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"Bleibt ein großes Rätsel"

Lydia Herms (li.) und Johanna Steiner am Elbstrand in Drage, an dem die Polizei auch mehrfach nach der Familie gesucht hatte Fotos: thl/archiv Polizei

Berliner Journalistinnen produzieren Hörfunk-Dokumentation über die verschwundene Familie Schulze

thl. Drage. Seit fast drei Jahren gelten Sylvia und Miriam Schulze aus Drage als vermisst. Die Chance, dass die beiden noch leben, ist beinahe gleich Null. Das sehen auch Lydia Herms und Johanna Steiner so. Die beiden Journalistinnen aus Berlin sind gerade dabei, das Schicksal der Familie Schulze im Rahmen einer Radiodokumentation aufzuarbeiten. Dafür haben sie sich für zwei Wochen in einer Ferienwohnung in Drage eingemietet. "Nach allem, was wir wissen und recherchiert haben, gehen wir von einem erweiterten Suizid aus", sagen die beiden Frauen. Erweiterter Suizid heißt, dass Vater Marco Schulze erst Frau und Tochter getötet und sich anschließend selbst das Leben genommen hat.
"Wir sehen uns nicht als Sensationsreporterinnen, die diesen Fall aufbauschen, gar lösen wollen. Vielmehr interessiert uns die Leerstelle, die das Verschwinden einer Familie in der Umgebung hinterlässt", begründen die beiden Journalistinnen ihre Motivation. "Denn das Verschwinden ist ein Phänomen, das den Angehörigen einen emotionalen Abschluss verwehrt." Der Fall sei ein großes Rätsel. "Egal welche Hypothese man aufstellt, wie es sich abgespielt haben könnte, am Ende bleiben immer Fragezeichen", sagt Johanna Steiner.
Die beiden Frauen interviewen Nachbarn, Familienangehörige, Ermittler und viele weitere Personen. Auch WOCHENBLATT-Redakteur Thomas Lipinski, der von Anfang an und als erster Reporter über den Fall Schulze berichtet hat, stand den beiden Frauen Rede und Antwort. Wie hat er von dem Verschwinden Kenntnis erhalten? Wieivel Raum hat der Fall redaktionell, aber auch bei ihm persönlich eingenommen? Wie sehr beschäftigt ihn der Fall auch heute noch?
Die mehrteilige Dokumentation soll im Oktober veröffentlicht werden, kostenlos als Podcast. Zudem sind Herms und Steiner noch mit den Sendern NDR und RBB im Gespräch. Die Dauer der Doku soll etwa zwei bis drei Stunden betragen.

Der Fall Schulze

Am 23. Juli 2015 wird die gesamte Familie Schulze aus der Hein-Block-Straße in Drage als vermisst gemeldet. Die Polizei findet im Wohnhaus keine Hinweise auf einen Aufenthaltsort, wohl aber die Geldbörsen der Familie sowie wichtige Papiere. Sofort läuft eine größere Maschenerie mit diversen Suchaktionen an, die aber alle im Sande verlaufen. Auch eine Öffentlichkeits-Fahndung und ein Beitrag in der TV-Sendung "Akzenzeichen xy" bringt keine brauchbaren Hinweise.
Neun Tage nach dem Verschwinden wird Vater Marco Schulze tot aus der Elbe bei Lauenburg gezogen. Die Polizei legt sich schnell fest: Suizid. Mutter Sylvia und Tochter Miriam, die am vergangenen Mittwoch 15 Jahre alt geworden wäre, bleiben bis heute verschwunden.