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"Der Brummton nimmt mir Lebensqualität"

Kai-Uwe Bellut leidet unter einem ständigen Brummton: "Das ist schon eine große Belastung"

Kai-Uwe Bellut (50) leidet unter tieffrequentem Schall / Bisher erfolglose Suche nach der Ursache

os. Buchholz. Kein Stichwort hat Kai-Uwe Bellut (50) in den vergangenen drei Jahren so häufig gegoogelt wie „Brummton-Phänomen“. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Elektrofachgeschäfts in Buchholz leidet unter tieffrequentem Schall. „Das ständige Brummen nimmt einem viel Lebensqualität“, sagt Bellut. „Das ist schon eine große Belastung.“
Tieffrequenter Schall sind Luftschallwellen, die unterhalb von 100 Hertz bzw. unter 20 Hertz (Infraschall) liegen und damit außerhalb des menschlichen Hörbereichs liegen. Bei Kai-Uwe Bellut löst der Brummton u.a. Schlafstörungen aus. „Man fühlt sich, als wenn dauerhaft große Containerschiffe vorbeifahren“, beschreibt Bellut das Phänomen. Das Problem: Trotz intensiver, teilweise teurer Forschungen und Messungen liegen die Gründe für den Brummton völlig im Dunkeln. Weltweit sollen laut Bellut zwei Prozent der Gesamtbevölkerung unter dem tieffrequenten Schall leiden - das wären bei rund 7,3 Milliarden Menschen ca. 146 Millionen Bürger.
„Viele Menschen verdrängen das Problem“, sagt Kai-Uwe Bellut. Er setzt dagegen alle Hebel in Bewegung, um die Ursache für den Brummton zu ergründen.
Bellut informiert sich regelmäßig in Internetforen, steht zudem in ständigem Kontakt zum Landesumweltamt und zum Gewerbeaufsichtsamt (GAA) in Lüneburg. Jüngst besuchte ein GAA-Mitarbeiter Bellut in seinem Haus und nahm Messungen mit einem Mikrofon vor. „Er hat keine Ursache für den Brummton gefunden“, berichtet Bellut.
Er hat eine eigene Theorie für die Behinderungen durch den tieffrequenten Schall. „Ich vermute, dass der Brummton nicht ständig da ist, sondern im Ohr durch Funkwellenüberlagerung generiert wird“, so der Elektro-Fachmann. Er berichtet von zwei Vorkommnissen im Urlaub: Jeweils in abgeschiedenen Gegenden - einmal in Norwegen, einmal in einem Gebirge in Spanien - habe er plötzlich deutlich einen Brummton wahrgenommen, nachdem es zuvor lange Zeit ruhig gewesen war. Parallele: Am Fjord und im Gebirge standen riesige Funktürme. „Die LTE-Verbindung (Long Term Evolution ist einer der modernsten Mobilfunkstandards, d. Red.) hatte jeweils vollen Ausschlag“, berichtet Bellut.
Das Grundproblem: Belluts Theorie kann stimmen, muss sie aber nicht. Im Internet existieren Dutzende andere mögliche Quellen für den Brummton, die von Wärmepumpen über Gasleitungen bis zu Industrieanlagen reichen. Kai-Uwe Bellut hat ein Mittel gefunden, um dem Brummton zumindest für kurze Zeit zu entgehen: „Bei mir hilft Motorradfahren. Durch den Fahrtwind und das Motorengeräusch wird der Brummton überlagert. Ich habe dann für ein, zwei Tage Ruhe.“ Lieber wäre es ihm, wenn die Quelle für das störende Geräusch endlich lokalisiert würde.
Auch Udo Krapf leidet weiter unter dem tieffrequenten Schall. Über ihn hatte das WOCHENBLATT im vergangenen Mai berichtet, zahlreiche Leser hatten sich daraufhin bei ihm gemeldet, die unter den selben Folgen - Schlaflosigkeit und Konzentrationsschwäche - litten. Krapf hat seit Mai viele Hebel in Bewegung gesetzt. Jüngst führte das GAA auch bei ihm in Buchholz umfangreiche Messungen durch. Für die Untersuchungen wurden u.a. das nahegelegene Holzpelletswerk und die benachbarte Biogasanlage kurzzeitig stillgelegt. Mit den Ergebnissen rechnet Krapf in wenigen Wochen. Auch Krapf hat ein Mittel gegen den Brummton gefunden: Ein Nachbar empfahl besonders dicke Ohrpfropfen aus Silikon. Krapf: „Damit bekomme ich gefühlt 90 Prozent des Geräuschs weg.“