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"Wir erwarten sofortige Beteiligung": Kommunen protestieren gegen Informationspolitik der Deutschen Bahn bei Y-Trassen-Planungen

Auf einen Blick: die bisherige Y-Trassen-Planung (rot gestrichelt), die bestehene Strecke Harburg-Maschen-Lüneburg-Celle und die geplante Neubaustrecke Maschen-Suderburg/Unterlüß (grün). Der Bau der letzteren Route würde auch Vierhöfen und Salzhausen betroffen (Foto: Bürgerinitiative Vierhöfen/Repro: Verlag)
ce. Vierhöfen. Der Proteststurm im Landkreis Harburg gegen die von der Deutschen Bahn AG geplante Hochgeschwindigkeitstrasse Maschen-Unterlüß wird immer heftiger. "Sie würde die Samtgemeinde Salzhausen zerteilen und fast alle Mitgliedsgemeinden erheblich beeinträchtigen." Mit diesen deutlichen Worten bringt die Bürgerinitiative Vierhöfen ihre Ablehnung auf den Punkt. "Wir lägen im direkten Einzugsbereich der Route."
Wie berichtet, will die Bahn die Strecke womöglich als mit rund zwei Milliarden Euro "günstigere" Alternative zur bislang angedachten Y-Trasse (geschätzte Kosten: bis vier Millarden Euro) bauen. Die derzeit favorisierte Trasse soll im Kreis Harburg von Maschen über Ashausen, Winsen/Luhdorf, Bahlburg, Vierhöfen, Salzhausen/Luhmühlen und Putensen führen. BIVI-Sprecher Eberhard Leopold verweist auf die Machbarkeitsstudie der Bahn, wonach der Streckenverlauf durch die dünn besiedelte Heideregion die "geringste Betroffenheit" - nämlich weniger Auseinandersetzungen mit BIs, Umweltverbänden und Kommunen - erwarten lasse. "Hier täuschen sich die Planer, denn es formiert sich erheblicher Widerstand", betont Leopold. Der Bau eines neuen Schienenstranges sei auch deshalb "inakzeptabel", weil er verheerende Folgen für die Natur hätte.
"Eine sofortige Beteiligung am Planungsverfahren und eine Offenlegung aller Details", forderte Vierhöfens Bürgermeister Helmut Gehrke in einem Schreiben von der Bahn, da die vom Projekt betroffenen Kommunen den aktuellen Sachstand bislang lediglich aus der Presse erfahren hätten. Die Bahn erklärt daraufhin, dass die Maschen-Unterlüß-Variante insbesondere entwickelt worden sei, weil der Ausbau der bestehenden Strecke Harburg-Maschen-Lüneburg-Celle "erhebliche Eingriffe" in die Bebauung entlang der Route bedeutet hätte. Ab Jahresmitte würden die Öffentlichkeit, potenziell Betroffene und relevante Interessengruppen in den Planungsprozess einbezogen. Eine endgültige Trassenplanung gebe es derzeit noch nicht. Definitiv festgelegt würde die Vorzugsvariante erst bei der Aufstellung des Bundesverkehrswegeplanes 2015 und des damit verbundenen Raumordnungsverfahrens.
"Nichts wesentlich Neues zum Thema Y-Trasse" gab es laut dem Ersten Kreisrat Rainer Rempe beim Infotreffen, zu dem die Bahn und das Niedersächsische Wirtschaftsministerium kürzlich die Landräte der betroffenen Kreise eingeladen hatten. "Es ist skandalös, dass wir alles, was wir wissen müssen, bislang nur aus der Presse und nicht von der Bahn selbst erfahren haben", so Rempe. Einerseits sehe die Bahn dringenden Handlungsbedarf für den Ausbau des Güterverkehr-Schienennetzes, andererseits solle die bereits 2001 raumordnerisch festgestellte Neubaustrecke von Lauenbrück über Visselhövede nach Isernhagen plötzlich doch nicht weiter verfolgt werden. "Diese Handlungsweise können wir nicht nachvollziehen", so Rempe. Zudem sei der Landkreis Harburg mit dem bestehenden Güterverkehr und zwei Autobahnen "schon stark genug belastet".