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Decatur-Brücke nicht mehr sanierungsfähig / Verkehr einspurig

750 Meter lang: Die marode Decatur-Brücke führt über den Rangierbahnhof Maschen (Foto: archiv)
 
Künftig wird der Verkehr nur noch einspurig über die Brücke führen

Oertzen: "Wir stehen vor einer unlösbaren Aufgabe"


kb. Seevetal. Paukenschlag in Seevetal: Die 750 Meter lange Decatur-Brücke die über den größten Rangierbahnhof Europas in Maschen führt, ist nicht mehr zu retten. Ein aktuelles Gutachten belegt, dass das Bauwerk nach neuesten Berechnungsstandards keine uneingeschränkte Standsicherheit mehr gewährleistet und auch nicht mehr sanierungsfähig ist. Das bedeutet im Klartext: Die Decatur-Brücke muss irgendwann abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Optimistisch geschätzt würden die Kosten für einen Neubau bei rund 20 Millionen Euro liegen, hinzu käme der Abriss der alten Brücke. "Wir stehen vor einer unlösbaren Aufgabe", so Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen. Als erste Maßnahme wird der Verkehr künftig voraussichtlich ab Ende April einspurig über das marode Bauwerk geführt.
Seevetals Bürgermeisterin Martina Oertzen war der Ernst der Lage anzusehen, als sie jetzt bei einer Pressekonferenz mitteilte, dass die Decatur-Brücke nicht mehr sanierungsfähig ist. Schon länger schwebt das marode Bauwerk wie ein Damoklesschwert über der Gemeinde. Bisher war die Verwaltung davon ausgegangen, dass die Brücke aufwendig saniert werden muss. Schon für diese, geschätzt rund sieben Millionen Euro teure Maßnahme, war in der Gemeindekasse kein Geld. Die jetzige Hiobsbotschaft vom nötigen Neubau lässt die Sorgen von gestern geradezu klein wirken.
Die Decatur-Brücke, benannt nach Seevetals US-Partnerstadt, wurde von der Deutschen Bahn gebaut und 1973 an die Gemeinde übertragen. Dafür erhielt die Gemeinde 3,5 Millionen Mark als Ablösesumme. Geld, das anderweitig investiert und nicht zweckgebunden angelegt wurde. Ein riesiger Fehler, wie sich nun herausstellt. Die Brücke kann die seit 2011 geltenden Nachrechnungsrichtlinien für Straßenbrücken nicht mehr erfüllen. Die einspurige Verkehrsführung, die jetzt als Ad-hoc-Maßnahme eingerichtet wird, könnte über viele Jahre gelten. "Wir wissen schlicht nicht, wie lange das dauern wird", so Oertzen. "Es ist eine lähmende Situation."
Über die marode Brücke führt der Verkehr zu DB Schenker, zum Bahnhof Maschen und nach Hörsten. Außerdem nutzen viele den Weg über Hörsten Richtung Harburg, um Staus auf der Autobahn zu umfahren. Aktuelle Verkehrszählungen der Gemeinde ergeben rund 2.000 Fahrzeuge pro Tag und Fahrtrichtung. Die einspurige Verkehrsführung wird zu erheblichen Behinderungen führen. Laut Tiefbauleiter Uwe Pesel wird eine Ampelphase fünf bis sechs Minuten dauern. Erhebliche Rückstaus, besonders zu Spitzenzeiten, werden die Folge sein. Weil die Busse bei diesen Wartezeiten die Pläne nicht werden einhalten können, wird überlegt, den ÖPNV umzuleiten. Mit Hochdruck arbeitet die Verwaltung derzeit daran, die bestmögliche Lösung zu finden.
Martina Oertzen hat zudem Kontakt zu Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD), Ulrich Bischoping, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Niedersachsen und Bremen, Bahnchef Rüdiger Grube und Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär der CDU im Bundesministerium für Verkehr, aufgenommen. "Es kann nicht sein, dass alle sich damit brüsten, Europas größten Rangierbahnhof im Land zu haben, und uns dann im Regen stehen lassen", so Oertzen.
Neben den immensen Kosten für einen Abriss und Neubau der Brücke kommt hinzu, dass ein Bau an derselben Stelle, an der die Brücke derzeit steht, kaum machbar ist. Zu viele Weichen und Oberleitungen sind im Weg. "Da müssten wir den halben Bahnhof lahm legen", so Ingenieur Thorsten Löwe.
Fakt ist: Eine Lösung für das Problem liegt derzeit in weiter Ferne.

Kommentar:


Zu lange weggesehen
"Wir haben das ein wenig von uns geschoben." Mit dieser Aussage traf Martin Oertzen den Nagel auf den Kopf. Wenn die Ablösesumme von 3,5 Millionen Mark vor über 40 Jahren zweckgebunden angelegt worden wäre, dann hätte die Gemeinde jetzt einen erheblichen Teil der Summe, die nach Abzug von Zuschüssen bei einem Abriss und Neubau der Brücke zusammenkommt, in der Tasche. Doch das Geld wurde nicht angelegt, sondern ausgegeben. Die Gemeinde hat derzeit mehr Schulden denn je. Eine neue Brücke aus der Gemeindekasse zu finanzieren, ist schlicht unmöglich. Es wird abzuwarten sein, ob Bund, Land und Bahn der Gemeinde zur Seite springen. In dieser schwierigen Situation wird Martina Oertzen beweisen müssen, wie gut sie die Gemeinde durch schwieriges Fahrwasser führen kann. Vorerst bleibt die Erkenntnis: Spare in der Zeit, so hast du in der Not.
Katja Bendig