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"Inflation des Gedenkens"

Dr. Peter Meves wacht mit scharfem Blick über den Umgang der Stader Politik mit dem Nazi-Erbe

Dr. Peter Meves fordert differenzierteren Umgang mit dem Nazi-Erbe in Stade

tp. Stade. Die SPD im Rat der Stadt Stade hat die Gründung einer „Initiative gegen Verdrängungsmechanismen“ hinsichtlich der Spuren von Nazi-Gräueltaten in Gebäude- und Straßennamen im Stadtgebiet angeregt. In die Diskussion schaltet sich jetzt Dr. Peter Meves (79) ein. Er begrüßt im Kern die Initiative, fordert aber einen differenzierteren Umgang mit dem Problem.

Hintergrund: Der SPD-Fraktionschef Kai Holm (45) hatte auf die mögliche absichtliche Falschkennzeichnung der ehemals von den Nazis genutzten "Alten Feuerwache" an der Kleinen Beguinenstraße hingewiesen. Im Keller des Gebäudes, das im Krieg Polizeistation war, soll die Gestapo Menschen gefoltert haben.

Dr. Peter Meves, gebürtiger Stader und Augenarzt im Ruhestand, ist mit Juden und Israelis befreundet und hat sich mit der Errichtung von Stelen auf dem Platz "Am Sande" in Gedenken an die Opfer des Holocaust sowie für die Einzäunung des jüdischen Friedhofes in Stade einen Namen gemacht. Lesen Sie im Folgenden Meves' Statement in redaktionell überarbeiteter Form:

"Bei der 'Alten Feuerwache' handelt es sich im Gedächtnis alter Stader um die 'Polizei', mit sicherlich vorhandenen Arrestzellen. In dem Gebäude waren auch Arbeitsplätze der Gestapo untergebracht. Aufgabe der drei Mitarbeiter war die politische Überwachung der Bevölkerung, wobei sie sich auf die Mitwirkung denunzierender Stader stützen konnten. Als mein Vater mit 'Guten Morgen' statt 'Heil Hitler' den Heizer des Krankenhauses begrüßte, wurde er von der Gestapo vorgeladen. Verhängnisvolle Folgen hatte das für ihn zum Glück nicht. Gelegentlich wandte die Gestapo sicherlich auch physische Gewalt an, wie verlässliche Quellen belegen.

Neben der Polizei gab es - von ihr räumlich getrennt - auch die Wache der Feuerwehr zur Wallstraße hin, mit Garagen für die Feuerlöschwagen. Der Name 'Alte Feuerwache' ist also unvollständig und verschiebt die Akzente hinsichtlich der Bedeutung des Gebäudes.

Aber dieser Verdrängungseffekt war den Verantwortlichen der Stadt sicherlich bewusst und wohl auch beabsichtigt. Die von Kai Holm angeregte Anbringung einer Gedenktafel an der ehemaligen Gestapo-Dienststelle scheint mir nur die sinnlose Inflation eines solchen Gedenkens zu fördern.

Überfällig wäre die Umbenennung der Ostmarkstraße. Die Benennung erfolgte 1938 als Zeichen der Zustimmung der Führung unserer Stadt zur militärischen Expansion Deutschlands durch die Eroberung und Besetzung Österreichs. Trotz dieses historischen Bezuges haben Rat und Verwaltung an dem Namen festgehalten.

Einige andere in der Versenkung entschwundene Ereignisse der NS-Zeit konnte ich gegen Anfeindungen schon der Öffentlichkeit präsentieren. So bleibt für mich nur: Steter Tropfen höhlt den Stein. Wenn die pathetische Namensschöpfung von Herrn Holms 'Initiative gegen Verdrängungsmechanismen' dabei hilft, so sei es denn!"