Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Millionen für den Fahrrad-Highway

Vision: Zweispurige Fahrrad-Autobahn in einer Projekt-Skizze der Metropolregion Hamburg
 
"Noch fern der Realität": kommentiert die Stader ADFC-Chefin Ilse von Lacroix die Idee von den Radschnellwegen

Pendler sollen in die Pedale treten: Stader ADFC schärft Blick lokal auf Mängel an Beleuchtung, Fahrbahndecken und Straßenquerungen

tp. Stade. Die Summe hat zumindest symbolischen Wert: 25 Millionen Euro will das Bundesverkehrsministerium 2017 in den Ausbau von Radschnellwegen investieren. Die frohe Botschaft kommt zum runden Geburtstag des Fahrrades, das in diesem Jahr 200 Jahre alt wird. Auch in der Metropolregion Hamburg mit den Landkreisen Stade und Harburg sieht man angesichts der anhaltenden Beliebtheit des Drahtesels großes Potenzial für die den Berufspendlern gewidmeten Radler-Highways, die verstopfte Straßen und Autobahnen entlasten sollen.

Laut der Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Fahhrradclubs (ADFC), Kreisverband Stade, Ilse von Lacroix (69), reicht das Geld allenfalls für erste Planungen: "Wir können froh sein, wenn davon überhaupt etwas im Landkreis Stade ankommt."

Wie berichtet, will der Bund mit den künftigen Fahrradautobahnen Autonutzer motivieren, aufs Rad umzusteigen, um zur Arbeit zu gelangen. Bislang existieren die doppelspurigen Radwege, die Städte und Gemeinden mit Ballungsräumen verbinden sollen, in Norddeutschland nur auf Projektskizzen, wie die 5,2 Millionen Einwohner umfassende Metropolregion Hamburg kürzlich in einer ersten Potenzialanalyse vorlegte.

Die sternenförmig von Stade über das Alte Land und Buxtehude oder von Tostedt, Seevetal und Buchholz in Richtung Hamburg führenden Radwege-Korridore stellen laut Metropolregion-Sprecher Swen Wacker erste Vorschlägedar. Bei der Metropolregion wolle man versuchen, aus dem Millionen-Topf Förderung für Machbarkeitsstudien zu einigen ausgewählten Regionalstrecken zu bekommen.

Auch die Stader ADFC-Chefin Ilse von Lacroix sieht zunächst Handlungsbedarf auf lokaler Ebene: "Was nützt etwa ein Anschluss der Stadt Stade an die Fahrradautobahn, wenn Radfahrer aus den umliegenden Gemeinden nicht sicher dorthin gelangen?", fragt von Lacroix mit Blick auf zahlreiche Qualitätsmängel im Radwegenetz der Kreisstadt Stade.

Der für Fahrradpendler geeignete von Stade in Richtung des Industrie-Giganten Dow Chemical in Bützfleth führende, zwei Kilometer lange "Schneeweg" verfüge nur über eine Schotterdecke, er sei unbeleuchtet und überquere ungesichert den viel befahrenen Obstmarschenweg. Der Weg am Bahndamm zwischen Stader Bahnhof und dem großen Arbeitgeber Elbe-Klinikum sei bereits mit Fördergeld asphaltiert worden. Allerdings klaffe eine rund 800 Meter lange Lücke, wo die Strecke lediglich eine Schotterdecke hat. Mit Schlaglöchern übersät sei der potenziell als Pendler-Radroute geeignete Fredenbecker Weg.

Laut der Fahrrad-Lobbyistin ist es mit dem reinen Wegebau nicht getan: Arbeitgeber müssten Fördermittel für den Ausbau der Rad-Infrastruktur bekommen. Dazu gehören Fahrradunterstände für Arbeitnehmer, Radler-Einfahrten zum Werksgelände und nicht zuletzt Duschen.

"Alles super, aber noch fern der Realität", resümiert von Lacroix die schöne Vision von dem Radler-Highway.