er empfahl allenfalls eine einseitige Schutzplanke und zusätzlich - insbesondere auf der gegenüber liegenden Seite - das Entfernen diverser Bäume im erweiterten Kurvenbereich.
Die Verwaltung hatte zudem angeregt, das Tempolimit auf von jetzt 70 auf 50 Stundenkilometer zu reduzieren. „Das erscheint nicht vertretbar“, heißt es dazu seitens der Polizei. „Und würde wohl auch massenhaft missachtet werden.“ Gleichzeitig weisen die Beamten darauf hin, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung die Gemeinde nicht aus ihrer Verkehrssicherungspflicht entlässt. „Wenn schon kein Geld für eine Fahrbahnverbreiterung zur Verfügung steht, so sollte doch in Kenntnis der dortigen Verkehrssituation der Fahrbahnrand regelmäßiger als bisher auf Auswaschungen überprüft und diese dann auch umgehend beseitigt werden. Hier scheint es in der Vergangenheit Defizite gegeben zu haben“, heißt es in einer Stellungnahme der Polizei an die Verwaltung.
Paradox: Die beste Lösung, nämlich ein vernünftiger Ausbau der Straße, kommt für Verwaltung und Politik nicht in Frage. In einem Protokoll der Polizei heißt es: „Ein Ausbau, beziehungsweise eine Grundsanierung wird seitens der Gemeinde schon deshalb nicht betrieben, weil damit die Attraktivität der Straße steigen und in der Folge die Verkehrsbelastung auch im weiteren Verlauf und insbesondere im Einmündungsbereich zur L 213 zunehmen würde.“