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Mit Ruth Zuther ist eine soziale Institution verstorben

Ruth Zuther (re.) bei einem Besuch aus Tostedts polnischer Partnerstadt Lubaczow (Foto: archiv)
 
Landrat Joachim Bordt ernannte Ruth Zuther an ihrem 80. Geburtstag zur Ehren-Aufsichtsratsvorsitzenden der Krankenhäuser Buchholz und Winsen
bim. Tostedt. Sie setzte sich zeitlebens mit großem Engagement für soziale Belange und für die Völkerverständigung: ein: Ruth Zuther aus Tostedt, die für ihren unermüdlichen Einsatz weit über die Kreisgrenzen hinaus geschätzt wurde, ist Samstagnacht im Alter von 89 Jahren verstorben.
Ruth Zuther, die am 29. Mai 1926 in Lodz geboren wurde, setzte sich für den Dialog zwischen Polen und Deutschen ein. Bereits 1972 organisierte die Lehrerin für Religion, Englisch, Geschichte und Hauswirtschaft Reisen nach Polen, begleitete anfangs u.a. auch den Austausch des Tostedter Gymnasiums mit dem Nikolaus-Kopernikus-Liceum in Rzeszów (Polen).
1993 rief Ruth Zuther mit Gleichgesinnten die Deutsch-Polnische Gesellschaft (DPG) in Tostedt ins Leben, die sie über 20 Jahre leitete. Der heutige DPG-Vorsitzende Klaus-Dieter Feindt, ein langjähriger Weggefährte Ruth Zuthers, sagt: „Die DPG, die Freundschaft zu Tostedts polnischer Partnerstadt Lubaczow und zur Volkstanzgruppe Resovia Saltans sind von ihr wesentlich beeinflusst und getragen worden.“
Der Konsul der Republik Polen, Andrzej Kuzma, hob in einer Ansprache bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen der DPG hervor, dass Ruth Zuther eine wesentliche Rolle bei der Überwindung von Vorurteilen bei beiden Völkern gespielt habe.
Besonders glücklich war Ruth Zuther über die Verleihung des polnischen Verdienstkreuzes in Silber im Jahre 2002 sowie über die 1996 ausgesprochene Ehrenbürgerschaft von Lubaczow. 1995 war sie bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. 2008 wurde sie Ehrenbürgerin in Tostedt.
Die Tostedterin hat zudem alle sozialen und Behinderteneinrichtungen im Landkreis Harburg mitbegründet oder initiiert, u.a. die Schule „An Boerns Soll“ in Buchholz sowie ein Wohnheim in Winsen. Die Einrichtung einer Tagesklinik für psychisch Kranke und des Hospiz‘ in Buchholz lagen ihr ebenso am Herzen.
„Sie war für mich das soziale Gewissen im Kreistag. Es gab keine sozialpolitische Entscheidung, die an ihr vorbei ging“, sagt der stellvertretende Landrat Heiner Schönecke. In diesem Zusammenhang erinnert er an folgendes Projekt: Mitte der 1980er Jahre gab es Überlegungen zu einem alten Hof in Wennerstorf (Samtgemeinde Hollenstedt). Er sei zunächst der Meinung gewesen, den Hof für Tagungen vernünftig auszubauen. Ruth Zuther hingegen der Auffassung, dort Biolandbau zu betreiben und Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. In einem Gespräch der beiden mit Kiekebergmuseumsleiter Rolf Wiese und Oberkreisdirektor Hans-Joachim Röhrs einigte man sich auf das Konzept von Ruth Zuther. „Es war beeindruckend, wie sie Meinungen geprägt hat und Menschen durch ihre zielführende Argumentation überzeugen konnte“, so Schönecke. Denn um ihre Ziele zu erreichen, verstand es die liebenswerte, aber mitunter auch energische Frau mit diplomatischem Geschick, auch Menschen anderer Meinung für ihre Anliegen zu begeistern.
Weiterhin war Ruth Zuther Mitglied des Stiftungsrates der Hospizstiftung Buchholz und Aufsichtsratsvorsitzende der Krankenhaus gGmbH Buchholz und Winsen. Anlässlich ihres 80. Geburtstages wurde sie vom damaligen Landrat Joachim Bordt zur Ehrenaufsichtsratsvorsitzenden ernannt.
Von 1979 bis 1981 lenkte Ruth Zuther die Geschicke der Gemeinde Tostedt als Bürgermeisterin und Gemeindedirektorin. Von 1976 bis 2006 arbeitete sie im Samtgemeinderat sowie von 1976 bis 1986 im Gemeinderat mit.
Von 1972 bis 2006 gehörte die Sozialdemokratin dem Kreistag an. Dank ihrer herausragenden Verdienste wurde sie im vergangenen Oktober mit dem erstmals verliehenen Titel „Ehrenmitglied des Kreistages“ gewürdigt. Landrat Rainer Rempe hatte sie in seiner Laudatio als „Grand Dame und Herz-Dame“ der Kreispolitik gewürdigt.
Bis zuletzt betreute Ruth Zuther polnische Studenten, die in der Nordheide Praktika als Physiotherapeuten machen und kümmerte sich mit darum, dass Behinderte im polnischen Partnerlandkreis Wolow mit Rollstühlen und anderen Hilfsgütern versorgt werden.
Die Trauerfeier zu Ehren Ruth Zuthers soll am Freitag, 7. August, in Tostedt stattfinden.

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