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Komplizierte Feinarbeit: Kirchturmsanierung entpuppte sich als schwieriges Unterfangen

Da war der Turm noch eingerüstet: Stiftungs-Vorsitzender Hermann Poppe, Architektin Christina Lippert und Pastor Hans-Georg Wieberneit vor der Stiftskirche Ramelsloh
kb. Ramelsloh. Nach zwei Jahren Einrüstung ist der Kirchturm der Ramelsloher Stiftskirche seit Kurzem wieder in ganzer Pracht zu sehen. Was die lange Sanierungszeit erahnen lässt: Die Maßnahme war ziemlich kompliziert. "Wir haben mit dieser Sanierung komplettes Neuland betreten", sagt Christina Lippert, Architektin und Baurätin bei der Klosterkammer Hannover, die für das Kirchengebäude in Ramelsloh zuständig ist.
Schuld an der unerwarteten Komplikation war eine "Bausünde" aus den 1980er Jahren. Damals waren die Vorbehalte gegen den Einsatz von Chemie noch klein, der Schritt das Kirchengebäude mit einer wasserabweisenden Schicht zu überziehen, schien sinnvoll. "Doch leider hat das nicht funktioniert", sagt Christina Lippert. So drang in den kommenden Jahrzehnten sehr wohl Feuchtigkeit in das Mauerwerk ein, konnte dann aber nicht wieder hinaus. Besonders auf der Wetterseite der Kirche war das ein Problem. Bei Frost kam es zu Abplatzungen, Steine fielen herunter. "Das wurde richtig gefährlich", so Pastor Hans-Georg Wieberneit. Also hieß es handeln - doch von der wasserabweisenden, sogenannten hydrophoben Beschichtung war zu diesem Zeitpunkt noch nichts bekannt. "Wir hatten uns auf eine simple Fassadensanierung eingestellt", so Lippert.
Die Beschichtung der Steine wurde zu einem echten Problem. "Die Schicht lässt sich nur mechanisch entfernen, man hätte die ganze Fassade z.B. abschälen können", sagt Lippert. Stattdessen entschied sich das Team aus Experten, die defekten Steine auszutauschen, das Fugenmaterial zu erneuern und mit einem speziellen Mörtel zu verfüllen. Ziel der Maßnahme war, die Durchlässigkeit zu erhöhen und so den Druck von den beschichteten Steinen zu nehmen.
Klingt einfach, doch das Prozedere war mit einem erheblichen Arbeitsaufwand verbunden. Jeder einzelne Stein an der Westfassade des Kirchturms wurde abgeklopft und überprüft, eine Schadenskartierung wurde erstellt. Und dann wurden 110 Steine einzeln ausgetauscht. Gesamtkosten für die Maßnahme: 100.000 Euro, finanziert durch den Allgemeinen Hannoverschen Klosterfond.
Ob die Taktik des Steineaustauschs wirklich funktioniert, muss sich zeigen. "Wir beobachten das jetzt fünf Jahre lang und dann entscheiden wir, ob wir das Konzept auch beim Rest des Gebäudes umsetzen", erklärt Christina Lippert.