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"Ich verstehe das alles nicht"

Birgit Justus kann sich außerhalb des Hauses nur im Rollstuhl fortbewegen. Auf einem Behindertenparkplatz parken darf sie dennoch nicht

Birgit Justus kämpft noch immer um das Recht, auf einem Behindertenparkplatz parken zu dürfen

kb. Meckelfeld. "Warum darf ich nicht auf auf Behindertenparkplätzen parken?", das fragt sich die schwer an Multipler Sklerose (MS) erkrankte Birgit Justus (44) aus Fleestedt nicht erst seit gestern. Schon seit September vergangenen Jahres kämpft Birgit Justus um die Anerkennung von 80 Prozent Schwerbehinderung und den Eintrag "aG" (außergewöhnliche Gebehinderung) in ihrem Schwerbehindertenausweis (das WOCHENBLATT berichtete). Die Mutter von zwei Kindern kann sich im Haus nur noch mit Rollator fortbewegen, außerhalb der eigenen vier Wände ist sie auf den Rollstuhl angewiesen.
Dem Versorgungsamt in Lüneburg reichte diese Tatsache bisher nicht aus, um Birgit Justus den wichtigen Eintrag "aG" zuzugestehen. Im April kam der Ablehnungsbescheid vom Amt, eine Verlängerung ihrer befristeten Parkerlaubnis wurde auch abgelehnt. Dies sei aus rechtlichen Gründen nicht mehr möglich. Doch Birgit Justus gab nicht klein bei, sie legte Widerspruch ein. Und wartet noch immer - Monate später - auf eine Entscheidung.
"Ich verstehe das alles langsam nicht mehr", sagt Birgit Justus. Anstatt dass das Amt den Grad ihrer Behinderung und vor allem die Tatsache der außergewöhnlichen Gehbehinderung anerkenne, müsse sie jetzt bei einem Gutachter vorstellig werden. "In der nächsten Woche habe ich einen Termin in der Nähe von Lüneburg", erzählt Birgit Justus. Dabei hat sie schon vor Monaten eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt, Pflegestufe I wurde ihr längst zuerkannt. "Jetzt zahlt das Amt lieber die Fahrt mit dem Rollimobil nach Lüneburg und zurück sowie den Gutachter, als mir den notwendigen Eintrag zu geben", ärgert sich Justus.
Sie fürchtet jetzt, dass sich die Entscheidung noch weitere Monate hinziehen wird. "Der Gutachter braucht Zeit, seinen Bericht zu verfassen, dann prüft das Versorgungsamt wieder... eine unendliche Geschichte", so die MS-Kranke.

Kommentar:

Worum geht es hier eigentlich?
Birgit Justus ist schwer an MS erkrankt. Sie ist auf den Rollstuhl angewiesen. Um aus einem Auto ein- und auszusteigen braucht sie eindeutig mehr Raum, als Gesunde. Mehr Raum, als ein normaler Parkplatz ihr bietet. Logische Schlussfolgerung: Diese Frau darf Behindertenparkplätze nutzen, die extra zu diesem Zweck geschaffen wurden. Zu einfach? Anscheinend schon. In manchen Ämtern scheinen Paragrafen mehr zu zählen als Menschen. Da wird lieber monatelang geprüft, als schnell zu helfen. Vorschriften aufzuzählen scheint einfacher, als kurz den gesunden Menschenverstand einzuschalten. Birgit Justus kann kaum noch laufen, wirklich krank ist hier aber der Bürokratie-Irrsinn. Katja Bendig