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„Gegen Verdrängungsmechanismen“

SPD Stade kritisiert „gefälschte“ Beschriftung von Nazi-Gebäden und will Straßennamen prüfen

tp. Stade. Die Grausamkeiten des Nazi-Regimes dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb regt jetzt die SPD im Rat der Stadt Stade die Gründung einer „Initiative gegen Verdrängungsmechanismen“ an. Mit dem Thema soll sich auf Betreiben der Sozialdemokraten zunächst der Kulturausschuss befassen. Einen entsprechenden Antrag hat die SPD jetzt bei der Stadtverwaltung gestellt.

Hintergrund ist eine mögliche absichtliche Falschkennzeichnung eines ehemals von den Nazis genutzten Gebäudes im Stadtgebiet. In der Broschüre „Stolpersteine in Stade“ aus dem Jahr 2010 habe darauf bereits Stades Ex-Stadtarchivar Dr. Jürgen Bohnbach aufmerksam gemacht, so SPD-Fraktionschef Kai Holm (45).

Wie berichtet, erinnert der Künstler Gunter Demnig aus Frechen bei Köln an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnhaus Gedenktafeln aus Messing in den Bürgersteig pflastert. Neben mehr als einem Dutzend Tafeln in Stade gibt es Stolpersteine in rund 500 anderen Städten.
Beispielhaft schildert Demning die „gefälschte“ Beschriftung des ehemaligen Jugendamtes an der Kleinen Beguinenstraße (damals Gründelstraße) in Stade, das als „Alte Feuerwache“ tituliert wurde. "Tatsächlich war dort jedoch eine Nebenstelle der Gestapo untergebracht, in der laut Recherche von Dr. Bohmbach Verbrechen gegen Menschen begangen wurden", sagt Kai Holm. Die echte Alte Feuerwache habe sich in dem Nachbarkomplex befunden.

Es genügt nach Überzeugung der Stader SPD nicht, derartige Informationen nur zur Kenntnis zu nehmen. "Eine Geschichtsverfälschung, gerade im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen, muss korrigiert werden", so Holm. "Im Sinne einer Erinnerung könnte an der Feuerwache eine Gedenktafel für Opfer des Faschismus
und erläuterndem Text angebracht werden."

Holms Bemühungen gehen weiter: Er will auch die Straßenbezeichnungen im Stadtgebiet überdenken. Dazu gehören die Ostmarkstraße, die in der Nazizeit im Jahr 1938 so benannt wurde, und die Bezeichnung der Linzer Straße. "Die österreichische Stadt Linz habe einst den zweifelhaften Beinamen "Partnerstadt des Führers" getragen, gibt Holm zu bedenken. Er rechnet mit einer breiten Zustimmung zu seiner Initiative in allen Ratsfraktionen.

• Der Kulturausschuss tagt am Mittwoch, 12. März, um 18 Uhr im Rathaus in Stade.