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Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg: "Angst hatten wir immer"

Dorothea Benecke mit Bildern ihres Vaters und ihres Bruders, die beide im Zweiten Weltkrieg gefallen sind
bim. Heidenau. "Es waren böse Zeiten. Ich darf auch heute nicht daran denken, was mit Angehörigen geschehen könnte. Das Gefühl werde ich nicht mehr los", sagt Dorothea Benecke (89) aus Heidenau. Sie war 14 Jahre jung, als der Zweite Weltkrieg begann, in dem ihr Bruder Heinrich-Wilhelm und ihr Vater Heinrich fielen.
"Mein Bruder musste nach seiner Kaufmannslehre zum Arbeitsdienst in Dörverden und ging dann zum Wehrmachtsdienst. Er wollte es", erzählt Dorothea Benecke ernst. Am 24. Juli 1943 fiel ihr Bruder 18-jährig in der Ukraine. Weil sie die letzte war, die Briefkontakt zu ihm hatte, bekam sie auch per Post vom Kommandeur die Todesnachricht.
Dorothea Beneckes Vater hingegen zog nicht freiwillig an die Front. "Er wurde im August 1939 nachts aus dem Bett geholt und abgeführt, obwohl noch gar kein Krieg war", sagt die Heidenauerin. Er fiel am 27. März 1945 mit 46 Jahren in Tschechien.
Ihre Mutter Bertha musste die vier Kinder ab 1939 alleine großziehen und führte auch noch den Lebensmittelladen der Familie. Das Überleben sicherte die Mutter durch selbst angebautes Gemüse und die Schlachtung zweier Schweine.
1943/44 besuchte Dorothea Benecke die Handelsschule in Harburg und war anschließend als Kontoristin bei einer Saatgutfirma in Tostedt beschäftigt. "Angst hatten wir immer, auch im Bunker. Auf dem Weg zur Arbeit habe ich mich bei Bombenangriffen auch in den Graben geworfen", sagt die 89-Jährige. Sie erlebte mit, als 1944 ein englisches Flugzeug über einem Acker abgeschossen wurde, und als im gleichen Jahr alle Fensterscheiben der Umgebung nach Abwurf einer Luftmine zerbarsten. "Ein Pole, der sich seinem Arbeitgeber widersetzt hatte, wurde gegenüber des Friedhofes erhängt", berichtet sie von einem weiteren grausamen Erlebnis.
"In jedem Privathaushalt arbeitete damals ein Pole", so Dorothea Benecke. In Heidenau gab es im Krieg und danach zwei große Lager mit rund 6.000 Menschen, u.a. aus Polen, Serbien, der Ukraine, Russland und der Mongolei, die hier zum Arbeitsdienst eingesetzt waren. Einer von ihnen der Jugoslawe Dragutien (†1995). Ihn heiratete Dorothea Benecke nach dem Krieg 1947, nahm später aber wieder ihren Mädchennamen an.