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Vermisste Familie Schulze: Letzte Hoffnung "XY"

Leben Miriam (li.) und Sylvia Schulze noch oder wurden sie von Marco Schulze umgebracht? (Foto: Polizei)
 
Was geschah am 22. Juli im Hause Schulze in Drage?
thl. Drage. "Ich persönlich glaube nicht, dass Sylvia und Miriam Schulze noch am Leben sind", sagt Kriminalhauptkommissar Michael Düker, Leiter der "Soko Schulze" und ergänzt: "Dennoch bleibt ein kleiner Hoffnungsschimmer."
Dieser Hoffnungsschimmer heißt "Aktenzeichen XY". In der TV-Fahndungssendung wird der Fall der vermissten Familie aus Drage am Mittwoch, 29. Juni, (20.15 Uhr im ZDF) nochmals thematisiert. Ein Fernsehteam hat einen Film über die Familie gedreht und versucht, die letzten Tage vor dem Verschwinden am 22. Juli vergangenen Jahres zu rekonstruieren. Michael Düker wird live im Studio sein und sich den Fragen von Moderator Rudi Cerne stellen. "Dabei geht es vor allem darum, wer Sylvia und Miriam Schulze am Tag des Verschwindens oder auch noch danach gesehen hat. Und ob jemand Vater Marco Schulze beobachtet hat, wie dieser mit dem Fahrrad nach Lauenburg gefahren ist", so Düker. Wie berichtet, war Marco Schulze am 31. Juli 2015 in Lauenburg tot aus der Elbe geborgen worden. "Eindeutig ein Suizid. Wir haben am Körper keinerlei Verletzungen oder Abwehrspuren gefunden. Und auch im Blut des Toten konnten keine Betäubungsmittel nachgewiesen werden", widerspricht der Beamte kursierenden Gerüchten.
Düker erhofft sich Hinweise, die das Schicksal von Mutter und Tochter klären. "Das sind wir auch der Familie schuldig, damit diese mit dem Fall abschließen kann", so der Kripobeamte. Man wisse, dass Marco Schulze am Abend des 22. Juli 2015 noch die Mülltonne an die Straße gestellt hat. Danach verliere sich seine Spur. Zwar will eine Zeugin den Familienvater am nächsten Morgen noch im Auto gesehen haben. "Wir gehen allerdings davon aus, dass sie sich im Datum vertan hat", sagt Düker. Sollte die Familie, vor allem aber Sylvia und Miriam Schulze, nach dem 22. Juli noch irgendwo aufgetaucht sein, müssen sie aufgefallen sein, ist sich der Beamte sicher: "Sylvia Schulze war auffällig klein und trug immer hochhackige Schuhe."
Derzeit gibt es keine neuen Hinweise auf den Verbleib von Mutter und Tochter. "Alle Spuren, die wir hatten, haben wir abgearbeitet", sagt Düker. Um nichts unversucht zu lassen, wurde auch der Radbrucher Forst mit Leichenspürhunden abgesucht. Ein Seher hatte der Polizei mitgeteilt, dass dort die Leichen von Sylvia und Miriam liegen würden. Michael Düker: "Bereits kurz nach dem Verschwinden hat er uns über seine Eingebung informiert. Wir fanden das aber völlig verrückt und haben ihm keinen Glauben geschenkt." Erst als sich eine zweite Person gemeldet habe, die angeblich Kontakt zu "Seelen" hatte und den Seher nicht kenne, habe man das Waldstück abgesucht. Doch wie alle anderen Spuren verlief diese im Nichts. "Die Leichenspürhunde haben nicht angeschlagen", sagt Düker. Er räumt ein, dass als letzte Frage immer bleibe, ob die Hunde wirklich recht haben: "Sie sind immerhin nur Hilfsmittel."
Das Interview, das die Tochter von Sylvia Schulze der Zeitschrift "Closer" gegeben hatte (das WOCHENBLATT berichtete), war für die Polizei nicht hilfreich. Düker: "Es hat auch keine neuen Hinweise gebracht." Dafür aber weitere Gründe für Spekulationen bezüglich des Arbeitsplatzes von Marco Schulze sowie des Verlustes seines Führerscheins - und als Folge seines Zweitjobs. "In der Chemiefabrik haben wir jeden Stein umgedreht und jedes Fass durchsucht. Da liegen keine Leichen", so der Fahnder. Für seinen Zweitjob habe Marco Schulze gar keinen Führerschein benötigt, da er die Arbeitsstelle bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen konnte. Und: "Nach der Trunkenheitsfahrt, von der die Tochter sprach, hatte er den Führerschein zurückbekommen."
Die Polizei habe im Laufe der Zeit viele Hypothesen entwickelt, was passiert sein könnte, aber nichts "Belastbares gefunden". Von daher tappe man nach wie vor im Dunkeln. Dass Sylvia und Miriam Schulze untergetaucht sind und wie die angeblich ermordete Braunschweiger Studentin, die nach über 30 Jahren plötzlich lebend wieder auftauchte, auch irgendwann wiederkommen, daran glaubt Michael Düker nicht. "Egal wie eine Mutter ihr Kind abschirmen würde, früher oder später würde es wieder Kontakt mit den alten Freunden aufnehmen wollen", ist sich Düker sicher.
Bleibt also als letzter Hoffnungsschimmer nur noch "Aktenzeichen XY". Düker: "Bekommen wir nach der Sendung keine neuen Hinweise auf den Verbleib oder einen Aufenthaltsort von Mutter und Tochter, dann ist die Chance, dass wir die beiden noch finden, mehr als gering."