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Raus aus dem Schnellimbiss

Rainer Bußmann und Schole Albers
 
Kleine Feier mit Torte in Stade: Mitglieder des landesweiten IQ-Netzwerks, das seit fünf Jahren besteht

Der richtige Job für Einwanderer: Projekt „Integration durch Qualifizierung" feiert fünfjähriges Bestehen

tp. Stade.Tausende Flüchtlinge, Einwanderer und Asylbewerber im Landkreis Stade auf der einen Seite, Fachkräftemangel auf der anderen: Experten helfen Migranten mit ihren im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen im Rahmen des Programms „Integration durch Qualifizierung" (IQ) in dauerhafte Beschäftigung zu bringen. Bei einem IQ-Netzwerktreffen in der Kulturstätte Alter Schlachtof in Stade tauschten Teilnehmer aus ganz Niedersachsen am Mittwoch Erfahrungen und Strategien zur Integration von Zuwanderern auf dem Arbeitsmarkt aus. Zugleich feierten die Beteiligten fünfjähriges Bestehen des IQ-Netzwerks.

Seit Anfang 2013 ist die Volkshochschule (VHS) Stade Beratungsstelle und Mitglied des Netzwerks. Der Service wird seit 2015 durch Qualifizierungsberatung zur Unterstützung des Anerkennungsverfahrens ergänzt. Darüber hinaus bietet IQ mit ausgewählten Bildungsträgern Qualifizierungsmaßnahmen an, die im Rahmen des Anerkennungsverfahrens erforderlich sind bzw. die Integration in den Arbeitsmarkt erleichtern. Hierzu gehören u.a. Qualifizierungen für Lehrer und kaufmännische Berufe.

Die Beratung durch in Stade erfolgt durch Schole Albers und Martyna Maria Krelska zu den gewohnten Geschäftszeiten der VHS an der Sachsenstraße 7. Das Team wurde durch eine Bürokraft verstärkt. Die Zuständigkeit erstreckt sich auf die Landkreise Stade, Rotenburg und Harburg. Daher findet die Beratung nach Bedarf und Vereinbarung in den drei Landkreisen vor Ort statt.
Der IQ-Projektleiter und Koordinator, Rainer Bußmann aus Osnabrück, berichtet von jährlich mehr als 700 Beratungen in der Region. Die Klienten - vom allein reisenden minderjährigen Flüchtling ohne Berufsausbildung bis zum erwachsenen Akademiker mit hoher Fachkompetenz - gehören zu den Kunden. Die Maßnahmen reichen von der Sprachkursus bis zur Weiterbildung, um die Klienten in auf den in Deutschland geltenden fachlichen Stand zu bringen - "wichtig insbesondere bei Ärzten und Pflegepersonal", ergänzt Schole Albers.
Es gibt viele Erfolge: So vermittelten die Berater eine studierte Schiffsbau-Ingenieurin aus dem Iran, sie ist bereits seit drei Monaten in Beschäftigung. Auch Anstellungen außerhalb des erlernten Berufs sind möglich: So ist eine ebenfalls iranische Ingenieurin inzwischen als Flüchtlingsberaterin tätig.
Ein Mann aus Portugal arbeitete lange Zeit weit unter seiner Qualifikation: Der gelernte, hoch spezialisierte Energieanlagenelektroniker war als Servicekraft in einem Schnellimbiss tätig. Dank Unterstützung von IQ steht der verheiratete Vater von vier Kindern nun bei gutem Einkommen bei einer Fachfirma aus der Energiebranche in Lohn und Brot.
Der Bedarf an Beratungsbedarf ist ungebrochen hoch: Die Mitarbeiter verzeichnen eine exorbitanten Sprung bei dem Anteil der Flüchtlinge aus Syrien von acht Prozent im Jahr 2014 auf 19 Prozent im Jahr 2016.
Ab dem Status als "anerkannter Asylbewerber" falle die Vermittlung verhältnismäßig leicht, berichtet Rainer Bußmann. Doch die Betreuung beginne weit früher - dabei ist seitens der IQ-Experten ist Rechtskenntnis: Der Gesetzgeber unterscheidet laut Bußmann rund 60 verschiedene Aufenthaltstitel.
Manchmal ist Überzeugungskraft nötig, wie etwa kürzlich bei einem jugendlichen Sudanesen. Statt einer Tischlerlehre schien ihm - wie vielen Altersgenossen - die Kombination aus Transferleistungen vom Jobcenter und einem 400-Euro-Job attraktiver, so Bußmann. Nicht wenige Flüchtlinge seien auf "schnelles Geld angewiesen", auch, um ihre Schlepper zu bezahlen, die sie aus den Krisenregionen ins sichere Deutschland brachten.
• Das IQ-Förderprogramm wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, den Europäischen Sozialfonds und das Land Niedersachsen finanziert. Infos im Internet unter www.netzwerk-iq.de