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Bernd Heuer aus Handeloh: Ein Briefträger aus Leidenschaft

Zuverlässig und freundlich - so kennen die Kunden in Buchholz "ihren" langjährigen Postboten Bernd Heuer (Foto: privat)
 
Freuen sich auf gemeinsame Spontan-Urlaube: Bernd Heuer mit seiner Frau Ursula
bim. Handeloh. Relativ häufig beschweren sich WOCHENBLATT-Leser über fehlende oder mangelhafte Postzustellung und überforderte Boten. Auf Bernd Heuer trifft das nicht zu. Für viele Kunden in seinem Buchholzer Bezirk, den er 33 Jahre lang bediente, war er mehr als "nur" ihr Postbote. "Die Kinder mancher meiner Kunden habe ich aufwachsen sehen", berichtet der 63-Jährige. Er war auch mal nach Dienstschluss zur Stelle, wenn jemand Hilfe benötigte, etwa als das Gebiss eines nicht mobilen Senioren zur Reparatur zum Zahnarzt gebracht werden musste. So ist es nicht verwunderlich, dass Bernd Heuer viele besorgte Briefe und Anrufe mit lieb gemeinten Genesungswünschen ereichten, als er einmal längere Zeit erkrankt war. Jetzt wurde der sympathische Handeloher nach 48 Jahren als Postbote in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.
"Ich habe mit 15 Jahren meine Lehre zum Postjungboten, wie es damals hieß, angefangen. Vorher hatte ich schon ein Praktikum bei der Post gemacht. Ich wollte nicht im Büro sein, sondern draußen arbeiten und Kontakt zu Menschen haben", berichtet der gebürtige Steinbecker. Bernd Heuer war von Beginn an für die Postzustellung in Buchholz eingesetzt, in den vergangenen 33 Jahren für alle Straßen hinter dem Krankenhaus in Richtung Steinbeck. In den ersten Jahren musste er neben der Briefzustellung auch Rundfunkgebühren kassieren und bis in die 1970er Jahre, als noch nicht jeder ein Konto hatte, Renten auszahlen. Ebenso musste Bernd Heuer früher die Briefe früh morgens selbst sortieren. Diese Aufgabe übernehmen inzwischen Maschinen. "Man erhält die Briefpost heute nach Gangfolge sortiert. Wir erstellen einen Begehungsplan, der gut geführt werden muss. Wenn es zum Beispiel Neubauten oder Abrisse gibt, muss das eingefügt werden", erklärt Bernd Heuer.
Wegen des frühen Arbeitsbeginns um 5.30 Uhr hatte er damals entsprechend gegen 13.30 Uhr Feierabend, was er vor allem genoss, als Tochter Janina 1983 geboren wurde. "Ab mittags war ich für meine Tochter da. Das war schön", denkt er zurück.
Einschneidende Veränderungen habe es gegeben, als die zuvor staatliche Deutsche Bundespost 1995 privatisiert und zur Deutschen Post AG wurde. "Es wurde mehr verlangt. Die Bezirke wurden anders zugeschnitten und größer, ebenso die Anforderungen an den Einzelnen", sagt Bernd Heuer.
Bis zum Jahr 2006 trug er ausschließlich Briefe mit dem Fahrrad aus. "Dann stellte die Post auf Verbundzustellung um", so Heuer, der fortan auch für die Auslieferung von Paketen zuständig und seither mit dem gelben Post-Auto unterwegs war. Waren es zunächst 20 Pakete am Tag, steigerte sich die Anzahl dank des Internets auf täglich 80 bis 100 Päckchen und Pakete bis 30 Kilogramm.
Nicht nur die Arbeitsbedingungen, auch das Anspruchsdenken der Kunden hat sich geändert. Früher, als es außer den Briefträgern auch noch reine Paketzusteller gab, brauchte ein Paket schon mal drei bis vier Wochen bis zur Auslieferung. Inzwischen lautet vielfach die Forderung: "Wenn ich heute bestelle, muss es möglichst morgen da sein. Als die Sendungsverfolgung hinzu kam, musste ich ungeduldigen Empfängern anfangs schon mal klarmachen, dass ich nicht überall gleichzeitig sein kann", so Heuer, der noch ein echter Postbeamter ist, "ein Auslaufmodell", wie er sagt. Heute gebe es viele befristete Arbeitsverträge, die Fluktuation beim Personal sei hoch.
"Das Schönste, worauf ich mich jetzt freue, ist, dass ich nicht bereits im September den Urlaub für das ganze kommende Jahr planen muss und mit meiner Frau Ursula auch mal spontan wegfahren kann", erklärt Bernd Heuer, der nach wie vor passionierter Fahrradfahrer ist. Außerdem kann er nun viel Zeit mit den Enkelinnen Lotta (neun Monate) und Ida (4) verbringen.