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Bernd Lucke: "Ich bin sehr optimistisch"

Will in den Bundestag: AfD-Spitzenkandidat Bernd Lucke
 
Bernd Lucke im Gespräch mit WOCHENBLATT-Redakteurin Katja Bendig

Bernd Lucke aus Winsen, Bundestags-Spitzenkandidat der "Alternative für Deutschland", stellt sich im WOCHENBLATT-Interview vor

(kb). Erst im April dieses Jahres gegründet, tritt die Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) - vielen als "Anti-Euro-Partei" bekannt - bei der Bundestagswahl im September an. Deren Spitzenkandidat und Direktkandidat für den Landkreis Harburg ist Bernd Lucke (50) aus Winsen. Der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg ist Mitbegründer der AfD und einer von drei Parteisprechern, die gleichzeitig den Vorstand bilden. WOCHENBLATT-Redakteurin Katja Bendig sprach mit dem Akademiker über seine politische Motivation und die Ziele seiner Partei.
WOCHENBLATT: Sie waren 33 Jahre lang Mitglied der CDU, sind dann ausgetreten und haben in diesem Jahr die AfD gegründet. Wo liegt Ihre persönliche Motivation zu diesem Schritt?
Bernd Lucke: Ich habe fünf Kinder und will mir von denen nicht vorwerfen lassen: Du hast nichts getan, um diesen riesigen Schuldenberg zu verhindern, der uns jetzt erdrückt. Überdies fühle ich mich als Wissenschaftler in der Verantwortung: Wie fast alle Volkswirtschaftsprofessoren halte ich die Regierungspolitik für grundfalsch. Da habe ich eine Pflicht, das auch laut zu sagen: Wir hätten nie für die Schulden anderer Staaten haften dürfen. Das nützt zwar den kurzfristigen Interessen der Regierung, verheddert uns aber langfristig in einem Schuldensumpf.
WOCHENBLATT: Ihre Partei wurde gerade erst gegründet und schon stecken Sie im Bundestagswahlkampf - ist es vielleicht zu früh bei einer so großen Wahl anzutreten?
Bernd Lucke: Es ist die letzte Chance, den Kurs der Regierung noch zu ändern. Wie viele andere habe ich gewartet, ob nicht jemand anders eine Partei gründet. Als das nicht passierte habe ich es schließlich selbst gemacht. Die Zeit ist knapp, aber ich bin sehr optimistisch, dass wir dennoch erfolgreich sein werden.
WOCHENBLATT: Viele Bürger nehmen die AfD nur als Anti-Euro-Partei wahr. Welche politischen Anliegen haben Sie außerdem?
Bernd Lucke: Die Altparteien verschließen die Augen vor vielen großen Problemen: Die Rentenversicherungen können nicht mehr genug Zinsen erwirtschaften. Die Strompreise laufen durch eine kopflose Energiewende aus dem Ruder. Unsere Sozialsysteme locken Zuwanderer an, die auf dem Arbeitsmarkt keine Chancen haben und lebenslang abhängig bleiben. Unser Bildungssystem leidet unter 16 verschiedenen Schulsystemen. Unser Steuersystem ist zu kompliziert - es gibt zu viel Steuerhinterziehung und Steuerverschwendung.
WOCHENBLATT: Zum Euro - Sie fordern als ersten Schritt den Ausstieg der südeuropäischen Staaten aus dem Euro. Warum?
Bernd Lucke: Weil es diesen Staaten elend geht. Seit mehr als drei Jahren haben sie eine schwere Wirtschaftskrise. Die Arbeitslosenquoten liegen bei 30 Prozent, für Jugendliche zwischen 50 und 60 Prozent. Besserung ist nicht in Sicht - diese Länder werden zugrunde gerichtet. Sie brauchen einen Schuldenerlass und eine eigene Währung, mit der sie abwerten können. Dann werden sie wieder wettbewerbsfähig.
WOCHENBLATT: Sollte auch Deutschland aus dem Euro aussteigen?
Bernd Lucke: Nein, es sei denn, es bleibt dabei, dass wir für die Schulden anderer Länder haften müssen. In diesem Fall müssen wir auch sagen können, dass wir langfristig zur DM zurück wollen. Sonst wären wir ein zahnloser Tiger. Aber eigentlich sollten die Länder gehen, die Probleme mit dem Euro haben.
WOCHENBLATT: Aktuelle Umfragen sehen die AfD derzeit bei 1 bis 3,5 Prozent - wie wollen Sie den Sprung in den Bundestag schaffen?
Bernd Lucke: Die meisten Umfragen sehen uns bei 3 Prozent. Das ist für eine neue Partei, die noch gar keinen Wahlkampf gemacht hat, gar nicht so schlecht. Wenn wir jetzt mit dem Wahlkampf beginnen, werden wir viel bekannter werden. Ich weiß, dass viele Menschen darauf warten, endlich eine Alternative zu den Altparteien wählen zu können.
WOCHENBLATT: Gesetz den Fall, Sie schaffen die Fünf-Prozent-Hürde - wie wollen Sie Ihre politischen Ziele umsetzen?
Bernd Lucke: Was wir an Stimmen gewinnen, haben die anderen Parteien an uns verloren. Da werden sie nachdenklich werden und feststellen, dass sie sich um wichtige Fragen nicht gekümmert haben. Wenn wir Erfolg haben, werden sie versuchen, uns zu kopieren - so wie mit dem Aufstieg der Grünen die SPD immer grüner geworden ist. Dadurch setzen wir unsere Ziele um, auch wenn wir in der Opposition sind.
WOCHENBLATT: Wie geht der Wahlkampf für Sie persönlich jetzt weiter?
Bernd Lucke: Mit einem proppevollen Terminplan. Ich bin der Spitzenkandidat und muss bundesweit herumreisen: Reden, Diskussionsveranstaltungen, Interviews, Fernsehauftritte etc. Sehr gelegentlich schaue ich mal in Winsen vorbei, ob meine Frau und meine Kinder mich noch wiedererkennen.